Warum Südafrika Nashorn nicht legalisieren sollte

Beschlagnahmtes Nashorn im Hauptquartier des Zolls von Hongkong, 8. August 2013. Als Folge des illegalen Handels sind viele Tierarten vom Aussterben bedroht. Außerdem finanzieren sich bewaffnete Terrorgruppen am Horn von Afrika durch Wilderei

Was an Argumenten für einen regulierten Handel mit Nashorn angeführt wird, ist bestenfalls theoretischer Natur. Sie beruhen auf höchst fragwürdigen Prognosen, denen sehr wenige Daten zugrunde liegen. Nachdem in dieser Woche die Konferenz mit dem Titel “Outraged South African Citizens Against Poaching International Conference to Assess the Risk of Rhino Horn Trade“ (übersetzt: Bürger Südafrikas gegen Wilderei: Internationale Konferenz zur Bewertung der Risiken des Nashornhandels) stattgefunden hat, zeichnet sich ab, dass Südafrikas Regierung mit ihrem Werben für einen legalen Handel in ein echtes Dilemma geraten ist.

Nach Ansicht einiger ist es an der Zeit, die Wilderei durch regulierten Handel in den Griff zu bekommen. Ich finde derartige Experimente gefährlich. Auf den Fluren der Regierung sollte das Thema nicht einmal im Flüsterton besprochen werden. Vom aktiven Werben für Unterstützung ganz zu schweigen.

Noch schlimmer wiegen die potenziellen Risiken eines Scheiterns. Alle positiven Anstrengungen zum Schutz des Nashorns wären zunichte gemacht, und Südafrikas Regierung hätte eine direkte Rolle dabei gespielt. Die Glaubwürdigkeit des Landes würde massiven Schaden nehmen.

Und dann noch das andere große ethische Thema: Nashörner sollen für den Handel gezüchtet werden und das wird dann als Tierschutz verkauft. Südafrika hat viel Erfahrung in der Zucht von Wildtieren. Schließlich haben Privatpersonen nicht nur das Recht auf Landbesitz, sondern auch auf den Besitz von Wildtieren. Aber es gibt einen feinen Unterschied zwischen dem Erhalt wilder Tiere auf Privatgrund und der profitorientierten Zucht wilder Tiere.

Durch die Nashorn-Debatte wird die Regierung in eine Ecke gedrängt, aus der es nur einen einzigen echten Ausweg gibt – sie muss ihre Absichten offenlegen. Wenn sie Nashörner des Gewinns wegen züchten will, soll sie es auch so sagen. Das würde bedeuten, dass eine vergleichsweise kleine Gruppe Einzelner so viel wie möglich kontrollieren darf, um so den eigenen Profit zu maximieren. Aber auch derartige Transparenz könnte Glaubwürdigkeit und das öffentliche Ansehen stark gefährden, nicht nur im Ausland, sondern auch im eigenen Land.

Die Nashornwilderei befindet sich an einem kritischen Punkt. Das hat das Interesse einer breiten Öffentlichkeit geweckt, deren Stimme weltweit lauter wird.

Illegaler Wildtierhandel – und speziell der Handel mit Nashorn und Elfenbein – steht stark im Fokus der internationalen Öffentlichkeit. Das macht es ausgesprochen unwahrscheinlich, dass Südafrika bei der 17. Vertragsstaatenkonferenz (COP 17) zum Washingtoner Artenschutzabkommen CITES mit seinem Antrag Erfolg haben wird.

Hält Südafrika an seinem Vorhaben fest, Nashorn zu verkaufen – egal, in welcher Form –, wäre das politisch naiv und würde im Widerspruch zu den weltweit laufenden Bemühungen stehen, die Nachfrage zu reduzieren und illegalen Handel und Wilderei auszumerzen. Die Europäische Union und die USA könnten dies als feindseligen Versuch auffassen, ihre enormen finanziellen Anstrengungen zunichte zu machen, die sie für die Eindämmung von Nachfrage, illegalem Handel und Wilderei unternommen haben.

Das wäre nicht nur negativ für die Nashörner, sondern auch für die internationalen Beziehungen.

Vergangenen November hat der IFAW einen Bericht veröffentlicht mit dem Titel “Horn of Contention: A Review of Literature on the Economics of Trade in Rhino Horn.  Wir hatten für den Bericht die australische Organisation Economists at Large damit beauftragt, Studien zur Wirtschaftlichkeit des Handels mit gefährdeten Arten im Allgemeinen und mit Nashorn im Speziellen zu prüfen. Ziel war eine unabhängige Einschätzung zu den möglichen Folgen einer Legalisierung des Nashornhandels.

Die Forscher kamen zu einem eindeutigen Ergebnis: Es besteht die reale Gefahr, dass ein regulierter Handel zu einer Zunahme der Wilderei führt. Fünf Mechanismen greifen hier ineinander:

  1. Legale und illegale Märkte koexistieren und interagieren auf komplexe Art und Weise miteinander.
  2. Der Konsum des Produkts wäre nicht mehr so stark mit einem Stigma behaftet.
  3. Die Versorgungskosten der illegalen Beschaffung könnten sinken.
  4. Das „Waschen“ illegaler Ware kann durch das Vermischen mit legaler Ware einfacher werden.
  5. Es ist unklar, wie illegale Anbieter auf die Konkurrenz durch einen legalen Markt reagieren würden.

Schon für sich genommen sollte jeder der obigen Mechanismen Anlass zur Besorgnis geben. Aber der rote Faden, der sich durch die wirtschaftliche Meta-Analyse zieht, ist die hohe Ungewissheit, wie sich eine Regulierung des Handels auswirken könnte.

Das hängt zum Großteil damit zusammen, dass man nur sehr wenig darüber weiß, welchen Variablen die Nachfrage unterliegt und wie sie sich verändert, wenn ein legaler, regulierter Handel hinzukommt. Die zentrale und grundlegende Frage lautet also: Wieviel Risiko kann man angesichts dieser Ungewissheit tolerieren?

Zweifelsohne sind Nashörner wertvoll, aber es ist dringend erforderlich, ihren Wert neu zu definieren. Südafrika hat jetzt die Gelegenheit, den richtigen Weg einzuschlagen und die Maßnahmen zu ergreifen, die nötig sind, um die Wilderei in den Griff zu bekommen. Dafür wäre jedoch eine radikale Neuausrichtung erforderlich – weg von einem Weg der möglicherweise zum Aussterben wilder Nashörner führt und stattdessen hin zu einer Lösung, die Tiere und Arten schützt.

Die Regierung ist jetzt gefordert, eine Entscheidung zu treffen.

Jason Bell

Erfahren Sie mehr darüber, wie der IFAW gegen den illegalen Wildtierhandel kämpft.

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Experten

Azzedine Downes, Präsident und CEO
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Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
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Dr. Elsayed Ahmed Mohamed, Regionaldirektor Mittlerer Osten
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Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
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Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
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Isabel McCrea, Regionaldirektorin Ozeanien
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Jeffrey Flocken, Regionaldirektor Nordamerika
Regionaldirektor Nordamerika
Kelvin Alie, Programmdirektor Wildtierhandel
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Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Robert Kless, Leiter Wildtier-Kampagnen, IFAW Deutschland
Leiter Wildtier-Kampagnen, IFAW Deutschland
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
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