Steht der isländische Walfang auf der Kippe?

Ein Buckelwal taucht neben einem Whalewatching-Schiff in Island. Whalewatching-Veranstalter sprechen sich gegen den Walfang aus, da er genau jene Wale angreift, mit denen sie ihren Lebensunterhalt verdienenIn der Welt des isländischen Walfangs hat sich in letzter Zeit einiges getan. Zwei Walarten werden in Island noch gejagt - Finnwale wurden zuletzt vor fast drei Jahren getötet und die Jagdsaison für Zwergwale wurde Mitte Mai eröffnet. Die Finnwaljagd sollte eigentlich am 8. Juni dieses Jahres nach drei Jahren wieder aufgenommen werden, doch jüngste Entwicklungen stellen dies in Frage. Die Ankündigung einer Wiederaufnahme der Finnwaljagd war von Tourismusverbänden und Whalewatching-Gemeinden in Island scharf kritisiert worden. Gleichzeitig ziehen auch die USA in Erwägung, ihren diplomatischen Druck zu erhöhen, sollte der einsame isländische Walfänger Kristjan Loftsson tatsächlich auf seinen Ein-Mann-Kreuzzug losziehen und den internationalen Ruf Islands schädigen. Wie lange wird man ihn diese Rufschädigung noch unbehelligt betreiben lassen? Das ist die derzeit in Reykjavik heiß diskutierte Frage.

Gleichzeitig liest man in der Zeitung die Aussagen von Zwergwalfängern, laut denen die Walfangbranche aufgrund eines am 21. Mai in Kraft getretenen Gesetzes ohnehin ruiniert sei. Das Gesetz betrifft die Ausweitung des Walschutzgebiets in der Faxafloi-Bucht, die sicherstellen soll, dass Wale nur außerhalb der Sichtweite von Whalewatching-Touristen getötet werden. "Das ist nicht fair", beschweren sich die Walfänger, "80% unserer Wale jagen wir in diesem Gebiet." Und damit geben sie offen zu, dass sie genau jene Wale töten, mit denen die Whalewatching-Veranstalter ihren Lebensunterhalt verdienen.

Der Gesetzesvorschlag war von einem von der Regierung beauftragten Ausschuss unterbreitet worden. Er stand auch bei unserer letzten öffentlichen Veranstaltung im Mittelpunkt, die wir letzten Sommer zum Abschluss der Forschungsexpedition unseres Forschungsschiffs Song of the Whale in Island organisierten. Der Vertreter des Internationalen Tierschutz-Fonds (IFAW) in Island referierte vor dem Ausschuss damals über die dringende Notwendigkeit des Schutzgebiets und über die nicht hinnehmbare Grausamkeit des Walfangs. IFAW-Unterstützer schickten aus aller Welt E-Mails an die Regierung, als der Ausschuss verlauten ließ, dass auch Islands internationaler Ruf bei der Entscheidung in Betracht gezogen werden müsse.

Ausschuss, Tourismusbranche, Whalewatcher und der IFAW forderten alle ein größeres Walschutzgebiet als im Gesetz letztendlich festgelegt wurde. Offenbar wollte es die scheidende Regierung beiden Seiten Recht machen - oder eben keiner. Was auch immer passieren wird, der IFAW wird sich um eine gute Zusammenarbeit mit der neuen isländische Regierung bemühen. Besonders gespannt sind wir darauf zu erfahren, zu welchem Ergebnis der von der Regierung beauftragte Ausschuss hinsichtlich der Grausamkeit des Walfangs gekommen ist und sind bereit, uns für eine weitere Ausweitung des neuen Schutzgebiets starkzumachen, sollte es nach wie vor ein Hemmnis für die Whalewatching-Branche darstellen.

--RM

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Experten

Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
Regionaldirektorin Russland und GUS
Dr. Ralf Sonntag, Länderdirektor Deutschland
Länderdirektor Deutschland
Isabel McCrea, Regionaldirektorin Ozeanien
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IFAW Japan Representative
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Patrick Ramage, Programmdirektor Wale
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