VIDEO: Kanadas verfehltes Fischereimanagement stellt Politik über Wissenschaft

Dieser Post ist eine abgewandelte Version eines bisher unveröffentlichten Leserbriefs an die kanadische Zeitung Corner Brook Western Star. - ED

In einem vor kurzem erschienenen Leitartikel wurde die Prognose getroffen, dass die Fangquote von 400.000 Sattelrobben in Kanada für das Jahr 2012 aufgrund mangelnder Nachfrage für Robbenprodukte höchstwahrscheinlich nicht erfüllt wird.

Diese Prognose ist absolut berechtigt und wir freuen uns sagen zu können, dass dank der Arbeit des Internationalen Tierschutzfonds für ein Handelsverbot für Robbenprodukte in der EU und Russland, die nur durch Ihre Unterstützung möglich gemacht wurde, die weltweiten Märkte für Robbenpelze mittlerweile so gut wie stillgelegt sind.

Im Leitartikel wird weiterhin behauptet, dass aufgrund der Tatsache, dass die Quote nicht erfüllt wird, die Quote insgesamt abgeschafft werden sollte.

Die Sattelrobben-Fangquote als nutzlos zu erachten, nur weil sie nicht erfüllt wird, wäre so weit hergeholt wie der Vorschlag, den Fischfang generell unreguliert zu lassen.

Obwohl die Robbenjagd eine der wenigen Fischereizweige ist, bei denen überhaupt Quoten existieren und diese international als Beispiel für eine „verantwortungsvolle Regulierung“ gelten, stellt der IFAW die Regulierungspraxis bei der Robbenjagd im Atlantik in Frage.

Die Festlegung von Quoten ist zwar weit davon entfernt, das Vorsorgeprinzip zu befolgen, aber immerhin bietet sie einen quantitativen Richtwert, über dem die Größe einer Population stets zu liegen hat.

In dem zu Jahresanfang veröffentlichten Bericht eines Expertengremiums der Royal Society of Canada wurde festgestellt, dass Kanada seine nationalen und internationalen Verpflichtungen zur Erhaltung der marinen Biodiversität nicht annähernd erfüllt und dass dem Fischereiministerium bei der Regulierung zu sehr freie Hand gelassen wird.

Das beste Beispiel für den Machtmissbrauch durch das Ministerium ist die Entscheidung des Fischereiministers Ashfield, die Sattelrobbenquote bei 400.000 festzulegen – entgegen der Empfehlung ministeriumsinterner und internationaler Wissenschaftler, dass eine Quote über 300.000 nicht den Regulierungszielen für die Population entspricht.

Die permanente Missachtung wissenschaftlicher Empfehlungen und die Weigerung, die Quoten gemäß zuvor vereinbarter Ziele festzulegen, zeigen deutlich, dass die kanadische Regierung aus dem Kollaps der Kabeljaubestände rein gar nichts gelernt hat und einmal mehr politische Interessen vor die Experteneinschätzung der Fischereiwissenschaft stellt.

Die Tatsache, dass die Sattelrobbenbestände sinken ist wahrlich kein Grund zur Freude. Ganz im Gegenteil: Robben werden im Zuge des Klimawandels in Zukunft noch mehr Bedrohungen ausgesetzt sein, was eine endgültige Abschaffung der kommerziellen Robbenjagd umso dringlicher macht.

--SF

Schreiben Sie der kanadischen Regierung, dass es Zeit ist, der Jagd ein Ende zu bereiten.

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Experten

Dr. Ralf Sonntag, Länderdirektor Deutschland
Länderdirektor Deutschland
Sheryl Fink, Direktorin Wildtier-Kampagnen, IFAW Kanada
Direktorin Wildtier-Kampagnen, IFAW Kanada
Sonja Van Tichelen, Regionaldirektorin Europäische Union
Regionaldirektorin Europäische Union