Unterwegs mit der IFAW-Tigerschutz- Patrouille im Fernen Osten Russlands

Unterwegs mit der IFAW-Tigerschutz- Patrouille im Fernen Osten RusslandsDie Reifen des Geländewagens pflügen sich durch den Schotter des Flussbettes. Wasserfontänen spritzen hoch, die Ufer sind gesäumt von üppigem Grün. Schaukelnd arbeitet sich der Wagen durch das Gelände.

Ich bin unterwegs mit einer Anti-Wilderei-Patrouille, auf Kontrollfahrt in einem wertvollen Naturschutzgebiet. Es liegt im Fernen Osten Russlands, nahe den Grenzen zu China und Nordkorea, im Südwesten der Primorye-Region. Dieses Gebiet gilt als wichtiger Hotspot der Artenvielfalt. In seinen Wäldern leben die letzten Schneeleoparden - und 15 bis 20 Sibirische Tiger! Diese kleine Subpopulation lebt isoliert von einem etwas größeren Vorkommen weiter im Norden des Landes. Insgesamt gibt es weniger als 400 Tiere dieser Unterart.

Diese letzten Sibirischen Tiger gilt es konsequent zu schützen vor Lebensraumzerstörung und Wilderei. Aufgrund der hohen Nachfrage aus der Traditionellen Chinesischen Medizin sind Tiger sehr begehrt, ihre Produkte gelten in Teilen der Bevölkerung noch immer als sehr wirkungsvoll. Dies ist ein Grund, weshalb mit Tigern und Tigerprodukten enorm viel Geld verdient werden kann. So bringt ein wildlebender Tiger auf dem Schwarzmarkt bis zu 40.000 Euro. Natürlich ist dieses Geschäft illegal, denn der Tiger ist streng geschützt.

Die Einhaltung dieser Schutzbestimmungen muss aber intensiv überwacht und kontrolliert werden. Eine bestens ausgebildete und ausgerüstete Tigerschutz-Patrouille, maßgeblich finanziert vom IFAW, hat sich dies in diesem Gebiet zur Aufgabe gemacht.

Für einen Tag lerne ich nun die alltägliche Arbeit der Ranger kennen. Der Leiter der Patrouille, Evgeny Stoma, ist ein erfahrener Mann. Er kennt das Vorgehen und die Tricks der Wilderer, die es nicht nur auf den Tiger, sondern auch auf andere Wildtiere wie Hirsche oder Wildschweine abgesehen haben. Damit der seltene Tiger überleben kann, müssen aber auch diese geschützt werden, denn sie sind die Beutetiere der Tiger.

Evgeny Stoma führt mich auf einem engen Trampelpfad entlang eines Bachlaufes. Plötzlich stoppt er mich und zeigt nach vorne. Ich kann zunächst nichts Auffälliges entdecken, erst dann sehe ich eine große Drahtschlinge quer über dem Pfad. Läuft hier ein Tiger oder anderes Wildtier durch, zieht sich die Schlinge zu, und es gibt kein Entkommen mehr.

An einer anderen Stelle zeigt mir Evgeny Stoma eine weitere, ebenso gut getarnte Falle. Es ist ein Schlageisen, bedeckt mit trockenem Gras und Blättern, fast wäre ich selbst hineingetreten. Jedes Tier, das hier hineingerät, wird festgehalten und muss qualvolle Schmerzen erleiden, bis es letztendlich getötet wird.

Das zu kontrollierende Gebiet ist groß. Umso wichtiger ist, dass die Patrouille gut ausgerüstet ist. Fahrzeuge wie Geländewagen, Schlauchboot und sogar ein Gleitschirm ermöglichen Kontrollen zu Land, Wasser und aus der Luft. Nachtsicht-, GPS- und Funkgeräte erleichtern die Orientierung und Kommunikation.

Dies ist wichtig, denn auch die Wilderer sind zuweilen mit modernster Technik ausgerüstet.

Zuletzt zeigt mir Evgeny Stoma etwas ganz Besonderes: Auf einem schmalen Weg liegt ein Kothaufen, etwas weiter sehe ich im feuchten Boden einen großen Tatzenabdruck – beides vom Tiger! Ja, er lebt hier, selten und im Verborgenen, aber der Tiger ist hier. Dies zu wissen, ist ein tolles Gefühl!

Und die Arbeit der IFAW-Tigerschutz-Patrouille zeigt Erfolg. In den vergangenen 12 Monaten wurden deutlich weniger Wilderei-Vorfälle registriert, und das bei häufigeren Patrouillengängen. Die Präsenz und die Kontrollen der Ranger zeigen also Wirkung.

Um die Tiger noch besser schützen zu können, ist aber noch etwas anderes grundlegend wichtig: Die russische Regierung hat zwar 2009 die Strafe für das illegale Töten von Tigern drastisch erhöht auf umgerechnet ca. 15.000 Euro, aber der Transport und Besitz von Tigern oder Tigerteilen ist nahezu straffrei. Diese eklatante Gesetzeslücke muss dringend geschlossen werden. Denn nur, wenn sowohl das Töten als auch der Besitz, Transport und Handel von Tigern und Tigerprodukten mit hohen Strafen versehen sind, wird dies eine abschreckende Wirkung auf Wilderer haben. Der IFAW setzt sich intensiv dafür ein, dass dies erreicht wird.

(Fotos: Geländewagen mit Quad, IFAW-Ranger mit Drahtschlinge)

--RK

Translation: Alan Frostick

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Experten

Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
Regionaldirektorin Russland und GUS
Gail A'Brunzo, Leiterin IFAW Wildtierschutz
Leiterin Wildtierschutz, IFAW
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
Regionaldirektorin Asien
Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
Regionaldirektor Südasien