Südkorea: Vernunft siegt über Walfang

Eine Harpune am Bug eines japanischen Walfangschiffs.

In der Welt des Walfangs war in den letzten Wochen einiges los.

Es sieht so aus, als habe am Ende die Vernunft gesiegt: Südkorea hat seine Pläne, wissenschaftlichen Walfang zu betreiben, verworfen.

Die Idee Südkoreas zur Aufnahme des Walfangs war erstmals bei der Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) im Juli zur Sprache gekommen. Mit einer großen E-Mail-Protestaktion, an der sich über 100.000 Leute, darunter auch viele Förderer des Internationalen Tierschutz-Fonds beteiligten, war der koreanische Premierminister jedoch dazu gedrängt worden, die Pläne auf Eis zu legen.

In dieser Woche lief die Frist ab, in der Südkorea bei der IWC einen Antrag auf wissenschaftlichen Walfang hätte einreichen können.

Sieht also aus, als seien die Zwergwale des Nordpazifiks dem Tod gerade noch mal von der Schippe (oder besser gesagt von der Harpune) gesprungen.

Korea hat sich stattdessen entschlossen, nicht-tödliche Walforschung zu betreiben. Eine sehr lobenswerte Entscheidung.

Tödliche Walforschung ist aus wissenschaftlicher Sicht Unsinn und das Töten von Walen für kommerzielle Zwecke im 21. Jahrhundert ist sowohl in ethischer als auch in ökologischer und ökonomischer Hinsicht erwiesenermaßen ein Verlustgeschäft.

Ganz im Gegensatz zu Korea verfolgt Japan allerdings unbeirrt seine Walfanglinie.

Die japanische Walfangflotte steht schon wieder in den Startlöchern, um auf ihrem alljährlichen Ausflug ins Antarktische Walschutzgebiet mehr als 1000 Wale zu töten.

Und das, obwohl eine kürzlich vom IFAW durchgeführte Umfrage ganz klar ergeben hat, dass den Japanern der Appetit auf Walfleisch längst vergangen ist. 88,8% der Japaner haben in den letzten 12 Monaten überhaupt kein Walfleisch gekauft.

Die Umfrage zeigte außerdem, dass trotz Propaganda und Beteuerungen der japanischen Regierung der Rückhalt in der Bevölkerung für den Walfang in Japan überraschend schwach ist.

Besonders interessant dabei ist, dass sich eine große Mehrheit der Befragten, und zwar Walfangbefürworter wie -Gegner, dagegen aussprach, dass die sterbende Walfangindustrie mit Steuergeldern finanziert wird. 85% lehnten es ab, dass Milliarden Yen aus Steuermitteln in den Bau eines neuen Walfangschiffs fließen sollen.

Dass die japanische Regierung trotz der allgemeinen Gleichgültigkeit im eigenen Land und der breiten Opposition im Ausland stur ihre Linie beibehält, hat jetzt die neuseeländische Regierung dazu veranlasst, sich Australien bei seiner Klage gegen den japanischen Walfang vor dem Internationalen Gerichtshof anzuschließen.

Da die Mühlen der Justiz jedoch bekanntlich langsam mahlen, wird eine Anhörung zur Klage voraussichtlich nicht vor Mitte nächsten Jahres stattfinden.

Für die Wale, die bald wieder ins Fadenkreuz japanischer Harpunen geraten, kann der Prozess gar nicht früh genug beginnen.

--MC

P.S.: Für die Sendung The Project des australischen TV-Senders Channel Ten habe ich ein Interview zum Thema Walfang gegeben. Sehen Sie das Interview hier.

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