Neuer Status für Bouba Njida: Nationalpark oder Elefantenfriedhof?

Es ist Mitternacht in Brazzaville, wo ich seit ein paar Tagen einen Workshop zur Schulung von Polizeibeamten im Umgang mit Elfenbeinschmuggel vorbereite, den der IFAW im Juni veranstalten wird. Über die geschäftige Hauptstadt der Republik Kongo legt sich langsam die Nachtruhe.

Auch ich sollte eigentlich schlafen gehen, doch ich starre die ganze Zeit unwillkürlich auf eine Karte Nordkameruns, die ich vor ein paar Stunden erhalten habe. Die Karte ist mit Zahlen übersät, die das Ausmaß des Massakers veranschaulichen, das sich in den letzten vier Wochen im Bouba Njida-Nationalpark an der nordöstlichen Grenze zum Tschad abgespielt hat.

1, 5, 10, 17, 45…Die Zahlen folgen weder einem mathematischem Muster noch irgendeiner anderen Logik. Es sind die schockierenden Zahlen von Elefantenkadavern, Rüssel abgetrennt, Stoßzähne ausgerissen, die jetzt überall über den dürren Boden jenes Parks, der eigentlich immer Kameruns Vorzeigepark war, verteilt liegen.

In nur einem Monat wurden 200 der fast 600 im Park lebenden Elefanten von berittenen, mit Maschinengewehren bewaffneten Wilderer-Gangs, die aus dem Sudan und dem Tschad gekommen waren, getötet. Nichts scheint sie aufhalten zu können auf ihrem rücksichtslosen Feldzug auf der Suche nach Elfenbein, der Mitte November in der Zentralafrikanischen Republik begann, sich im Dezember im Tschad fortsetzte und jetzt in Kamerun endete.

Seit 2009 finanziert der IFAW Projekte zur Bekämpfung der Wilderei in Ländern Zentralafrikas. Ziel der Projekte ist es die operativen Kapazitäten von Parkrangern und Wildschutzbehörden auszubauen. Angesichts der gegenwärtig rasant zunehmenden Wilderei zu nie gesehenen Ausmaßen eine essentielle Aufgabe. In diesem Zusammenhang besuche ich auch in ein paar Tagen Bouba Njida und seinen Elefantenfriedhof, um beim Aufbau eines regionalen Informations- und Frühwarnsystems zu helfen, damit eine solche Tragödie sich auf keinen Fall wiederholt.

Wenn wir erst 200 abgeschlachtete Elefanten brauchen, um endlich aufzuwachen, wie viele mehr müssen denn dann noch ihr Leben lassen, damit Regierungen dem Elfenbeinhandel endlich ein Ende setzen?

--CSB

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Experten

Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Mitglied des IFAW-Elefantenteams
IFAW-Elefantenexpertin
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
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James Isiche, Regionaldirektor Ostafrika
Regionaldirektor Ostafrika
Jason Bell, Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südliches Afrika
Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südafrika
Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
Regionaldirektor Südasien