Tausende protestieren im Internet gegen chinesische Bärenfarmen

Ein Kragenbär. c. IFAWIm Dezember 1996 war ich Zeuge, wie acht Kragenbären aus der vom IFAW gegründeten, ersten Bärenrettungsstation Chinas in die Freiheit marschierten.

15 Jahre später versucht nun ein chinesischer Bärenfarmbetreiber mit einem Antrag auf Börsenzulassung, die grausame Branche in großem Stil auszuweiten.

Haben denn Tierschutzkampagnen in den letzten fünfzehn Jahren wirklich nichts erreicht? werden sich einige fragen. Gibt es denn überhaupt keine Fortschritte, der Grausamkeit gegen Tiere in China endlich ein Ende zu setzen?

Ich bin natürlich sehr wütend darüber, dass ein Unternehmen, das seine Umsätze mit der grausamen Behandlung von Tieren erzielt, die Dreistigkeit besitzt, an die Börse zu gehen. Andererseits freut es mich aber auch, dass dieser Schritt eine neue Welle öffentlicher Empörung über die tierquälerischen Praktiken in Bärenfarmen ausgelöst hat. Und diesmal kam der Aufschrei fast ausschließlich von chinesischen Bürgern.

In den letzten drei Wochen haben sich im Internet heftige Debatten abgespielt und Millionen Menschen sprachen sich deutlich gegen den anstehenden Börsengang aus.

Der Fernsehstar Zhang Quanling schrieb in ihrem Sina-Mikroblog: „Wenn Guizhentang, das Unternehmen, das lebenden Bären Gallensaft entnimmt, an der Börse gelistet wird, steigt die Anzahl der misshandelten Bären von 400 auf 1200. Guizhentang behauptet zwar, dass seine katheterlose Methode der Gallensaftgewinnung für die Bären keineswegs schmerzhaft sei. Aber kann es denn um Himmels willen wirklich nicht schmerzhaft sein, den ganzen Tag auf so engem Raum eingepfercht zu verbringen? Kann es denn wirklich nicht schmerzhaft sein, permanent eine offene Wunde zu haben, die niemals abheilt? Es gibt seit langem Möglichkeiten, den Wirkstoff der Bärengalle synthetisch herzustellen oder ihn durch pflanzliche Medizin, wie z.B. Rhabarber, zu ersetzen. Warum müssen wir den Bären solche Leiden zufügen?“

Dieser Mikroblog-Beitrag wurde 38 089 Mal weiterverschickt und 7710 Menschen kommentierten ihn.

Ein weiterer Mikroblogger namens „Southern Barbarian“ äußerte sich folgendermaßen:

„Unternehmen sollten ein Gewissen haben. Ich glaube, dass jeder, der einmal gesehen hat, wie der Gallensaft von lebenden Bären gewonnen wird, sich gegen diese furchtbare Praxis stellen wird. Es ist in Ordnung Tiere zu züchten, um sie zu schlachten, aber es ist nicht in Ordnung, sie zu quälen. Wenn wir Tiere quälen, weichen wir die grundlegende Grenze zwischen richtig und falsch auf.“

„Wir können nicht erwarten, dass alle Unternehmen durch und durch moralisch handeln, aber wir müssen dafür sorgen, dass ein Mindestmaß an ethischen Standards für den Markt gilt“, schreib ein Marktanalyst. „Wenn solche Unternehmen an die Börse gehen, fühlen sich andere erst recht zu Tierquälerei und gierigem und unmoralischem Handeln ermutigt.“

Der Rummel um die Bärenfarmen kommt zu einem günstigen Zeitpunkt, da die gesetzgebenden Instanzen Chinas, der Nationale Volkskongress und die politische Konsultativkonferenz des chinesischen Volks, im März zu ihren jährlichen Treffen zusammenkommen. Schon im vergangenen Jahr waren dort so viele Gesetzesanträge für Tierschutzbelange auf den Tisch gekommen wie nie zuvor. Ich rechne damit, dass in diesem Jahr wieder Anträge gestellt werden, die eine Abschaffung der Bärenfarmen und die Verabschiedung anderer Gesetze zum Schutz von Tieren vor Grausamkeit fordern.

Die öffentliche Verurteilung der grausamen Praktiken in Bärenfarmen muss wohl von Seiten der internationalen Tierschutzbewegung kommen. Um dem Ganzen jedoch ein Ende zu setzen, müssen die Chinesen selbst sich gegen Tierquälerei stark machen und Gesetze zur Gewährleistung ethischer Richtlinien und zur Kontrolle des artgerechten Umgangs mit Tieren verabschieden.

Fakten über Bärenfarmen:

1. Bärenfarmen sind grausam und unnötig, und die Bären dort sind erheblichen physischen und psychischen Leiden ausgesetzt. Bei beiden Methoden der Gallensaftgewinnung (die Katheter-Methode und die so genannte „frei tropfende“ Methode) hat der Bär ein Leben lang eine offene Wunde, die ihm nicht nur Schmerzen bereitet, sondern ihn auch für Krankheiten und Infektionen anfällig macht.

2. Gallenbären werden in kleinen Käfigen gehalten und haben keine Möglichkeit, natürliche Verhaltensweisen auszuleben. Sie befinden sich permanent in einem Zustand von Stress und Angst.

3. Um die die Maximalmenge an Gallensaft zu gewinnen, wird den Bären Futter und Wasser entzogen. Untersuchungen von Bären, die aus Gallenfarmen befreit worden waren, haben gezeigt, dass die meisten Bären stark unterernährt sind.

4. Leider sind Bärenfarmen in China legal; es existieren keine Gesetze, die die grausamen Praktiken verhindern.

5. Tierische Bestandteile machen nur 3% der Zutaten in der traditionellen chinesischen Medizin aus. Es gibt bereits Alternativen zu Bärengalle, sowohl pflanzliche als auch synthetische.

6. Übermäßiger Einsatz und Bewerbung von Produkten, die durch Tierquälerei gewonnen werden, beschädigen den Ruf der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) in der ganzen Welt und verhindern ihre vernünftige Weiterentwicklung.

-- GG

Kommentare: 2

 
Gast
3 Jahre ago

Meiner Meinung nach sollte die TCM solange bei uns geächtet werden, bis solche Praktiken unterbunden werden und die TCM die Behandlung mit tierischen Inhaltsstoffen aus ihrem
Behandlungskatalog nimmt.

 
Gast
3 Jahre ago

Gibt es vielleicht einen Weg, um auch in China ein besseres Tierschuzgesetz zu erwirken?
Auf jeden Fall müssen dort die Menschen nicht nur über die Menschenrechte sondern auch über den Tierschutz und wie man überhaupt mit Lebewesen und der Natur umgeht besser informiert werden!

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Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
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Dr. Elsayed Ahmed Mohamed, Regionaldirektor Mittlerer Osten
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Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
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Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
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Jeffrey Flocken, Regionaldirektor Nordamerika
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Kelvin Alie, Programmdirektor Wildtierhandel
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Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
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Robert Kless, Leiter Wildtier-Kampagnen, IFAW Deutschland
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Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
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