Wie hilft man tierischen Flutopfern am besten?

Ein Hund im pakistanischen Überschwemmungsgebiet.Wir erhielten soeben den „Beurteilungsbericht“ von unserem Team in Pakistan und wie wir befürchtet hatten, sind die Bedingungen dort katastrophal. Die Bilder zeigen eine gesamte Region, die gegen das Hochwasser kämpft: Ganze Dörfer sind verschwunden, Ernten wurden zerstört, Familien aus ihren Häusern vertrieben und viele Menschen kamen ums Leben. Selbstverständlich gehen Menschenleben vor, aber wir finden, dass nun auch die Zeit gekommen ist, auch den Tieren dort zu helfen.

Tiere sind in Pakistan ein sehr wichtiger Bestandteil der Kultur und leisten auch einen Beitrag für die Familie: Farmtiere helfen beim Pflügen von Feldern, Hühner legen Eier, Ziegen geben Milch und Käse und Hunde sorgen für Sicherheit. Es ist also durchaus angebracht, einzugreifen und auch für das Wohl der Tiere zu sorgen.

Einer der härtesten Aspekte der Notfallrettung ist es zu bestimmen, welche Tiere/Region zuerst Hilfe bekommt, wenn doch so viele Hilfe brauchen, aber nur begrenzte Mittel zur Verfügung stehen. Allein im Distrikt von Sanghar (vier Unterbezirke) mussten 1100 Familien ihre Häuser verlassen, auf die fast 10 000 Stück Vieh, 3327 Pferde und Esel und eine unbekannte Zahl von Hunden kommen.

78 000 US-Dollar würden benötigt, um all diese Tiere für nur zwei Wochen zu füttern! Die Katastrophe wird sich aber wahrscheinlich über Monate hinziehen. Und man muss bedenken, dass dies nur ein kleiner Teil des betroffenen Gebiets ist. Wir können nicht allen helfen und sogar wenn sich alle internationalen Tierschutzgruppen beteiligen, können wir einfach nicht alle retten. Glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage, dass uns das schlaflose Nächte beschert!

Wie entscheiden wir also, wo wir helfen und auf welche Tiere wir uns konzentrieren? Es ist eine schwierige Entscheidung und auf keinen Fall eine, die uninformiert getroffen werden kann. Deshalb ist der Prozess der „Beurteilung“ so wichtig für uns.

Im Fall von Pakistan gibt es eine Reihe von Faktoren, die wir in unsere Überlegungen zu den Hilfseinsätzen einbeziehen:

  • Ist es der richtige Zeitpunkt für einen Hilfseinsatz für Tiere, d.h. wurden die Menschen schon mit dem Wichtigsten versorgt?
  • Wo wird das Wasser voraussichtlich schnell zurückgehen und den Tieren ermöglicht, zu ihren natürlichen Weidegebieten zurückzukehren?
  • Welcher Zugang besteht zu Futter und Wasser?
  • Können wir in die betroffenen Gebiete mit großen Lastwagen gelangen?
  • Wie empfänglich sind die Gemeinden und Gemeindevorsteher für Tierhilfen?Welche Regionen sind am wichtigsten für die gesamtwirtschaftliche Erholung des Gebiets?
  • Können wir sicherstellen, dass unsere Hilfe wirklich beim Tier ankommt?

Es gibt noch so viele andere Fragen, die ich stellen muss, wenn wir ein Hilfsprojekt planen und der Entscheidungsprozess ist in gleichem Maße Wissenschaft wie eine Kunst. Wahrscheinlich gibt es keine perfekten Antworten. Doch aus meiner Sicht ist es besser, den Einsatz soweit einzugrenzen, dass wir einer überschaubaren Anzahl von Tieren wirklich helfen können, die Katastrophe zu überleben. Für Situationen wie sie in Pakistan und Indien vorzufinden sind und wo die Überschwemmungen sich wahrscheinlich über Monate hinziehen, müssen wir aufpassen, dass wir unser Einsatzgebiet nicht zu weit ausdehnen.

Wir würden natürlich gerne allen von Katastrophen betroffenen Tieren helfen und es ist immer sehr hart einzugestehen, dass wir eben nur so vielen Tieren helfen können, wie es die aktuellen Mittel erlauben. Sie können dabei helfen, dass wir so viele Tiere wie nur möglich erreichen, gehen Sie bitte auf www.ifaw.org, um mehr zu erfahren und um unsere Arbeit in Pakistan und dem Rest der Welt zu unterstützen.

- IR

Kommentare: 3

 
Gast
3 Jahre ago

ich finde das sehr schrecklich ich weine manchmal wenn so welche tiere sterben ! :O

 
Gast
3 Jahre ago

Warum nur stört mich der Satz : "Selbstverständlich gehen Menschenleben vor, aber wir finden, dass nun auch die Zeit gekommen ist, auch den Tieren dort zu helfen." - Stehe ich denn mit meiner Meinung, das ein Tierleben gleichbedeutend mit einem Menschenleben ist, vollkommen Alleine da ? - Wir sind doch im Grunde genommen ALLE, und damit meine ich Menschen UND Tiere, wir sind ALLE nur Lebewesen...nur weil der Mensch sich als scheinbar Klügstes Wesen auf diesem Planeten fühlt, meinen viele sich über die Tiere erhaben zu fühlen - das ist absolut nicht Okay ! Nur weil Tiere nur bedingt mit uns (und wir auch mit ihnen !) komunizieren können, bedeutet es noch lange nicht, das wir uns ihrer zu eigen machen dürfen und sie ihrem Schicksal überlassen dürfen, wenn mal etwas schlimmes passiert !!! - Bitte, lasst uns Tieren, die in Not geraten, genauso helfen wie wir auch Menschen helfen würden !!! ~gruftschnecke

 
Gast
3 Jahre ago

auch bei solchen Naturgewalten brauchen nicht nur die Menschen Hilfe, sondern auch die betroffenen Tiere.

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Experten

Alexa Kessler, Projektleiterin für den Bereich Haustiere, IFAW Deutschland
Projektleiterin für den Bereich Haustiere, IFAW Deutschland
Cora Bailey
Director, Community Led Animal Welfare (CLAW)
Cynthia Milburn, Direktorin Tierschutzaufklärung und -bildung
Direktorin Tierschutzaufklärung und -bildung
Dr. Ian Robinson, Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
Gail A'Brunzo, Leiterin IFAW Wildtierschutz
Leiterin Wildtierschutz, IFAW
Hanna Lentz, Programm-Managerin/Campaignerin, IFAW Zentrale USA
Programm-Managerin/Campaignerin, IFAW Zentrale USA
Kate Nattrass Atema, Programmdirektorin Haustiere
Programmdirektorin Haustiere
Nancy Barr, Programmdirektorin Kinder- und Jugendprogramm “Animal Action“
Programmdirektorin Kinder- und Jugendprogramm “Animal Action“
Shannon Walajtys
Leiterin des Bereichs Katastrophenhilfe