Wir brauchen mutige Anträge für die CITES-Vertragsstaatenkonferenz

Anträge für Themen, die bei der 16. Vertragsstaatenkonferenz (Conference of the Parties – CoP16) der Konvention über den Internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen (CITES) im März 2013 abgehandelt werden sollen, können bis heute eingereicht werden.

Anlässlich des Welttierschutztages präsentiere ich hier eine Zusammenfassung der Tierarten, die wir bei der CITES-Konferenz thematisiert sehen wollen – zusammen mit einigen wenigen, die wir nicht sehen wollen:

Elefanten

Zum ersten Mal seit über 20 Jahren sieht es so aus, als müssten wir nicht dafür kämpfen, dass der Elfenbeinhandel bei einer CITES-Vertragsstaatenkonferenz thematisiert wird. Dies ist leider vorrangig der Tatsache geschuldet, dass die Wilderei von Elefanten aktuell erneut eskaliert und die meisten Vertragsstaaten und Akteure sich darüber einig sind, dass die Debatten über den legalen Elfenbeinhandel so lange ruhen müssen, bis die Elefanten-Verbreitungsstaaten gemeinsam einen Plan zum Schutz der Elefanten und zur Bekämpfung des illegalen Elfenbeinhandels entworfen haben. 

Tansania hatte beispielsweise bei der letzten CoP 2010 einen Antrag auf Debatte des Elfenbeinhandels gestellt, für die kommende Konferenz jedoch bereits in einer öffentlichen Erklärung verkündet, dass es von einem erneuten Antrag absehen wird. Auch Sambia, der zweite Antragsteller aus dem Jahr 2010, hat in diesem Jahr keinen Anstalten gemacht, einen Antrag zu stellen. Die meisten Vertragsstaaten und Experten, auch die des IFAW, sind sich ohnehin darüber einig, dass angesichts der aktuellen Krise Anträge für eine Debatte des Elfenbeinhandels zu nichts führen würden.

Wenn es um Elefanten geht, ist aber grundsätzlich alles möglich – und so könnte ein in letzter Sekunde eintrudelnder Antrag auf eine Debatte des Elfenbeinhandels den Vertragsstaaten endlich einmal eine Gelegenheit bieten, vorrangig den Schutz der Elefanten in ihren Lebensräumen und die Verringerung der Elfenbeinnachfrage in China und auf anderen Märkten zu diskutieren, statt wie sonst immer nur die Politik und die Profite, die aus Elfenbein zu schlagen sind, zu thematisieren.   

Aber was bei der CITES auch passieren wird, es muss schnell passieren, wenn wir das sinnlose Töten beenden wollen.   

Haie

Die grausame Praxis des so genannten Shark-Finning (ein Hai wird gefangen, seine Rückenflosse abgetrennt, dann wird er lebend wieder über Bord zurück ins Wasser geworfen) hat in den letzten Jahren zugenommen. Diese Entwicklung ist der steigenden Nachfrage nach Haiflossensuppe geschuldet, die in vielen Regionen Asiens als Delikatesse gilt. 

Die Populationen mancher Haiarten wurden um bis zu 80% dezimiert, andere sind in den letzten zehn Jahren komplett verschwunden. Gründe dafür sind das Shark-Finning, aber auch Überfischung, Lebensraumzerstörung oder Beifang beim kommerziellen Fischfang. Experten zufolge werden jährlich 100 Millionen Haie aus den Meeren geholt.

Glücklicherweise erwarten wir, dass einige mutige Vertragsstaaten erneut eine erhöhte Schutzstufe für die am meisten gefährdeten Haiarten beantragen werden – darunter auch der Hammerhai, der Weißspitzen-Hochseehai und der Heringshai. 

Wir nennen sie „mutig“, weil die CITES-Vertragsstaatenkonferenz schon einmal an diesem Punkt angelangt war und sich plötzlich einer vehementen Opposition aus Ländern wie Japan, China und anderen gegenüber sah, der es gelang knallharte wissenschaftliche Fakten, die für den Schutz der Haie sprechen, mit wirtschaftlichen Argumenten zu entkräften.

Wir hoffen, dass dieses Mal der gesunde Menschenverstand und der Sinn für den Schutz der Natur die Überhand behalten werden.

Eisbären

Die CITES listet Arten auf Anhang I – die höchste Schutzstufe – wenn sie vom Aussterben bedroht oder vom internationalen Handel betroffen sind. Eisbären leiden nicht nur erheblich unter dem Verlust ihrer Lebensräume aufgrund des Klimawandels, ihre Körperteile, aus denen Teppiche und Ziergegenstände gefertigt werden, sind als Handelsware auch immer begehrter. 

Prognosen von Wissenschaftlern zufolge werden die meisten Eisbärpopulationen in 40 Jahren verschwunden sein, wenn sich der aktuelle Trend fortsetzt. 

Ganz klar gehören diese Tiere doch dann auf den Anhang I, oder? 

Falsch kombiniert. 

Bei der CoP15 scheiterte ein Antrag der USA, den Eisbären auf Anhang I aufzulisten, weil die Debatte von klima- und wirtschaftspolitischen Überlegungen statt von wissenschaftlichen Fakten dominiert wurde. 

