VIDEO: Begegnung mit der seltenen Saiga-Antilope

Eine Saiga in NahaufahmeWenn man hier ganz still ist, hört man nur den Wind und das Vogelgezwitscher; keine Autos, keine Menschen, keine Züge, keine Flugzeuge. Und doch wimmelt es an diesem Ort von so viel Leben, wie man es nicht einmal in einer riesigen Stadt vorfindet. Ganz unten am Boden spielt sich hier das Leben ab: Käfer, Riesenkäfer, Blatthornkäfer, Grashüpfer, Heuschrecken und jede Menge anderer kleiner Lebewesen.

Mit jedem Schritt, den man sich fortbewegt, regt sich der Boden, oder vielmehr das, was man bislang für den Boden gehalten hat: Unzählige Insekten springen und laufen weg.

Warum?

Weil Menschen hier seltene Besucher sind...

Am Anfang ist das etwas unheimlich und man will vor Schreck aufschreien, aber man gewöhnt sich schnell.

Die einzigen Menschen, die hierher kommen sind die Aufseher des Naturschutzgebiets „Stepnoi“ und Wilderer, die dank des starken Anti-Wilderer-Teams und der Unterstützung des Internationalen Tierschutz-Fonds immer seltener hier auftauchen: Der IFAW hat zwei Allzweckfahrzeuge, ein Motorrad sowie Schutzkleidung finanziert und spendet jedes Jahr Treibstoffzuschüsse uvm.

Diese Wildnis war einmal die Heimat für Hunderttausende Saigas. Sie haben die Mammuts und den Säbelzahntiger überlebt, doch dieses Jahrhundert ist für sie eine so große Bedrohung, dass sie ausgestorben sein könnten, ehe wir’s uns versehen.

Mit ihrer markanten Schnauze, die ein bisschen wie ein Elefantenrüssel aussieht, sind die Saigas unglaublich charismatische Tiere.

Einst waren Millionen von Saigas von England bis hin zum Pazifik beheimatet.Grasende Saigas

Heute sind davon nur noch wenige Zehntausend übrig.

Zu ihrem Verhängnis ist die Tatsache geworden, dass ihre Hörner irgendwann von der traditionellen asiatischen Medizin entdeckt wurden. Dafür werden die Tiere im großen Stil gewildert: Nur 1% aller heute lebenden Saigas sind Männchen, diejenigen mit den Hörnern.

Die Saiga-Population ist in den letzten zehn Jahren um 90% geschrumpft und in chinesischen Lagerhäusern befinden sich 30 Tonnen Saiga-Hörner. Für ihren Kopfschmuck müssen die Antilopen-Männchen mit dem Tod bezahlen.

Seit 2005 unterstützt der IFAW das Anti-Wilderer-Team im Naturschutzgebiet „Stepnoi“ in Südrussland.

Das Naturschutzgebiet ist zu einer Geburtsstätte für die Saigas geworden. Anfang Mai bringen viele hier ihre Jungen zur Welt, sie lernen laufen und bereiten sich für ein Überleben in der Steppe vor.

Während meines Besuchs waren die kleinen Saigas ungefähr 20 Tage alt und rannten schon so schnell wie die Erwachsenen. Nach Geparden sind die Saigas übrigens die zweitschnellsten Tiere und können bis zu 80 km/h laufen.

Es war wirklich ein überwältigendes Gefühl, die so selten gewordenen Steppenbewohner in ihrem natürlichen Lebensraum zu sehen.

Zu der Begegnung kam es nach mehrstündigem Warten in einem Versteck in der Nähe einer Wasserstelle, sie kamen ganz vorsichtig näher, schauten sich um, denn es sind sehr schreckhafte Tiere und sie lassen einen Menschen selten näher als 800 Meter an sich heran – mit ganz viel Glück schafft man vielleicht 150 bis 200 Meter.

Eine Mutter mit ihren zwei Babys kam auf 35 Meter an mich heran, sie muss gespürt haben, dass ich vom IFAW bin und nur das Beste für sie will.

Ich war beeindruckt von ihrer Erscheinung, sie haben ganz schlanke Beine, dazu unverhältnismäßig große Körper, schlanke Hälse und große hakennasige Köpfe, beim Trinken schnauben sie ein bisschen, heben dann ihre Köpfe und schütteln das Wasser ab.

Es ist ein drolliger Anblick.

Ich habe auch das Zentrum für Wildtiere in Kalmückien besucht, wo 92 Saigas fast wie in freier Wildbahn leben; dort konnte ich viele Bilder aus der Nähe machen und die Mitarbeiter des Zentrums haben mir ein Video von einem kleinen Saiga-Baby gezeigt, das gerade mal zwei Stunden auf der Welt war; unglaublich süß war der Kleine.

In Russland gibt es das Sprichwort „Es ist immer dort besser, wo wir nicht sind“. Man will damit sagen, dass das Leben an anderen Orten immer viel einfacher und besser scheint, als dort wo man selbst lebt.

Ich verstand in diesem Moment, dass es gut ist, wo wir nicht sind – aber in dem Sinne, dass wir die Natur dort bewahren, wo sie noch nicht von Menschenhand zerstört wurde.

Es ist sehr bedauerlich, dass auf unserer Erde nicht mehr viele von diesen Orten existieren, und es ist wundervoll, dass der IFAW sie schützt und ihren Bewohnern eine Chance auf ein Überleben in der Zukunft gibt.

-- LA

Post a comment