Nachhaltiger Wildtierhandel scheitert häufig an Korruption und Gier

Wildtierhandel und die kommerzielle Nutzung von Wildtieren führen oftmals zur Ausbeutung. Gut gemeinte Versuche einer nachhaltigen Nutzung ändern daran nichts. © IFAW

Einen Tag vor dem World Wildlife Day sprach sich das Internationale Handelszentrum ITC im Wall Street Journal für einen legalen Wildtierhandel aus. Das ITC ist eine gemeinsame Einrichtung von Welthandelsorganisation und Vereinten Nationen.

In dem Gastkommentar sprach ITC-Exekutivdirektorin Arancha González von einem „legalen Handel, der nachhaltig geführt wird und von dem die armen ländlichen Regionen profitieren, in denen viele bedrohte Tierarten zu Hause sind.”

Der  IFAW glaubt an den intrinsischen Wert lebender Tiere. Deshalb halten wir die Aussagen von Frau González für problematisch – ebenso ihre auf Fehlinformationen beruhende Aussage, „arme ländliche Regionen“ würden vom Handel profitieren. In Wahrheit ist es so, dass der Handel mit Wildtieren zu einer kommerziellen Ausbeutung unserer kostbaren Fauna führt.

Zunächst einmal sei die Frage erlaubt: Wie definiert sich „nachhaltig geführt“? Wer legt das fest? Die Bestände vieler Tierarten, für deren Schutz wir uns stark machen, schwinden infolge von Klimawandel, schrumpfenden Lebensräumen und menschlicher Konflikte. Berücksichtigen wir diese Negativtrends, wenn wir Nachhaltigkeit definieren? Oder geht es nur darum, diese Entwicklungen mit konservativer Führung abzuschwächen? Überlassen wir das einer Organisation, die das Wort „Handel“ schon im Namen trägt? Seit wann treffen Wirtschafts- und Handelsorganisationen für uns die ethischen Entscheidungen?

Frau González spricht davon, dass sich die Vikunja-Bestände erholt haben. Aber das ist kein gutes Beispiel: Jahrelang war das Vikunja, das zur Familie der Kamele gehört, wegen seines Fells gejagt worden, bis man merkte, dass man die Tiere scheren und ein feines Wollgarn gewinnen kann. Nur funktioniert dies leider nicht bei allen bedrohten Tierarten.

Pelze, Häute, Krallen und so weiter lassen sich nicht gewinnen, ohne das entsprechende Tier zu töten. Natürlich kann man einem Bären auch Gallflüssigkeit entnehmen, ohne ihn umzubringen, aber der Bär verbringt sein Leben dann unter grausamen Bedingungen als Nutztier. Einige meinen, man könne die Stoßzähne von Elefanten und die Hörner von Rhinozerossen auch von den lebenden Tieren gewinnen. Aber ist das realistisch machbar und ethisch in Ordnung? Sehr fraglich.

Haben wir denn kein besseres Beispiel für eine Erfolgsgeschichte als das Vikunja, wenn es um gut geführten und nachhaltigen Handel mit Wildtieren geht, Frau González?

Auch die wirtschaftliche Logik steht auf tönernen Füßen. Professor Alejandro Nadal vom Zentrum für Wirtschaftsstudien des Colegio de Mexico in Mexiko-Stadt sagte dem Kolumnisten Ian Michler der südafrikanischen Zeitung Daily Maverick, es gehe nicht, die Märkte mithilfe pseudoökonomischer Analysen zu legalisieren, um der Wilderei Herr zu werden. Eine Freigabe bedürfe vorheriger ernster Debatten. „Ich bin nicht gegen Handel, ich bin nur gegen Blödsinn“, so Professor Nadal.

„Uneingeschränkten Widerstand gegen einen legalen Wildtierhandel findet man vor allem in den reichen Ländern. Aber es sind genau diese Länder, die die hohen finanziellen und gesellschaftlichen Kosten ignorieren, die Handelsverbote für eine ohnehin anfällige Gesellschaft haben können.“, so González.

