In Südafrika wird die Wissenschaft zum Wohle der Elefanten eingesetzt

"Ethik bedeutet den Unterschied zu kennen zwischen dem, wozu man ein Recht hat, und dem, was richtig ist." – Potter Stewart

Startseite des vom IFAW-Büro Südafrika herausgegebenen Digital Elephant Magazine.Sehen Sie sich doch bitte erstmal unser digitales Magazin über Elefanten an, bevor Sie hier weiterlesen. Kleiner Warnhinweis: es wird ihnen möglicherweise gar nicht so leicht fallen, zu diesem Blog zurückzuklicken, denn was sie lesen werden, wird sie fesseln und nicht mehr so schnell los lassen, das kann ich Ihnen versprechen.

Wenn Sie sich das Magazin angesehen haben, werden Sie mir sicher zustimmen: Elefanten sind bemerkenswerte Geschöpfe, die unseren vollen Respekt verdienen.

Vor ein paar Jahren wurde ich darum gebeten, auf einer Versammlung der Gesellschaft für Ethik von Südafrika (ESSA) einen Vortrag über ethische Aspekte des Elefantenmanagements zu halten. 

Nach der hitzigen Debatte der frühen neunziger Jahre und dem daraufhin beschlossenen Elefanten-Abschussmoratorium im Krüger-Nationalpark gab es immer noch große Meinungsunterschiede über die Frage, ob das Moratorium nicht wieder aufgehoben werden sollte. 

Durch die Einführung ethischer Aspekte in die Diskussion bot sich die Gelegenheit, die auf persönlichen Meinungen und Gerüchten basierende, hoch polarisierte Debatte auf eine neue Grundlage zu stellen, die ihr Hauptaugenmerk darauf richtete, das zugrundeliegende "Problem" herauszuarbeiten und nach angemessenen Lösungen zu suchen. 

Der Abschuss von Elefanten war, kurz gesagt, ein Ansatz, bei dem es darum ging, die Anzahl der Tiere zu begrenzen, ohne dass es dafür eine wissenschaftliche oder ökologische Grundlage gegeben hätte. Vielmehr ging es um die Interessen der Landwirtschaft. 

Die Abschüsse waren für die Tiere eine Tragödie, denn anfangs wurden erwachsene Tiere getötet, die traumatisierte Baby- und halbwüchsige Elefanten zurückließen. Später wurden dann ganze Familien vernichtet – einschließlich der Babyelefanten. 

Trotzdem fand diese Vorgehensweise vielfach noch Zustimmung, denn sie passte gut in die Rhetorik von der nachhaltigen Nutzung, weshalb mit der Zeit die politische Unterstützung für diesen Ansatz zunahm. 

Es stellte sich allerdings heraus, dass dieser Ansatz beileibe keine angemessene Lösung für das Bestandsmanagement war. Auch ist die Ausrottung einer ganzen Familie vom unschuldigen Kalb bis hin zur Matriarchin sicherlich ethisch nur schwer haltbar.

Es war deshalb an der Zeit, alles noch einmal gründlich zu überdenken. 

Die Rolle der Wissenschaft bei der Entscheidungsfindung in Bestandsschutzfragen wurde nun in den Vordergrund gestellt. Schließlich verpflichtete sich die südafrikanische Regierung, das Problem mit einer passgenau zugeschnittenen wissenschaftlichen Untersuchung anzugehen.

Der Internationale Tierschutz-Fonds arbeitet seit vielen Jahren mit dem Forschungszentrum für Naturschutzökologie (Conservation Ecology Research Unit – CERU) der Universität von Pretoria zusammen, um die Dynamik der Elefantenpopulationen im südlichen Afrika zu erforschen. Dabei sollen ethisch und wissenschaftlich haltbare Ansätze für das Bestandsmanagement entwickelt werden. 

Unser digitales Elefantenmagazin wurde ins Leben gerufen, um die bis heute erreichten großen Fortschritte der Wissenschaft zu dokumentieren, die bereits viele Irrtümer berichtigt und neue Erkenntnisse erbracht hat.

Nebenbei lernen wir im Zuge dieser Arbeit viel über die größeren Zusammenhänge eines angemessenen Tierschutzmanagements und einer sinnvollen Landnutzungsplanung – eine optimale Situation für uns.

Zum Schluss noch ein hübsches Gedicht, das in meinen Augen die Sache auf den Punkt bringt und dessen Moral man so zusammenfassen könnte: Bevor wir ethisch fragwürdige Entscheidungen treffen und das Wohl von Tieren gefährden, sollten wir wenigstens genau wissen, worüber wir sprechen.

--JBL

John Godfrey Saxes (1816-1887) Version einer bekannten indischen Legende:

It was six men of Indostan
To learning much inclined,
Who went to see the Elephant
(Though all of them were blind),
That each by observation
Might satisfy his mind.

The First approach'd the Elephant,
And happening to fall
Against his broad and sturdy side,
At once began to bawl:
"God bless me! but the Elephant
Is very like a wall!"

The Second, feeling of the tusk,
Cried, -"Ho! what have we here
So very round and smooth and sharp?
To me 'tis mighty clear
This wonder of an Elephant
Is very like a spear!"

The Third approached the animal,
And happening to take
The squirming trunk within his hands,
Thus boldly up and spake:
"I see," quoth he, "the Elephant
Is very like a snake!"

The Fourth reached out his eager hand,
And felt about the knee.
"What most this wondrous beast is like
Is mighty plain," quoth he,
"'Tis clear enough the Elephant
Is very like a tree!"

The Fifth, who chanced to touch the ear,
Said: "E'en the blindest man
Can tell what this resembles most;
Deny the fact who can,
This marvel of an Elephant
Is very like a fan!"

The Sixth no sooner had begun
About the beast to grope,
Then, seizing on the swinging tail
That fell within his scope,
"I see," quoth he, "the Elephant
Is very like a rope!"

And so these men of Indostan
Disputed loud and long,
Each in his own opinion
Exceeding stiff and strong,
Though each was partly in the right,
And all were in the wrong!

MORAL.

So oft in theologic wars,
The disputants, I ween,
Rail on in utter ignorance
Of what each other mean,
And prate about an Elephant
Not one of them has seen! 

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Experten

Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Mitglied des IFAW-Elefantenteams
IFAW-Elefantenexpertin
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
Regionaldirektorin Asien
James Isiche, Regionaldirektor Ostafrika
Regionaldirektor Ostafrika
Jason Bell, Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südliches Afrika
Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südafrika
Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
Regionaldirektor Südasien