Wildtiersouvenirs im Angebot – unterwegs auf den Märkten in Südost-Asien und Südafrika

Elfenbeinschnitzereien auf einem Markt in Tachileik, MyanmarEs war eine lange Autofahrt vom Flughafen von Chiang Mai, Thailand, an die Grenze im Norden des Landes. Jetzt bin ich angekommen in der kleinen Grenzstadt Mae Sai. Die Grenze nach Myanmar (Burma) ist in Sichtweite.

Mae Sai ist klein, nur wenige Zehntausend Einwohner, die Märkte sind dafür umso größer. Hier und auch auf der anderen Seite der Grenze im Städtchen Tachileik erstrecken sich über viele Kilometer Straßenmärkte und Markthallen. Seitdem die Grenze nach Myanmar auch für Touristen durchlässiger geworden ist und man mit einem Tagesvisum ganz einfach hinüberwechseln kann, ist diese Region ein zunehmend beliebtes Reiseziel. Mir fallen viele Touristen aus China auf, aber auch westeuropäische Urlauber sind zu entdecken.

Die Märkte haben sich darauf eingestellt. Neben Angeboten für das tägliche Leben, von Gebrauchsgegenständen über Kleidung bis hin zu Lebensmitteln, sind auch typische Reisesouvenirs zu finden.

Die Fülle der angebotenen Waren ist unbeschreiblich. Leider sehe ich auch viele lebende Tiere unterschiedlichster Art: Vögel, Kröten, Schlangen, Süßwasserschildkröten, Fische. Sie finden meist Verwendung in der Küche oder in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Auf Artenschutz wird hierbei kaum Rücksicht genommen.

Ich konzentriere mich auf Angebote von typischen Reisesouvenirs. Ich finde tolle handgeschnitzte Puppen und Marionetten, kunstvoll gefertigte Stoffe und Textilien, Schmuck aus Draht und Metall. Und dann entdecke ich gleich mehrere Stände mit Elfenbeinschnitzereien jeglicher Art: Armreifen, Halsketten, Anhänger, Ringe, Figuren. An der Echtheit des Materials habe ich keine Zweifel. Auf den polierten Flächen ist eine Bänderung gut zu erkennen. Auf Nachfrage bekomme ich die Auskunft, dass das Elfenbein von thailändischen Elefanten stamme; aber kein Wort darüber,  dass ich als Tourist solche Produkte gar nicht außer Landes und erst recht nicht mit nach Europa bringen darf.

Meine Suche geht weiter: In einem exklusiven Spirituosen-Geschäft wird mir eine Flasche Tigerwein angeboten, nach Aussage der Verkäuferin vor einigen Jahren aus China importiert. Der Preis: mehrere Hundert Euro. Tigerwein besteht in der Regel aus Whisky, in den für eine gewisse Zeit Knochen eines Tigers eingelegt wurden. Man glaubt, dass so eine stärkende und heilende Wirkung der Tigerknochen von der Flüssigkeit aufgenommen wird. Knochen von einem wilden (und somit gewilderten) Tiger sollen sehr viel wirkungsvoller sein. So ist Tigerwein ein beliebtes Produkt in der TCM, aber zunehmend auch als Reisemitbringsel oder Gastgeschenk mit Statussymbolwert. Und auch hier: Der strenge Schutzstatus von Tigern wird ignoriert.

Ich fühle mich erinnert an eine Reise nach Südafrika vor einigen Jahren. Auch dort habe ich Märkte und Shoppingmalls nach Reisesouvenirs durchforstet, und auch dort bin ich fündig geworden: geschützte Muscheln und Korallen, Reptilienlederprodukte, Felle und Trophäen von Raubkatzen und immer wieder Elfenbein. Sogar abgesägte Elefantenfüße, umfunktioniert zu Barhockern, wurden mir gezeigt. Und immer wieder dasselbe: Auf Nachfrage bekommt der Kaufinteressent irreführende oder falsche Aussagen wie „Das Elfenbein stammt von natürlich gestorbenen Elefanten!“ oder „Ein großer Teil des Verkaufserlöses kommt Naturschutzprojekten zugute!“ Und alles ist natürlich „völlig legal“ …

Die Folgen hiervon zeigen aktuelle Zahlen, die vor kurzem das Hauptzollamt Frankfurt am Main – Flughafen veröffentlich hat. Demnach erfolgten dort im Jahr 2011 553 artenschutzrelevante Beschlagnahmen. Dabei wurden z.B. 4.675 lebende Tiere und 15.077 Erzeugnisse aus geschützten Tiere und Pflanzen sichergestellt. Ein Großteil dieser Produkte stammt aus den Koffern von Reisenden.

Es lohnt sich also, sich vor einer Reise gut darüber zu informieren, von welchen Urlaubssouvenirs man lieber die Finger lassen sollte – im eigenen Interesse und im Interesse der Artenvielfalt und des Tierschutzes.

Der IFAW hat kürzlich ein aktualisiertes Faltblatt veröffentlicht, das eine gute Übersicht über verbotene Reisesouvenirs gibt. Weitere Informationen zu diesem Thema sind auch auf der IFAW-Homepage zusammengestellt.

--RK

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Experten

Azzedine Downes, Präsident und CEO
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Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Dr. Elsayed Ahmed Mohamed, Regionaldirektor Mittlerer Osten
Regionaldirektor Mittlerer Osten
Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
Regionaldirektorin Russland und GUS
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
Regionaldirektorin Asien
Isabel McCrea, Regionaldirektorin Ozeanien
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Jeffrey Flocken, Regionaldirektor Nordamerika
Regionaldirektor Nordamerika
Kelvin Alie, Programmdirektor Wildtierhandel
Programmdirektor Wildtierhandel
Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Robert Kless, Leiter Wildtier-Kampagnen, IFAW Deutschland
Leiter Wildtier-Kampagnen, IFAW Deutschland
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
Regionaldirektor Südasien