Rettung von geschützten Landschildkröten auf ihrem Weg von Tunesien nach Europa

Wilde Landschildkröten werden oft in Kartons gepackt und auf Fähren von Tunesien nach Europa verladen

Der beste Schutz der Schildkröte gegen Raubtiere ist ihr Panzer. Wegen dieses Schutzschilds können sie aber gleichzeitig problemlos durch die ganze Welt transportiert werden. Sie werden einfach wie Steine in Säcke und Kartons geworfen.

Statistiken zufolge, die im italienischen Genua und im französischen Marseille erhoben wurden, werden jährlich etwa 1.500 lebende Schildkröten von tunesischen Schmugglern konfisziert. Die beiden Städte sind offenbar bevorzugte Ziele für den illegalen Handel aus Tunesien. Hinzu kommt, dass die Zahlen in Wirklichkeit vermutlich erheblich höher sind, da viele Lieferungen unentdeckt bleiben.

Ein Großteils des Schildkrötenschmuggels findet im Spätsommer statt, wenn Tunesier von ihrem Heimaturlaub mit den Schildkröten im Gepäck nach Europa zurückkehren.

Da in Tunesien überwiegend Wüstenklima herrscht, ist das Land nicht gerade reich an exotischen Arten. Doch die wenigen exotischen Tiere, die es gibt, wie die wilden Landschildkröten und die eindrucksvollen Greifvögel müssen die desaströse Wirtschaftslage im Land ausbaden. Auch andere Länder, deren Wirtschaft am Boden liegt, machen mit grausamem Wildtierschmuggel von sich reden.

Mit wilden Landschildkröten lässt sich in Europa gut Geld verdienen. Die Tiere werden in Kartons gepackt und dort mit Fußbodenbelag getarnt. Die Kartons werden auf Fähren verladen, die aus tunesischen Häfen auslaufen. Bei Vögeln werden die Flugfedern gestutzt, damit sie nicht umherflattern können. Auch sie werden in Kartons verpackt. Als Tarnung wird hier Gemüse wie Tomaten, Paprika und Zwiebeln verwendet. Fehlende oder nachlässige Kontrollen in zahlreichen tunesischen Häfen sind der Grund dafür, dass viele Tiere auf diese grausame Reise übers Mittelmeer geschickt werden.

Viele Vögel und Schildkröten überleben die Reise nicht. Doch glücklicherweise gibt es viele Menschen, die sich für die wehrlosen Geschöpfe stark machen.

Gerettete Vögel werden nach Tunesien zurückgebracht, wo sich eine lokale Tierschutzorganisation um sie kümmert, bis ihre Federn so weit nachgewachsen sind, dass sie wieder fliegen und ausgewildert werden können.

Wilde Schildkröten werden in ein Rehabilitationszentrum im Boukornine-Nationalpark,  30 Kilometer südlich von Tunis, gebracht. Die tunesische Forstbehörde hat den Park in Kooperation mit der Organisation Marwell Wildlife aufgebaut. Dort gibt es ein großes Gehege von einem Hektar, ein einfaches Labor und ein kleines Krankenhaus, das von einem Tierarzt von Marwell Wildlife geleitet wird. Insgesamt arbeiten vier Tierärzte in der Einrichtung. Sie alle haben ihren Abschluss an der tiermedizinischen Fachschule in Sidi Thabet erworben. Das Zentrum ist bekannt für seine Forschung zu einheimischen Landschildkrötenarten.

Beschlagnahmte wilde tunesische Landschildkröten werden in ein Rehabilitationszentrum gebracht. Dort gibt es ein großes Gehege von einem Hektar, ein einfaches Labor und ein kleines Krankenhaus.

Solche Rehabilitationsprojekte sind sehr teuer. Französische und italienische Behörden übernehmen die Kosten für die Rückführung der geschmuggelten Tiere in ihr Heimatland.

Einige Länder wie zum Beispiel Belgien wälzen die Kosten hingegen auf die tunesische Forstbehörde ab. Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Situation in Tunesien ist dies eine große finanzielle Belastung für das Land.

Obwohl die Kontrollen in den Häfen noch immer unzulänglich sind, gibt es auch Grund zur Zuversicht, da gleichzeitig viele Schutzmaßnahmen im Land ergriffen werden:

  • Zum Schutz des raren Wildtierbestands in Tunesien hat die Regierung das Netzwerk von Naturschutzgebieten von 7.400 Hektar im Jahr 1987 auf 600.000 Hektar im Jahr 2011 ausgeweitet.
  • Tunesien ist Unterzeichnerstaat bei mehreren internationalen Konventionen, darunter die Konvention über den Internationalen Handel mit gefährdeten Arten wildlebender Fauna und Flora (CITES) und die Konvention zur Erhaltung der wandernden Tierarten (CMS).
  • 2006 hat das tunesische Landwirtschaftministerium eine Schutzliste mit seltenen und gefährdeten Tier- und Pflanzenarten erstellt.

Dima Abo Kous

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