Neue Studie enthüllt Ausmaß von Elfenbein-Beschlagnahmungen in ganz Europa

Unsere neue Studie liefert einen weiteren Beweis dafür, dass wir ein Elfenbeinverbot in der Europäischen Union benötigen

Eine neue Studie des IFAW über den illegalen Elfenbeinhandel in ganz Europa in den vergangenen zehn Jahren zeigt, dass die Europäische Union immer noch ein Ziel für illegales Elfenbein, ein wichtiger Transitweg (vor allem zwischen Afrika und Südostasien) sowie ein Hauptexporteur von antikem Elfenbein für die südostasiatischen Märkte ist.

Der Bericht zeigt, dass in der EU immer noch eine bedeutende Menge Elfenbein beschlagnahmt wird und dass einige Mitgliedstaaten als Transitrouten für den internationalen Handel genutzt werden. Der Bericht hebt als Fallbeispiel ein Manufakturzentrum hervor, das erst im vergangenen Jahr in Deutschland entdeckt wurde, nachdem Vollzugsbeamte am Flughafen Berlin-Schönefeld 625 Kilogramm Elfenbein beschlagnahmt hatten. Es wurde in Kisten gefunden, die mit falschen Papieren nach Vietnam geschickt werden sollten und die die Beamten schließlich zu einer anderen Adresse in Deutschland führten. Dort fanden sie in einer Elfenbeinschnitzerei neben Schleif- und Schneidemaschinen weitere 570 Kilogramm Elfenbein. Dies zeigte zum ersten Mal, dass in Europa Elfenbein geschnitzt und weiterverarbeitet wird, um dann nach Südostasien exportiert zu werden.

Die falsche Zertifizierung bei einer Reihe von Beispielen weist zudem auf organisiertes Verbrechen und den Schmuggel von Europa in die südostasiatischen Märkten hin. Das beweist, dass Europa beim illegalen Handel mit Elfenbein immer noch eine Rolle spielt. Dieser Bericht wurde nur wenige Monate nach dem Start der IFAW-Kampagne veröffentlicht, die zum Ziel hat, alle europäischen Märkte für Elfenbein zu schließen und unsere Forderung an die Europäische Union einschließlich Großbritannien und Nordirland zu stärken.

Wie wir alle wissen, ist der Versuch, jedweden illegalen Markt zu erfassen, beinahe unmöglich. Die Beschlagnahmungen von Elfenbein zeigen nur die Spitze des Eisbergs. Experten schätzen, dass die beschlagnahmten Gegenstände nur 10 Prozent der Gesamtmenge der illegal gehandelten Artikel ausmachen.

Der neue Bericht des IFAW gibt einen Überblick der aktuellen Situation in den großen europäischen Mitgliedstaaten. Aus den zusammengestellten Beweisen geht deutlich hervor, dass eine Reihe europäischer Länder direkt oder indirekt einen bedeutenden Beitrag zum illegalen Elfenbeinmarkt leisten. In den Fällen, in denen die Vollzugsbehörden ihre Arbeit aufeinander abgestimmt haben, waren die Ergebnisse beindruckend und ein echtes Zeugnis für die Kompetenz und Fachkenntnisse der beteiligten Ämter.

Einige europäische Länder allerdings gaben keine Beschlagnahmung von Elfenbein an oder lediglich eine verschwindend geringe Menge. Wir sind nicht sicher, ob dies darauf zurückzuführen ist, dass es tatsächlich keine Beschlagnahmungen von Elfenbein gab oder dass die Durchsetzung von Artenschutzgesetzen in diesen Ländern keine Priorität hat.

Die Untersuchungsergebnisse zeigen auch das Gefahrenpotenzial, das der europäische legale Handel mit antikem Elfenbein hinsichtlich der Nachfrage in Asien mit sich bringt. Die Bereitstellung von antikem Elfenbein für diese Hauptmärkte könnte dazu beitragen, dass die Nachfrage nach Elfenbein hoch bleibt. Der legale Handel könnte zudem unbeabsichtigt mithelfen, dass erst kürzlich gewildertes Elfenbein in diese Märkte geschleust wird. Die Ergebnisse legen nahe, dass der legale Elfenbeinhandel eine Rolle bei der Unterstützung der aktuell stattfindenden Wilderei von afrikanischen Elefanten spielt und die beiden Märkte, der legale und der illegale, nicht voneinander getrennt werden können.

Die große Frage war schon immer: Trägt Europa zur Wilderei von Elefanten in Afrika bei? Regelmäßig hören wir von Politikern und Antiquitätenhändlern, dass der Verkauf von antikem Elfenbein nicht für den Tod der Elefanten heutzutage verantwortlich ist. Es wird auch immer wieder behaupted, dass die EU in diesem Bereich eine nur geringe Rolle spielt. Dieser Bericht will diese Behauptungen entkräften, indem er die Beschlagnahmungen von sowohl unbehandeltem als auch bearbeitetem Elfenbein auf den inländischen Märkten aufzeigt sowie die Verarbeitungsbetriebe und Transitwege, die in Europa existieren.

Es ist eindeutig, dass Europa in der illegalen Elfenbeinkette eine Rolle spielt und dringend ein vollständiges Elfenbeinverbot in ganz Europa durchgesetzt werden muss, wenn wir diese Märkte schließen und Elefanten in der Wildnis schützen wollen.

In den nächsten Wochen wird die Europäische Kommission eine öffentliche Befragung starten, in der EU-Bürger und Mitglieder von Interessengruppen sich dazu äußern sollen, ob dem Ausfuhrverbot für Rohelfenbein ein Verbot von bearbeitetem Elfenbein folgen sollte. Wir werden uns für stärkere Maßnahmen einsetzen, die den Umgang sowohl mit unbehandeltem als auch bearbeitetem Elfenbein betreffen.

Die jüngste Resolution der Vereinten Nationen zur Bekämpfung des illegalen Wildtierhandels empfiehlt dringend, dass alle Regierungen die legalen inländischen Elfenbeinmärkte schließen, sofern sie zur Wilderei oder zum illegalen Handel beitragen. Die Europäische Union kann dahinter nicht zurückbleiben.

David Cowdrey

Helfen Sie uns, den Elfenbeinhandel in der EU zu stoppen. Unterschreiben Sie unsere Petition.

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Experten

Azzedine Downes, Präsident und CEO
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Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Dr. Elsayed Ahmed Mohamed, Regionaldirektor Mittlerer Osten
Regionaldirektor Mittlerer Osten
Dr. Joseph Okori, Regionaldirektor Südliches Afrika und Programmdirektor Natursc
Regionaldirektor Südliches Afrika und Programmdirektor Naturschutz
Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
Regionaldirektorin Russland und GUS
Faye Cuevas, Esq., Vizepräsidentin
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Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
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Jeffrey Flocken, Regionaldirektor Nordamerika
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Kelvin Alie, IFAW Vizepräsident Natur- und Tierschutz
Vizepräsident
Rikkert Reijnen, Programmdirektor Wildtierkriminalität
Programmdirektor Wildtierkriminalität
Robert Kless, Leiter IFAW Deutschland
Leiter IFAW Deutschland
Tania McCrea-Steele, Leiterin der Kampagne gegen illegalen Online-Wildtierhandel
Leiterin der Kampagne gegen illegalen Online-Wildtierhandel, IFAW Großbritannien
Vivek Menon, IFAW Senior-Berater Strategische Partnerschaften
Senior-Berater Strategische Partnerschaften