OIE-Treffen in Paris lässt auf würdige weltweite Tierschutzstandards hoffen

Sehr häufig erhalten wir Post von empörten Unterstützern des Internationalen Tierschutzfonds, wenn diese ins Ausland reisen und schockiert feststellen, wie Tiere in anderen Teilen der Welt behandelt werden.

Das Interesse für die Belange der Tiere und den Tierschutz nimmt zwar weltweit immer weiter zu, doch Regierungen reagieren oftmals sehr langsam auf die Forderungen ihrer Bürger nach höheren Tierschutzstandards.

Langsam aber sicher ändern jedoch auch die Regierungen ihre Einstellung zum Tierschutz und er gilt aus unterschiedlichen Gründen immer mehr als etwas, das für die gesamte Gesellschaft erstrebenswert ist.

Erstens sind Tiere fühlende Wesen.

Der Wissenschaft ist es mittlerweile gelungen das zu belegen, was wir schon lange zuvor wussten, nämlich, dass Tiere Schmerzen empfinden können und dass sie leiden, wenn sie schlecht behandelt werden. Im gleichen Maße können sie auch Freude und Befriedigung empfinden, wenn ihre Bedürfnisse berücksichtigt werden.

Wir Menschen besitzen eine ethische Verantwortung dafür, die Bedürfnisse der Tiere zu achten und dafür zu sorgen, dass sie ein würdiges Leben führen können.

Zweitens schadet es menschlichen Gesellschaften, wenn sie das Leiden von Tieren ignorieren.

Zum einen steigt generell die Akzeptanz für Grausamkeit, was sich natürlich auf den Umgang der Menschen untereinander auswirkt. Zum anderen leiden auch viele mitfühlende Menschen darunter, wenn sie sehen, dass Tiere schlecht behandelt werden. Das beeinträchtigt sowohl die Lebensqualität der Menschen als auch der Tiere.

Zu guter Letzt führt eine schlechte Behandlung von Tieren meist auch  zu wirtschaftlichen Einbußen derjenigen Menschen, die beispielsweise ihren Lebensunterhalt mit Viehhaltung bestreiten und die schlicht und einfach nicht wissen, welche Behandlung sie ihren Tieren zukommen lassen sollten.

All das sind handfeste Gründe dafür, Tiere besser zu behandeln, doch die meisten Länder haben überhaupt keine offiziellen Tierschutzstandards. Und dort, wo gewisse Gesetze existieren, sind sie entweder schlecht ausgearbeitet oder es wird nicht ausreichend für ihre Einhaltung gesorgt. Das gilt nicht nur für Entwicklungsländer, sondern durchaus auch für viele wohlhabende Nationen.

Die Globalisierung bringt zwar für Menschen wie für Tiere in vieler Hinsicht erschwerte Bedingungen mit sich, andererseits bietet sie aber auch die Gelegenheit, Tierschutznormen und artgerechte Tierhaltung zu globalisieren und weltweit publik zu machen, warum Tierschutz so wichtig ist.

Zurzeit gibt es keine weltweit anerkannten Normen oder Standards für den Tierschutz, also blickte der IFAW im Jahr 2002 mit großem Interesse auf die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE - Office International des Epizooties), die damals als erste zwischenstaatliche Organisation ankündigte, dass sie künftig den Tierschutz in ihrer Arbeit berücksichtigen würde.

Das war natürlich zunächst ein Schritt in die richtige Richtung, doch er wirft auch einige Fragen auf.

Die OIE wurde 1924 mit dem Ziel gegründet, die Tiergesundheit zu fördern und die Verbreitung von Seuchen durch den Handel mit Tieren zu unterbinden.

  • Kann die mächtige Organisation mit ihrer handelsfreundlichen Agenda bei der Entscheidung darüber, welche Tierschutzrichtlinien unterstützt werden, eine neutrale Position einnehmen?
  • Basieren die OIE-Tierschutzrichtlinien auf dem Vorsorgeprinzip oder geht man davon aus, dass Tiere solange nicht leiden, bis das Gegenteil bewiesen ist?
  • Verabschiedet die OIE allgemeingültige Tierschutzrichtlinien oder nur solche, die den Handel betreffen?
  • Führt die Entwicklung solcher Richtlinien dazu, dass der internationale Handel mit lebenden Tieren noch weiter zunimmt und werden auch die enormen Gefahren in Betracht gezogen, die beispielsweise durch den Import von nicht-einheimischen Arten ausgehen?
  • Haben die OIE-Tierschutzrichtlinien das Ziel, den Tierschutz in Ländern ohne Tierschutzgesetzgebung zu verbessern oder könnten sie vielleicht sogar Gesetze, Regulierungen und Verträge, die derzeit in manchen Ländern existieren, entkräften?

Diese Woche veranstaltet die OIE in Paris ihr jährliches Treffen. Eine Delegation des IFAW ist vor Ort, wird sich mit Gleichgesinnten vernetzen, Debatten beobachten und sich darüber informieren, inwieweit die Arbeit der OIE sich auf die Arbeit unserer Organisation und ihrer Ziele auswirken wird.

Wir werden diese Entwicklungen mitverfolgen und gemeinsam mit Partnerorganisationen versuchen, das Beste für die Tiere zu erreichen.

Ich werde über weitere Entwicklungen berichten und Sie über die Konsequenzen des Tierschutzengagements der OIE für die Tiere und den Umgang mit ihnen auf dem Laufenden halten.

Wir hoffen, dass die OIE und ihre 178 Mitgliedstaaten den immer lauter werdenden Rufen der Menschen aus aller Welt Gehör schenken, die glauben, dass auch die Art und Weise, wie wir mit unseren Tieren umgehen, für das Funktionieren unserer Gesellschaften von großer Bedeutung ist.

Wie Gandhi es mit seinem berühmten Satz sagte, „kann man den moralischen Fortschritt einer Nation daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt.“

Wollen wir hoffen, dass die OIE Tierschutzstandards verabschiedet, die einer Welt im 21. Jahrhundert würdig sind.

--CM

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Experten

Azzedine Downes, Präsident und CEO
Präsident und CEO
Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Dr. Elsayed Ahmed Mohamed, Regionaldirektor Mittlerer Osten
Regionaldirektor Mittlerer Osten
Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
Regionaldirektorin Russland und GUS
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
Regionaldirektorin Asien
Isabel McCrea, Regionaldirektorin Ozeanien
Regionaldirektorin Ozeanien
Jeffrey Flocken, Regionaldirektor Nordamerika
Regionaldirektor Nordamerika
Kelvin Alie, Programmdirektor Wildtierhandel
Programmdirektor Wildtierhandel
Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Robert Kless, Leiter Wildtier-Kampagnen, IFAW Deutschland
Leiter Wildtier-Kampagnen, IFAW Deutschland
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
Regionaldirektor Südasien