Walhaie, die unbekannten Riesen

© Warren Baverstock

Mit einer eleganten Bewegung gleitet der Fisch auf mich zu. Es ist fast noch ein Baby, aber trotzdem schon gut vier Meter lang. Ich fühle mich wie auf einem Zebrastreifen, auf dem ich merke, dass das näher kommende Auto doch nicht bremsen wird. In jedem Fall halte ich es für ratsam, erst einmal abzutauchen und dem Stärkeren die Bahn frei zu machen.

Wir sind dabei, ein Wissenschaftlerteam bei der Arbeit zu unterstützen und gleichzeitig einen Dokumentarfilm über Haie in den arabischen Meeren zu drehen. Er soll für deren Schutz in der arabischen Welt eintreten, ebenso wie der Artikel, den ich gerade für die renommierte Zeitschrift „Natur + Kosmos“ geschrieben habe: http://www.natur.de/scripts/basics/natur/news/basics.prg?session=d182ac864f9543c4_963299&a_no=5025. In der Printausgabe finden sich zum Artikel außerdem ganz außergewöhnliche Walhaiaufnahmen des britischen Unterwasserfotografen Warren Baverstock, der in den Arabischen Emiraten lebt.

Walhaie können bis zu 20 Meter groß werden, trotzdem ist kaum etwas über sie bekannt. Es gibt nur wenig Plätze auf der Erde, wo sie regelmäßig gesichtet werden. Dschibuti gehört dazu. Sie tauchen für zwei, drei Monate auf, ohne dass irgend jemand weiß, woher sie kommen und wohin sie dann wieder verschwinden. Durch ihr individuell einzigartiges Punktemuster weiß man allerdings, dass viele von ihnen über einige Jahre regelmäßig auftauchen, allerdings nur als Jungtiere. Ältere und größere Tiere werden in Dschibuti nicht gesichtet.

Weitere Expeditionen haben das Filmteam und mich in den Sudan und den Oman geführt, um andere Haiarten zu filmen, denn nicht nur die Walhaie sind heute gefährdet, sondern die meisten Haiarten. Geschätzte 100 Millionen Haie werden jährlich abgeschlachtet, häufig nur, um an die Flossen zu kommen, die in einigen Gebieten Asiens als Delikatesse gelten  und teuer bezahlt werden. Für die Haie bedeutet das, dass in vielen Gebieten allenfalls noch 10 - 20 Prozent des ursprünglichen Bestands vorhanden sind. Damit können sie auch ihre wichtige Aufgabe als Topräuber des marinen Ökosystems nicht mehr wahrnehmen, was in vielen Gebieten auch schön ökologische Auswirkungen hat, da die mittleren Räuber unverhältnismäßig zunehmen und alle kleineren Fische, Krebse und Muscheln wegfressen. Darunter leidet inzwischen auch die amerikanische Muschel- und Krebsfischerei.

Es ist fünf vor zwölf für die Haie. Der Film „Sharkquest Arabia“ soll helfen, die Menschen, insbesondere in der arabischen Welt, über Haie zu informieren und ihnen vor Augen zu führen, was für ein Schatz für ihre Meere diese Fische letztendlich sind.

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