Zusammenarbeit mit INTERPOL: Project WEB greift gegen illegalen Online-Wildtierhandel durch

Blickpunkt CITES-Partner: INTERPOL-Projekt WEB greift gegen illegalen Online-Wildtierhandel durchHeute wurde ein Bericht über die erste von internationalen Polizeibehörden gemeinsam koordinierte Untersuchung des Online-Elfenbeinhandels veröffentlicht. Auf Empfehlung des Internationalen Tierschutz-Fonds (IFAW) hin und mit seiner Unterstützung rief INTERPOL das Project WEB ins Leben – eine Untersuchung des Online-Elfenbeinhandels in der EU. Während einer zweiwöchigen Überwachung verschiedener Online-Auktionsportale in neun europäischen Ländern fand man mehrere Hundert Inserate für Elfenbeingegenstände, die zu einem Gesamtwert von etwa 1.450.000 Euro zum Verkauf angeboten wurden. Ermittler analysierten über 660 Angebote für Elfenbein auf 61 verschiedenen Auktionsportalen. Daraufhin wurden sechs nationale und drei internationale Untersuchungen mit Fokus auf jenen Angeboten eingeleitet, die Elfenbein entweder als neu ausschrieben oder die eine ausländische Herkunft angaben.

Das Project WEB in Zahlen:

Elfenbein im geschätzten Wert von 1,45 Mio. Euro

In 9 Ländern

Auf 61 Online-Auktionsportalen

In 660 Online-Inseraten

Für Hunderte von Elfenbeingegenständen

In einem Zeitraum von 2 Wochen

Mit der Folge 6 nationaler Untersuchungen

Und 3 internationaler Untersuchungen

In dieser Woche findet die 16. Vertragsstaatenkonferenz des Abkommens über den Internationalen Handel mit gefährdeten Arten wildlebender Tiere und Pflanzen (CITES) statt.  Die 177 Unterzeichnerstaaten des Artenschutzabkommens haben, nicht zuletzt dank der Lobbyarbeit des IFAW, bereits gewisse Zugeständnisse im Hinblick auf die Untersuchung und Verfolgung des Online-Handels sowie im Hinblick auf die Überprüfung oder Entwicklung nationaler Maßnahmen zur Bekämpfung des illegalen Wildtierhandels gemacht. Mindestens ein Land hat bereits schärfere Gesetze zur Ahndung des illegalen Online-Handels verabschiedet und einige andere Länder haben damit begonnen, Strategien zur Bekämpfung des illegalen Verkaufs von Wildtierprodukten im Internet zu entwickeln. Bei vielen weiteren Ländern stehen solche Maßnahmen gegen den illegalen Online-Handel noch aus.

Seit 2004 weist der IFAW auf die wachsende weltweite Bedrohung hin, der der illegale Online-Handel für gefährdete Arten darstellt. Mehrere IFAW-Untersuchungen haben wiederholt gezeigt, dass Tausende von Wildtieren und Wildtierprodukte wie Elfenbein weltweit im Internet zum Verkauf angeboten werden.

Der IFAW fand Online-Anzeigen für lebende Primaten, Großkatzen, Vögel und Reptilien und für Körperteile von Nashörnern, Elefanten, Haien, Tibet-Antilopen und Stören. Im Januar 2012 brachte eine IFAW-Online-Untersuchung 17.847 Elfenbeinprodukte auf 13 chinesischen Webseiten zutage, von denen kein einziges die notwendige behördliche Genehmigung besaß. Bei einer vierwöchigen Untersuchung in den Vereinigten Arabischen Emiraten und einigen benachbarten arabischen Staaten im gleichen Jahr wurden auf 11 Webseiten 796 Angebote für lebende Wildtiere gefunden. Kein einziges Angebot lieferte einen Beleg dafür, dass der Verkauf legal war.

