Wolfsexperte Bob Hayes präsentierte sein neues Buch „Wölfe im Yukon“

„Wölfe im Yukon“Es war ein nicht alltäglicher Veranstaltungsort: im Scheinwerferlicht standen Bär, Wisent, Rothirsch und Wolf. Zwischen Eisbär und Walskelett standen die Stühle. Zahlreiche Wolfsfreunde kamen zu der gemeinsamen Veranstaltung des Zoologischen Museums der Universität Hamburg und des IFAW. Sie hatten den kanadischen Wolfsforscher und Autor Bob Hayes eingeladen. Bob präsentierte sein neues Buch „Wölfe im Yukon“ und berichtete von spannenden Erlebnissen und Erkenntnissen aus seiner jahrzehntenlangen Arbeit als Wolfsforscher.

Der IFAW Deutschland arbeitet seit nun über 10 Jahren zum Thema Wölfe in Deutschland und Polen. So bot es sich an, Bob einzuladen und bei einem Vortrag sowohl über die Wölfe in Deutschland als auch im kanadischen Yukon zu berichten.

Da ich der Wolfsexperte des IFAW bin, gab ich zunächst einen kurzen Überblick über die Situation der Wölfe in Deutschland.

Die aktuellen Zahlen sind erfreulich: In Deutschland gibt es derzeit 14 Rudel in Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt und mehrere einzelne Wölfe in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Insgesamt sind es wohl zwischen 100 und 120 Tiere. Allerdings wird die Zahl  bald weiter ansteigen sobald dieses Jahr die Welpen geboren werden.

Der deutsch-westpolnische Wolfsbestand hat sich in den letzten zwölf Jahren gut entwickelt, ist aber immer noch sehr klein und gefährdet. Geringe genetische Varianz und damit die Anfälligkeit für Krankheiten sind ein Risiko. Dazu kommt die Gefährdung durch den Straßenverkehr (seit 2000 wurden mindestens 27 Wölfe in Deutschland totgefahren) sowie illegale Abschüsse (seit 2000 sind sieben bekanntgeworden, die Dunkelziffer ist sicherlich wesentlich höher).

Nach der Situationsbeschreibung für Deutschland begann Bob im Rahmen seiner Buchvorstellung über die Wölfe im Yukon, Kanada zu berichten.

Im Yukon sind die Bedingungen und die Situation der Wölfe völlig anders als bei uns: Auf einer Fläche der 1,3-fachen Größe Deutschlands leben lediglich 30.000 Menschen, und ungefähr 5.000 Wölfe.

Bob Hayes war zwanzig Jahre lang der Wolfsbiologe bei der Regierung des Yukon und wurde beauftragt, den Erfolg der damals üblichen Bestandskontrolle zu untersuchen. Wölfe wurden mittels Fallen, Gift und Abschüssen vom Flugzeug oder Hubschraubern aus massenhaft dezimiert. Schon von Beginn an sah Bob diese Maßnahmen sehr kritisch. Schließlich konnte er nachweisen, dass zum einen der großflächige Gifteinsatz zahlreiche weitere Tiere wie Kojoten und Vielfraße gefährdete. Zum anderen zeigte sich, dass schon nach wenigen Jahren nach dem Eingriff der Wolfsbestand auf das Ausgangsniveau wieder angestiegen war. Eine Bestandskontrolle war auf diesem Wege also nicht dauerhaft möglich – und ist auch unnötig. Der Wolfsbestand reguliert sich durch natürliche Einflüsse, ohne menschliches Zutun. So trug Bob maßgeblich dazu bei, dass diese unsinnige und grausame Art der Wolfskontrolle beendet wurde.

Bob Hayes berichtete auch von einem erstaunlichen Phänomen:

Die Hauptnahrung der Yukon-Wölfe im Winter sind Elche. In einem großen Wolfsrudel kommen im Durchschnitt und umgerechnet auf ein Tier pro Jahr wesentlich weniger erlegte Elche als dies in einem kleinen Rudel oder bei einem Wolfspaar der Fall ist. Der Grund hierfür ist überraschend: Die Kolkraben, so fand Bob in seinen Forschungen heraus, machen sich als Aasfresser schnell über einen Kadaver her, sobald die Wölfe ihren Riss verlassen haben. Bei einem großen Rudel ist der Riss schnell nahezu vollständig von den Wölfen vertilgt. Ein kleines Rudeln oder Wolfspaar vertilgt ein Elchkadaver wesentlich langsamer. Die Kolkraben können in diesen Fällen länger am Kadaver mit fressen, sodass sie sogar bis zu 80% des Risses abbekommen. Die  Wolfspaare  bekommen vom Riss nur einen sehr kleinen Teil ab. So müssen sie bald wieder auf die Jagd gehen und einen weiteren Elch erlegen.

Die Präsentation von Bob Hayes zeigte mir einmal mehr, wie wichtig es ist, Wölfe wissenschaftlich zu beobachten, verstehen zu lernen, wie die Tiere leben, wie sie zusammen Leben und welche Rolle sie im Ökosystem haben. Natürlich gilt dies auch für unsere Breiten, insbesondere nach der Abwesenheit einer regelmäßigen Wolfspräsenz in weiten Teilen Europas über 150 Jahre. Zu wissen, wie und wo der Wolf lebt, ist der beste Schutz für die scheuen Rückkehrer.

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Experten

Gail A'Brunzo, Leiterin IFAW Wildtierschutz
Leiterin Wildtierschutz, IFAW
Robert Kless, Leiter Wildtier-Kampagnen, IFAW Deutschland
Leiter Wildtier-Kampagnen, IFAW Deutschland