Vor der Weltbank: Was ist der Preis eines Tigers?

Kaum zu glauben, dass schon wieder ein Jahr vergangen ist, seit das Team des Internationalen Tierschutzfonds' in Russland mit Delegationen der 13 Tiger-Verbreitungsstaaten tagte. Die damalige Botschaft war laut und deutlich und das ist sie auch heute noch: Wir können die Tiger nicht retten, wenn wir nicht dafür sorgen, dass zu ihrem Schutz Ranger ausgebildet und ausgerüstet werden.

Der Tiger-Gipfel in St. Petersburg war ein historischer Moment nicht nur für alle Tigerschützer, sondern auch für den gesamten Artenschutz und nicht zuletzt für die Zukunft unserer Erde.

Gestern haben wir uns vor dem Weltbankgebäude in Washington, D.C. versammelt, um erneut ein Zeichen zu setzen und dem Engagement des IFAW für die Verdoppelung der Anzahl wild lebender Tiger bis zum nächsten „Jahr des Tigers“ Nachdruck zu verleihen.

Beim Tiger-Gipfel vor einem Jahr kamen zum ersten Mal hochrangige Politiker aus Staaten mit Tigervorkommen zusammen, um sich über die Rettung einer Tierart zu verständigen. Die Tatsache, dass sich führende Politiker, einschließlich des Weltbank-Präsidenten Robert Zoellick, offen zur Rettung der Tiger bekennen, ist und bleibt ein wichtiger Meilenstein. Dennoch sind wir alle, die an diesem Tisch sitzen, und darüber hinaus alle politischen Führer weltweit, dafür verantwortlich, immer wieder Impulse zu setzen und neue Wege zur Zusammenarbeit aufzutun, damit die beim Gipfel abgegebenen Versprechen auch tatsächlich eingehalten werden und Tiger in Zukunft besser vor Lebensraumverlust, Wilderei und Handel geschützt sind.

Der illegale Handel mit Tigern und anderen gefährdeten Wildtierarten ist ein wahrer Teufelskreis. Der Handel mit Tigerteilen bestärkt die Nachfrage, verwirrt Verbraucher und macht Strafverfolgung erforderlich. Ohne eine Nachfrage nach Tigerteilen gäbe es erst gar keinen Markt für Wilderei.

Aus diesem Grund verfolgt der IFAW im Kampf gegen den Tigerhandel einen ganzheitlichen Ansatz, indem er alle wichtigen Glieder der Handelskette berücksichtigt, von der Wilderei über den Handel bis hin zum Konsum. Ein wichtiger Aspekt sind dabei unsere Initiativen zur Eindämmung der Nachfrage und aller Ursprünge des Handelsflusses. Dies tun wir durch Kampagnen, den Ausbau der Kapazitäten zur Strafverfolgung sowie die Aufklärung der Bevölkerung.

Unsere Initiativen finden vorwiegend in Russland, China, Indien und Bhutan statt, aber auch manch anderes Land kommt schon auf uns zu und bittet um unsere Unterstützung. Gestern haben wir gehört, dass der Luxusmarkt die Nachfrage nach Tigerteilen wieder anheizt. Das bedeutet, wir müssen die Menschen dringend davon überzeugen, dass ein Tiger lebendig mehr wert ist als tot. Warum überzeugen wir sie nicht gleich davon, dass ein lebendiger Tiger unbezahlbar ist?

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Experten

Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
Regionaldirektorin Russland und GUS
Gail A'Brunzo, Leiterin IFAW Wildtierschutz
Leiterin Wildtierschutz, IFAW
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
Regionaldirektorin Asien
Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
Regionaldirektor Südasien