Diese Themen sind zwar wichtig, für die Kriterien, die für eine Auflistung auf den CITES-Anhängen ausschlaggebend sind und die alle Parteien gemeinsam verabschiedet haben, jedoch unbedeutend. 

Seit der Abstimmung im Jahr 2010 hat sich die Lage für Eisbären mehr denn je verschärft. Das Packeis in der Arktis – für die Eisbären lebenswichtig – ist gerade auf ein Rekordtief geschmolzen und gleichzeitig erreichen die Verkaufszahlen von Eisbärfellen wegen ihres Seltenheitswerts ein Rekordhoch. 

Eisbären erfüllen ganz klar alle Kriterien für eine Listung auf Anhang I. Hoffentlich wiederholen die USA ihren Antrag und die Vertragsstaaten haben diesmal ein Einsehen, damit die Eisbären endlich den Schutz bekommen, den sie verdienen. 

Internethandel

Beim Thema Wildtierhandel im Internat ist der IFAW bereits seit über zehn Jahren Vorreiter. Je größer der Online-Markt mit der Zeit wurde, desto vehementer haben wir uns auch dafür stark gemacht, dass illegale Händler das World Wide Web nicht als sicheren Umschlagplatz für ihre kriminellen Machenschaften beanspruchen können. 

Bei der CoP15 hat der IFAW am Entwurf und an der Verabschiedung einer CITES-Resolution mitgewirkt, mit der alle Länder dazu angehalten wurden, Maßnahmen zum effektiveren gesetzlichen Schutz von Wildtieren vor Online-Handel zu ergreifen.

Seither untersucht der IFAW fortlaufend den Internethandel mit Elfenbein und anderen Wildtierprodukten – in Europa, China und im Nahen Osten führen wir auch Langzeitstudien durch. Auf unsere Erkenntnisse hin haben viele Online-Portale auf ihren Seiten Verbote für den Handel mit Elfenbein, Rhinozeroshorn, Haisflossen und anderen gefährdeten Arten erlassen und in Ländern wie China, den Vereinigten Arabischen Emiraten, der Tschechischen Republik wurden strengere Bestimmungen zum Schutz von Wildtieren verabschiedet. 

Eine Sache ist jedoch im Laufe der Zeit klar geworden: Es muss noch viel mehr getan werden.  Der IFAW hofft, dass die CITES-Vertragsstaaten noch viel deutlichere und spezifischere Forderungen nach strengeren Bestimmungen für den Schutz von Wildtieren vor dem Internethandel, die bei der CoP16 debattiert werden sollen, formulieren. 

Tiger

Im Jahr 2007 enthüllte der IFAW in seiner bahnbrechenden Studie „Made in China: Farming Tigers to Extinction“ die erschreckende Wahrheit über riesige Tigerfarmen in China und über die Gefahr, die diese für das Überleben der letzten wild lebenden Tiger darstellen. Im selben Jahr noch verabschiedeten die CITES-Vertragsstaaten einen Beschluss, der besagt, dass „Länder keine Tiger mit dem Ziel der kommerziellen Nutzung von Tigerteilen oder Tigerprodukten züchten sollen“.

Seither fordern die Vertragsstaaten bei jeder Konferenz von China, Vietnam und anderen Länder mit großen Tigerzuchtfarmen einen Zwischenbericht über ihre Fortschritte bei der Durchsetzung dieses Beschlusses. Bislang hat es noch keinen Zwischenbericht gegeben.  

Im Juli 2012 ging der Ständige Ausschuss der CITES einen Schritt weiter und forderte China und andere Vertragsstaaten, „die im großen Rahmen Tiger zu kommerziellen Zwecken züchten“, dazu auf, den Beschluss durchzusetzen und bis zum 25. September 2012 dem CITES-Sekretariat einen Bericht vorzulegen, in dem die Gesamtanzahl von Tigerfarmen, die Anzahl der Tiere und alle Lagerbestände an Tigerteilen und Tigerprodukten aufgeführt sind.

Der IFAW hofft, dass die Berichte abgeliefert worden sind und dass sie detaillierte Informationen über Pläne zum Ausstieg aus der Tigerzucht enthalten. Es deutet viel darauf hin, dass der illegale Handel mit Tigerteilen, die aus Farmen stammen, die Nachfrage nach Tigerprodukten anheizt und damit das Überleben der noch verbleibenden wild lebenden Tiger gefährdet.

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Der Internationale Tierschutz-Fonds wird sich wie in allen vergangenen Jahren gemeinsam mit wichtigen Nationen und Akteuren für die Anträge starkmachen, die den Schutz gefährdeter Arten vor Wilderei und illegalem Wildtierhandel fordern. Handeln müssen am Ende aber wie immer die Vertragsstaaten.

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Experten

Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Mitglied des IFAW-Elefantenteams
IFAW-Elefantenexpertin
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
Regionaldirektorin Asien
James Isiche, Regionaldirektor Ostafrika
Regionaldirektor Ostafrika
Jason Bell, Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südliches Afrika
Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südafrika
Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
Regionaldirektor Südasien