Was Aufklärungsarbeit bewegen kann: Rettung einer Hündin und ihrer Welpen auf Bali

Dorfbewohner freuen sich über die Rettung von Hündin und Welpen.

Diesen Beitrag schickte uns ein Mitarbeiter unserer Partnerorganisation Bali Animal Welfare Organisation (BAWA) auf Bali. Die Geschichte ist ein tolles Beispiel dafür, wie das vom IFAW gegründete Aufklärungsprogramm für Gemeinden auf Bali Tierleben rettet.

Fehlendes Wissen über das Verhalten von Tieren sorgt immer wieder und überall auf der Welt für unnötiges Leiden von Mensch und Tier. Auf Bali etwa führt das Unwissen über das Verhalten von Hunden oft dazu, dass die Menschen Angst bekommen und zu grausamen Hilfsmitteln greifen.

Ein Mitarbeiter unseres Aufklärungsteams erhielt vor kurzem einen Anruf aus einem Banjar, wie auf Bali die Unterbezirke innerhalb eines Dorfs genannt werden. Der Vorsteher dieses Banjar bat um Hilfe für eine Hündin und ihre Welpen. Onceg ist eine liebe, freilebende Hündin und gehört eigentlich fest zur Gemeinde. Wie viele andere Hunde auf Bali hat Onceg keinen bestimmten Besitzer, sondern wird von vielen versorgt. Leider ist sie nicht sterilisiert und wurde trächtig.

Wie viele Hunde auf Bali suchte sie sich einen engen dunklen Platz, um ihre Welpen zu gebären. Onceg wählte dafür einen Tunnel neben einer Straße im Zentrum des Banjar. Als Leute am Tunneleingang vorbeigingen oder mit dem Moped vorbeifuhren, bellte und knurrte Onceg sie an. Als sie anhielten, um zu sehen, was mit ihr los war, knurrte und bellte sie nur noch lauter und fletschte ihre Zähne. Selbstverständlich wollte Onceg nur ihre Welpen beschützen. Sie tat nur, was jede andere Mutter auch tun würde. Die Dorfbewohner verstanden das jedoch nicht so. Da Onceg knurrte und ihre Zähne zeigte, gingen sie davon aus, dass sie tollwütig geworden war und dass ihr aggressives Verhalten eine Bedrohung darstellte.

Glücklicherweise nimmt dieses Banjar an BAWAs Aufklärungsprogramm teil. Das vom IFAW gegründete Programm unterstützt Gemeinden dabei, Probleme mit ihren Hunden besser einzuordnen und dann tierfreundliche Lösungen dafür zu finden. Allein durch die Teilnahme am Programm wussten die Dorfbewohner bereits, dass sie Onceg nicht einfach töten durften, was sie mit Sicherheit getan hätten, bevor sich BAWA in ihrem Banjar engagierte. Das Dorf wusste, dass es nicht allein in der Lage war, das Problem mit Onceg zu lösen, also tat es genau das, was das Beste für alle Beteiligten war: Es rief BAWA zu Hilfe.

Direkt nach Erhalt des Anrufs fuhren zwei Teammitglieder ins Dorf, um die Lage einzuschätzen. Mit Futter und gutem Zureden konnten sich beide Männer ihr nach einer Stunde langsam nähern. Sie war wieder die gute alte schwanzwedelnde Onceg geworden, zum großen Staunen der um das Geschehen versammelten Dorfbewohner, die den BAWA-Jungs beim "zaubern" zusahen. Onceg blieb geduldig am Eingang stehen, als einer von ihnen in den Tunnel kroch. Die Dorfbewohner drängten sich alle gespannt um den Ort des Geschehens, um die Welpen zu Gesicht zu bekommen. Nachdem der BAWA-Mann schon eine Stunde im Tunnel verschwunden war, zeichnete sich auf den Gesichtern der Dorfbewohner plötzlich ein breites Lächeln ab, da aus der Dunkelheit der Mann mit den Welpen im Arm erschien. Besonders die Kinder waren außer sich vor Freude.

Unser Team bat einen Dorfbewohner, Onceg einen Platz in seinem Zuhause zu geben, damit sie ihre Babys in Sicherheit aufziehen konnte. Leider war Oncegs Bellen und Knurren noch zu präsent im Gedächtnis der Dorfbewohner und niemand wollte sie zu sich nach Hause holen. Doch es waren sich alle darüber einig, dass BAWA sich um die Familie kümmern und Onceg zurückbringen sollte, sobald ihre Welpen flügge (und Onceg natürlich sterilisiert!) waren. Onceg ist jetzt in unserem Welpenhaus untergebracht und kann sich in Ruhe um ihre Kleinen kümmern. In ein paar Wochen, wenn ihre Babys groß genug sind, wird sie sterilisiert, geimpft und in ihr Zuhause zurückgebracht.

Der Dorfvorsteher höchstpersönlich schickte eine SMS mit folgendem Wortlaut an BAWA: "Gott sei Dank gibt es BAWA, denn so mussten wir dem Hund nicht wehtun." Diese Geschichte ist ein wundervolles Beispiel dafür, was Aufklärung bewegen kann. Die Gemeinde hat gelernt, dass es auch tierfreundliche Lösungen für "Problemtiere" in ihrer Gemeinde gibt. Und sie hat nicht nur gelernt, dass es solche Lösungen gibt, sondern sie hat auch gelernt, wie man sie erfolgreich umsetzen kann.

Auch die eigentliche Rettungsaktion ist ein Beispiel für effektive Aufklärungsarbeit. Dorfbewohner und vor allem die Kinder konnten hautnah miterleben, wie man mit einer Hundemutter umgeht, wie man ihr Vertrauen gewinnt und ihr das Gefühl gibt, dass man es gut meint. Wissen ist Macht, und durch unsere Weitergabe von Wissen an die Dörfer, ermöglichen wir es ihnen, sich nach und nach ganz allein um ihre Tiere zu kümmern.

--KNA

Mehr Informationen über unsere Aufklärungsarbeit in Gemeinden finden Sie hier.

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Experten

Alexa Kessler, Projektleiterin für den Bereich Haustiere, IFAW Deutschland
Projektleiterin für den Bereich Haustiere, IFAW Deutschland
Cora Bailey
Director, Community Led Animal Welfare (CLAW)
Cynthia Milburn, Direktorin Tierschutzaufklärung und -bildung
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Dr. Ian Robinson, Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
Gail A'Brunzo, Leiterin IFAW Wildtierschutz
Leiterin Wildtierschutz, IFAW
Hanna Lentz, Programm-Managerin/Campaignerin, IFAW Zentrale USA
Programm-Managerin/Campaignerin, IFAW Zentrale USA
Kate Nattrass Atema, Programmdirektorin Haustiere
Programmdirektorin Haustiere
Nancy Barr, Programmdirektorin Kinder- und Jugendprogramm “Animal Action“
Programmdirektorin Kinder- und Jugendprogramm “Animal Action“
Shannon Walajtys
Leiterin des Bereichs Katastrophenhilfe