Im Jahr 2011 enthüllte eine IFAW-Untersuchung einen florierenden Handel mit Elfenbeingegenständen. Im Rahmen der Untersuchung wurden zwei Wochen lang 43 Webseiten in Großbritannien, Frankreich, Portugal, Spanien und Deutschland beobachtet und es wurden 669 Angebote für Elfenbein gefunden.

Die Statistiken sind besorgniserregend, allerdings auch wenig anschaulich, so möchte ich hier anhand eines konkreten Beispiels das Grauen des illegalen Handels darlegen. Im Jahr 2012 gestand ein britisches Paar in 12 Fällen den illegalen Export, in drei den illegalen Import, in sieben den illegalen Verkauf und in zwei den illegalen Besitz von unter dem britischen Zollgesetz verbotenen Arten. Besagtes Paar hatte Körperteile von Eulen, von einem Pavian, von Makaken, einer Python, einem afrikanischen Pinguin, einem afrikanischen Löwenjungen und einem Kalong verkauft. Die Gegenstände wurden in einem Lagerraum voller Schädel und anderer Tierkörperteile aufbewahrt, der mich, als ich die Bilder davon sah, an eine Totenkammer für Wildtiere erinnerte.

Der Hinweis auf die Gefahr, die von dem Handel ausgeht, ist ein erster wichtiger Schritt, der IFAW ist aber bereits einen Schritt weitergegangen und hat auch Webseiten-Betreiber, Vollzugsbehörden und Regierungen in seine Kampagne gegen den illegalen Online-Wildtierhandel einbezogen.

Als wir nach unserer Untersuchung „Tod per Mausklick“ im Jahr 2008 Elfenbein als das am häufigsten online gehandelte Wildtierprodukt identifiziert hatten, forderten wir eBay dazu auf, den Verkauf von Elfenbein über seine Webseiten zu verbieten. Zu unserer Freude verkündete eBay die Einführung des Verbots im Januar 2009. Seither sind auch andere Webseiten nachgezogen, z.B. Alibaba (www.taobao.com) in China, die weltweit größte Business-to-business- und Outsourcing-Plattform für Online-Händler.

Zwar können durch ein Handelsverbot für Wildtierprodukte auf Webseiten skrupellose Händler nicht mehr ganz so leicht schnelles Geld machen wie zuvor, doch auch die Behörden müssen ihre Anstrengungen verstärken. Immer wieder erleben wir, wie Händler Wildtierprodukte tarnen, um von Polizei, Zoll oder Webseiten-Betreibern wie eBay unerkannt zu bleiben.

Neben der Zusammenarbeit mit INTERPOL arbeitet der IFAW mit Vollzugsbehörden in aller Welt zusammen, um gegen Online-Händler vorzugehen. Unsere Untersuchungsergebnisse stellen wir zur Verfügung, um internationale Polizeioperationen zu unterstützen und um zu ermöglichen, dass Webseiten-Betreiber und Vollzugsbehörden gemeinsam gegen den illegalen Online-Verkauf von Wildtierprodukten durchgreifen können. 

--TM

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Experten

Azzedine Downes, Präsident und CEO des IFAW
Präsident, CEO und Geschäftsführer IFAW-Deutschland
Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Dr. Elsayed Ahmed Mohamed, Regionaldirektor Mittlerer Osten
Regionaldirektor Mittlerer Osten
Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
Regionaldirektorin Russland und GUS
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
Regionaldirektorin Asien
Isabel McCrea, Regionaldirektorin Ozeanien
Regionaldirektorin Ozeanien
Jeffrey Flocken, Regionaldirektor Nordamerika
Regionaldirektor Nordamerika
Kelvin Alie, Programmdirektor Wildtierhandel
Programmdirektor Wildtierhandel
Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Robert Kless, Leiter Wildtier-Kampagnen, IFAW Deutschland
Leiter Wildtier-Kampagnen, IFAW Deutschland
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
Regionaldirektor Südasien