Steht der Walfang in Island vor dem Aus?

Der Autor mit der isländischen Ministerin für Umwelt und natürliche Ressourcen Svandís Svavarsdóttir auf der Schlussveranstaltung des IFAW in Reykjavik.Als ich am Sonntagabend nach Island reiste, war ich in Gedanken bei unserer Anti-Walfang-Kampagne in Island, deren einzelne Elemente sich gerade zu einem großen Ganzen fügten...

Die Jagd auf Finnwale scheint in aller Stille eingestellt worden zu sein. Es war schon immer ganz offensichtlich ein ökonomisch nicht tragbares Unterfangen gewesen, und jetzt blieben die Fangboote schon das zweite Jahr in Folge im Hafen. Nachdem wir nicht müde wurden, immer wieder darauf hinzuweisen, dass die Finnwaljagd ein dem Untergang geweihtes Gewerbe ist, scheint sich diese Auffassung mittlerweile auch bei den Isländern durchgesetzt zu haben.

‘Meet Us Don't Eat Us’, die Kampagne, in deren Rahmen wir Touristen bitten, kein Walfleisch zu essen, hat gerade ihren zweiten Sommer hinter sich gebracht, und wir haben 16.000 unterschriebene Postkarten gesammelt, die wir dem Fischereiministerium überreichen konnten. Die Unterzeichner sprechen sich auf den Karten gegen den Walfang aus und versprechen, kein Walfleisch zu essen. Es hat uns sehr ermutigt, dass 1.000 Karten von Isländern unterschrieben waren, obwohl sich die Kampagne an Touristen wandte.

Das hochmoderne IFAW-Forschungsschiff Song of the Whale hat soeben seine dritte Fahrt in isländische Gewässer beendet und kam gerade rechtzeitig, um zusammen mit Walbeobachtungsbooten eine große Herde von Grindwalen vor dem Stranden zu retten. Auf dieser Fahrt wurde von der Bootsbesatzung bahnbrechende Grundlagenforschung über das Verhalten von Minkwalen betrieben. Die erhobenen Daten sind äußerst wichtig hinsichtlich der Frage, wie sich Walbeobachtungsboote den Tieren nähern können, ohne dass diese Schaden nehmen. Auch eine überparteiliche Gruppe von britischen Parlamentariern und ein Mitglied des Europaparlaments kamen auf unser Boot und trafen isländische Kollegen, denen sie erklärten, warum sie gegen den Walfang sind. Nicht zu vergessen stattete auch der bekannte britische Künstler und Naturschützer Bill Oddie dem Boot einen Besuch ab und machte auf seine humorige Art Werbung für den Naturschutz.

Im vergangenen Jahr tötete der Verband der Minkwalfänger ca. 60 Minkwale für den heimischen Markt, wovon angeblich 40% für Touristen bestimmt waren.In diesem Jahr wurden "nur" 29 Tiere getötet und unsere Befragung von 1.300 aus Island ausreisenden Touristen ergab, dass weniger als 20% von ihnen bei ihrem Aufenthalt Walfleisch gegessen hatten. Unsere "Meet Us Don't Eat Us"-Kampagne scheint also tatsächlich etwas bewirkt zu haben.

Vor einer Woche wurde dem Althingi (isländisches Parlament) ein parteiübergreifender Gesetzesvorschlag vorgelegt, die gesamte Faxafloi-Bucht zum Walschutzgebiet zu erklären, Am Montagabend dann gab der IFAW zusammen mit Ice Whale, dem isländischen Walbeobachterverband, einen Empfang in der neuen Konzerthalle Harpa, zu dem wir die Umweltministerin einluden mit der Bitte, eine Rede zu halten und die Initiative öffentlich zu unterstützen. Ein solches Schutzgebiet würde das endgültige Aus für den Minkwalfang in Island bedeuten.

Beim Empfang sprach sich die Umweltministerin für das Schutzgebiet aus, was uns natürlich mit Stolz und Freude erfüllte. Auch der Dekan der naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität von Island und der Präsident des Isländischen Tourismusverbands schlossen sich der Forderung an. In meiner Rede brachte ich zum Ausdruck, wie stolz wir darauf sind, mit der isländischen akademischen Gemeinde, Walbeobachtern, der Tourismusindustrie und dem Umweltministerium an einem Strang zu ziehen.

Auf dem Rückflug nach London, wo ich gerade mit Brian May eine Kampagne zum Schutz von Dachsen vorbereite, fragte ich mich, ob wir unser Ziel, dem grausamen und unnötigen Walfang ein Ende zu setzen, vielleicht schon bald erreicht haben werden...

--RM

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