Neun arabische Länder unterzeichnen gemeinsam globales Abkommen zum Schutz der Haie

©IFAW/A.Skene -- Von links nach rechts: Peter Pueschel,  Leiter Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen beim IFAW, H.E. Sultan Alwan, stellvertretender Untersekretär für Wasserressourcen und Naturschutz beim Ministerium für Umwelt und Wasser und Andrea Pauly, Associate Programme Officer beim Sekretariat der Bonner Konvention

Eine Initiative arabischer Länder macht neue Hoffnung, dass sich die Situation für viele bedrohte Meerestiere bald verbessert. Am 17. Februar unterzeichneten neun arabische Länder gemeinsam das sogenannte Memorandum of Understanding on the Conservation of Migratory Sharks (MoU Sharks).

Damit haben sie sich freiwillig den Zielen dieses globalen Schutzabkommens verpflichtet. Bei dem Vertragswerk handelt es sich um ein einzigartiges Instrument, das dazu dient, weltweit ausreichende Schutzmaßnahmen für wandernde Haiarten zu erwirken.

Dieses Mal ist es bei unserem Trainingsworkshop hier in Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten besonders spannend. Delegierte aus insgesamt 14 arabischen Ländern sind angereist, um durch unser Training in die Lage versetzt zu werden, den illegalen Handel mit Haien und anderen Meerestieren zu unterbinden. Ein wichtiger Schritt um international bereits vereinbarte Schutzziele wirkungsvoll umzusetzen.

Das Arbeitstreffen wurde vom IFAW gemeinsam mit dem Ministerium für Umwelt und Wasser der Vereinigten Arabischen Emirate organisiert. Nicht zufällig findet es jetzt statt, zu einer Zeit, in der Haie und viele andere Meeresbewohner wegen Überfischung, Lebensraumzerstörung und Klimaveränderung in nie dagewesenem Ausmaß um ihr Überleben kämpfen. Als sogenannte ökologische Schlüsselarten brauchen Haie unsere besondere Aufmerksamkeit und Fürsorge, denn sie sind Top-Prädatoren, die in besonderer Weise eine Management- und Regelungsaufgabe im Ökosystem innehaben (Als Prädatoren bezeichnet man Raubtiere, die sich von anderen, noch lebenden Organismen oder Teilen von diesen ernähren.). Werden Haibestände stark dezimiert oder gar ausgerottet, kann sich das ganze ökologische System mit all seiner natürlichen Vielfalt und Zusammensetzung so grundsätzlich verändern, dass es kein Zurück gibt.

Es macht mir viel Hoffnung, hier dabei zu sein und zu sehen, dass so viele Länder der arabischen Welt gemeinsam beginnen, in bewundernswerter Weise eine Führungsrolle zu übernehmen, um den Verlust der biologischen Vielfalt der Meere aufzuhalten und großen Schaden von Mensch und Tier gleichermaßen abzuwenden.

Es ist gerade mal ein Jahr her, dass es gelang, fünf wichtige Hai- und zwei Rochenarten im Rahmen des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (engl. CITES) unter Schutz zu stellen. Diese Entscheidungen waren ein historischer Durchbruch, ein Schritt hin zu einer ökologisch nachhaltigen Nutzungsweise, nachdem solche Schutzmaßnahmen jahrzehntelang von Fischerei-Nationen blockiert worden waren. Ohne die Unterstützung vieler arabischer Länder wäre dieser Durchbruch nicht gelungen.

Trotzdem: Um wirklich etwas zu bewirken, ist es nötig, dass auf gute Entscheidungen auch eine wirksame Umsetzung folgt. Und genau darum geht es hier auf dem Workshop: Bei den betroffenen Ländern müssen die notwendigen Vollzugskapazitäten entwickelt werden, damit sie ihre internationalen Verpflichtungen auch adäquat umsetzen können.

Ich bin sicher, dass diese Art der Zusammenarbeit Synergieeffekte und gegenseitige Unterstützung zwischen allen verantwortlichen Interessensvertretern fördert und so wesentliche Voraussetzungen schafft, um Schutzerfolge zu erzielen. Gerade weil viele Haie über politische Grenzen hinweg schwimmende (also wandernde) Tierarten sind, ist deren Schutz überhaupt nur mit internationaler Kooperation und gemeinsamen Zielen zu erreichen.

Das Washingtoner Artenschutzabkommen hat die wichtige Aufgabe, dem internationalen Handel ausreichende Beschränkungen und Kontrollen vorzuschreiben und deren Umsetzung zu überwachen, sodass durch den Handel keine Tierart in ihrem natürlichen Bestand ernsthaft beeinträchtigt werden kann. Das reicht aber weder aus, damit sich gefährdete Haiarten wieder erholen können und ihre Bestände in ausreichender Größe erhalten werden, noch hilft es, um tierquälerische Fangmethoden abzustellen. Hier braucht es die die Bonner Konvention zum Schutz wandernder Tierarten (CMS). Sie ist eine der wichtigsten internationalen Naturschutzabkommen und sie allein ist in der Lage, die notwendigen Kooperationen zwischen Ländern zu entwickeln, um wandernde Tierarten in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet zu schützen.

Deshalb bin ich heute so begeistert, dass neun arabische Länder die Vereinbarung zum Schutz wandernder Haiarten hier in Dubai – bei der Eröffnung unseres Workshops – offiziell unterzeichnet haben. Ein guter Schritt in eine bessere Zukunft für Tiere und Menschen. Ich bin sicher, dass weitere Länder dem positiven Beispiel bald folgen werden.

Im Moment möchte ich zunächst mal den Vereinigten Arabischen Emiraten, den Komoren, Ägypten, Jordanien, Libyen, Mauretanien, dem Sudan, Syrien und Jemen zu danken“ und der Bonner Konvention – und ganz besonders den Haien – gratulieren.Shokran!“, das heißt auf Arabisch „Danke!“.

Peter Pueschel

Erfahren Sie mehr darüber, wie der IFAW sich auf politischer Ebene  für den Tier- und Artenschutz einsetzt.

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Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
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Sonja Van Tichelen, Regionaldirektorin Europäische Union
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