Rettungsschirm für die kanadische Robbenjagd

Die Robbenjagd ist grausam und unnötig
Mittwoch, April 11, 2012

 

Mit finanzieller Unterstützung der Regierung geht die kommerzielle kanadische Robbenjagd in die zweite Phase: Morgen eröffnet das Fischereiministerium (DFO) vor der Küste Neufundlands und Labradors die Jagd auf Sattelrobben. Im Norden des Sankt-Lorenz-Golfs darf seit gestern wieder gejagt werden. Der IFAW (Internationaler Tierschutz-Fonds) ist mit einem Team vor Ort, um die Jagd zu dokumentieren.

Die Robbenjäger erhalten dabei stattliche finanzielle Hilfe vom Staat: Wie die Regierung der Provinz Neufundland und Labrador auf einer Pressekonferenz ankündigte, gewährt sie der privaten, norwegischen Firma Carino einen Kredit von umgerechnet 2,7 Millionen Euro zur Verarbeitung von Robbenprodukten. Damit könne Carino Robbenfelle und Blubber erwerben und einlagern, bis sich der Markt wieder erhole und sichere somit Hunderten von Robbenjägern in diesem Jahr ein Einkommen, so die Begründung.

„Das ist an Absurdität nicht mehr zu überbieten“, so Dr. Ralf Sonntag, Meeresbiologe des IFAW-Deutschland. „Die kanadische Regierung gibt jetzt ausländischen Firmen Geld, damit sie Robbenfelle kaufen und dann ins Lager packen. Sie tut also so, als gäbe es noch einen Markt, wo keiner mehr ist. Was für sinnlose Manöver will die kanadische Regierung denn noch durchführen, bevor sie eingesteht, dass die Robbenindustrie tot ist?“

Erst letzte Woche hatte die kanadische Gerberei NuTan Furs die Schließung ihres Werks angekündigt. Die Robbenjagd hatte 2011 gerade mal 760.000 Euro eingebracht. Inzwischen haben 33 Länder den Handel mit Robbenprodukten verboten, darunter die EU, Russland und die USA.

Nichts desto trotz setzte das kanadische Fischereiministerium für dieses Jahr eine unverändert hohe Jagquote von 400.000 Sattelrobben fest. Und das, obwohl die Eissituation erneut katastrophal ist und schon dadurch den Robbennachwuchs extrem bedroht.

Im südlichen Teil des Sankt-Lorenz-Golfs begann die Robbenjagd bereits am 22. März. Es nahmen aber nur etwa fünf Schiffe teil, da aufgrund fehlender Eisflächen kaum Robben vorhanden waren. Der IFAW schätzt, dass etwa 500 Tiere getötet wurden.

Achtung Bildredaktionen: Bild- und Videomaterial unter ifawimages.com

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