Warum sind Katastrophenschutznetzwerke wichtig?

Das Tierrettungs-Team des IFAW untersucht gemeinsam mit dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) Tiere, die von der Flutkatastrophe in Bosnien betroffen sind. Hier hält ein IFAW Mitarbeiter einen Welpen, der vor dem Hochwasser gerettet wurde und nun bei einer einheimischen Familie gepflegt wird.

Häufig ist meine IFAW Kollegin Jennifer Gardner an den Schauplätzen von Katastrophen. Vielleicht fragen Sie sich, was wir eigentlich machen, wenn wir gerade einmal nicht Tiere in Sicherheit bringen, medizinisch versorgen und, falls nötig, für Unterkunft und Futter sorgen.

Wir verwenden viel Zeit darauf, unsere Einsätze genau zu protokollieren und im Nachhinein auszuwerten, um unsere Arbeitsweise kontinuierlich zu verbessern. Wir wollen unseremn Notfallhelfern einen präzisen Leitfaden an die Hand geben, wie sie am besten bei Dürren, Überflutungen, Vulkanausbrüchen, Wirbelstürmen und Fällen von Tierquälerei reagieren. Dass wir inzwischen weltweit führend im Bereich Katastrophenhilfe sind, liegt daran, dass wir strikt Protokolle führen und auswerten.

Wo auch immer auf der Welt Gebiete häufig von Katastrophen betroffen sind, bauen wir Netzwerke mit anderen Tierschutzorganisationen auf. Bei der Bildung sogenannter Katastrophenschutznetzwerke (englisch: Emergency Relief Networks (ERN)) in den Vereinigten Staaten, Indien und Südostasien haben wir Pionierarbeit geleistet. In Südamerika sind wir gerade dabei, ein solches Netzwerk aufzubauen.

Auslöser für die Bildung dieser Netzwerke waren Katastrophen, die sich mit alarmierender Häufigkeit wiederholten wie Taifune in Südostasien oder Überflutungen in Indien. Wir knüpfen nicht nur Beziehungen, sondern führen mit den anderen Netzwerkmitgliedern auch regelmäßig Schulungen zu wichtigen Themen durch. Anfang Mai beispielsweise waren wir auf den Philippinen, wo wir bestehende Partner schulten und uns mit potenziellen künftigen Partnerorganisationen trafen. Die Seminarthemen richten sich nach den Erfahrungen, die in aktuellen Katastropheneinsätzen gemacht wurden, sowie nach den Ergebnissen unserer Risikoanalyse für die entsprechende Region und danach, welche Organisationen in der Region aktiv sind.

Aus der Bewertung des Einsatzes nach dem Taifun Haiyan auf den Philippinen ergaben sich vor allem zwei Punkte:

  • Es muss verstärkt Schulungen zum Incident-Command-System (unserem Katastrophen-Management-System) geben und
  • die Ausbildung an Rettungsgeräten hat höchste Priorität.

Unsere Arbeit auf den Philippinen konzentrierte sich deshalb im Mai auf Katastrophenmanagement und umfasste Themen wie die veterinärmedizinische Ressourcenverteilung, die Lagebeurteilung vor Ort sowie den Einsatz von Rettungsgeräten am und im Wasser. Zudem haben wir gemeinsam die Tierschutzeinsätze nach dem Taifun Haiyan bewertet. An den Workshops nahmen staatliche und nichtstaatliche Organisationen teil.

Außerdem unterstützen wir finanziell die Anschaffung von Ausrüstungsmaterial für das Netzwerk – vom angemessenen Ladegeschirr bis hin zu grundlegenden Dingen wie Stiefeln (Sie würden sich wundern, wie viele Freiwillige in Flip-Flops arbeiten wollen.). Mit dem Training im Rücken und gut ausgerüstet, sind die Helfer dann gewappnet, um die Tiere im Fall einer Katastrophe zu retten und zu versorgen.

Aber wer sind diese Netzwerk-Mitglieder überhaupt? Ihre Größe schwankt stark und reicht von landesweiten Organisationen bis hin zu kleineren, regional agierenden Gruppen. Dasselbe gilt für ihr Know-how. Einzige Voraussetzung ist, dass sie unsere Leitgedanken teilen und bereit sind, im Fall einer Katastrophe in einer erprobten Teamstruktur zu arbeiten.

Grundsätzlich interveniert der IFAW bei einer Katastrophe niemals, wenn wir nicht darum gebeten werden – sei es von einer Behörde oder einer anderen Tierschutzorganisation. So reagierten wir beispielsweise in Indonesien kürzlich auf die Vulkanausbrüche, bei denen die Tiere durch die Zwangsevakuierungen allein gelassen worden waren. Auslöser für unseren Einsatz war in diesem Fall ein Anruf des Center for Orangutan Protection, mit denen wir vor einigen Jahren bei einer technischen Übung zusammengearbeitet hatten. Je mehr Beziehungen wir haben, desto wahrscheinlicher ist es, dass einer unserer Netzwerk-Partner vor Ort ist und uns im Falle einer Katastrophe rufen kann.

Durch unsere Bestrebungen haben wir die Risiken bei Katastropheneinsätzen reduziert und die Qualität der Notfallhilfe verbessert: Wir haben die Messlatte höher gelegt, um uns vor, während und nach Katastrophen rasch, effektiv und fürsorglich um die Tiere kümmern zu können.

Shannon Walajtys

Nur dank der Unterstützung unserer Spender ist es uns möglich, bei Katastrophen schnell und effektiv zu handeln.

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Experten

Kampagnenberater
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Brian Sharp, Leiter Rettungseinsätze, Einsatzkoordinator für Strandungen
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Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Gail A'Brunzo, Leiterin IFAW Wildtierschutz
Leiterin Wildtierschutz, IFAW
Veterinarian, DVM, PhD - IFAW Beijing
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Shannon Walajtys
Leiterin des Bereichs Katastrophenhilfe
Vivek Menon, IFAW Senior-Berater Strategische Partnerschaften
Senior-Berater Strategische Partnerschaften