Der IFAW gehört zu den Tierschutzorganisationen, die nicht außer Acht lassen, wie sich ein Verbot auf die Lebensumstände auswirkt. Wir sind offen für die Bedürfnisse der Menschen und arbeiten an Lösungen, von denen Mensch und Tier profitieren. Ein Verbot sollte idealerweise erst dann in Kraft treten, wenn ausführlich untersucht wurde, wie es sich auf die Populationen auswirkt – sowohl die der Menschen als auch die der Tiere.

Anscheinend „ignorieren wir die möglichen Vorteile, die eine Besteuerung des Wildtierhandels hat“.

Im Idealfall tragen Steuern dazu bei, Gemeinden zu finanzieren, aber die Wahrheit sieht anders aus: Das Geld fließt unvermeidbar in die Durchsetzung von Gesetzen zur Bekämpfung des Schwarzmarkts, wobei auch Korruption und Gewalt eine Rolle spielen. Ähnlich argumentiert auch das Lager, das den illegalen Drogenhandel durch Freigabe der Drogen austrocknen will. „Legalisieren und puff, lösen sich alle Probleme wie durch Zauberei in Luft auf – und wir haben noch säckeweise Steuergelder zum Ausgeben.“ Das funktioniert so nicht, das wissen wir alle.

Lässt sich die wirtschaftliche Entwicklung nur durch Besteuerung des Handels ankurbeln? Der IFAW hilft lieber bei der Gründung einer Fischfarm im Liwonde National Park in Malawi oder bei umweltfreundlichen Alternativen wie dem Weben von Stoffen in den Dörfern rund um den indischen Manas National Park. Über Partnerschaften helfen wir ehemaligen Wilderern, Öko-Ranger zu werden, und fördern einen verantwortungsbewussten Öko-Tourismus, der der Gemeinschaft langfristig Nutzen bringen wird. Die Gemeinden können gedeihen und gleichzeitig werden einzelne Tierarten geschützt.

Das Geld aus dem Wildtierhandel „würde ansonsten an die Wilderer gehen. Wäre es nicht besser, wenn die Armen es bekämen?“,  fragt González.

Aber würde es denn überhaupt an die Armen gehen? Es geht doch eher an die Exporteure, denn der Großteil der Tierprodukte wird in anderen Ländern nachgefragt. Wir haben nachgewiesen, dass Gemeinden in Afrika bei der Ausbeutung ihrer natürlichen Ressourcen leer ausgehen.

Vergangenes Jahr erschien die Studie „The $200 Million Dollar Question“ von Economists at Large. Die Studie, die in Teilen vom IFAW in Auftrag gegeben war, weist nach, dass die Trophäenjagd auf Großwild (normalerweise den reichen ausländischen Touristen vorbehalten), anders als gerne behauptet, die örtliche Konjunktur kaum positiv beeinflusst.

Und wo wir gerade beim Thema Trophäenjagd sind: Die Behauptung, das schwarze Rhinozeros, das der Dallas Safari Club so gerne vor die Flinte bekommen würde, sei „alt und krank“, ist lachhaft. Namibias Regierung gibt als Anforderung nur vor, dass das Nashorn nicht mehr im fortpflanzungsfähigen Alter sein darf. Sehr viele Tiere pflanzen sich nicht mehr fort, spielen aber trotzdem eine wichtige Rolle innerhalb ihrer Familie und ihrer Gruppe. Gerade wir Menschen sollten das zu schätzen wissen.

„Vielleicht lässt sich der Wildtierhandel nicht unterbinden. Die weltweite Nachfrage nach diesen Tieren und den aus ihnen gewonnenen Produkten ist schlichtweg zu groß.”, sagt González.

Die Nachfrage ist zu groß. Wir tun, beispielsweise in China, alles in unserer Macht Stehende, um diese Nachfrage einzudämmen. Schließlich ist der IFAW der Meinung, dass gesellschaftlicher Wandel über das Konsumverhalten erzielt werden kann – speziell wenn wir wissen, dass das bisherige Verhalten der Umwelt und ihrem Erbe schadet. 

Menschen züchten Tiere und töten Tiere, um sie zu essen oder zu anderen Zwecken. Das ist nichts Neues. Jedoch spielen Wildtiere eine zentrale Rolle im Ökosystem unseres Planeten. Der Verzehr von Wildtieren und die Verarbeitung dieser majestätischen Wesen zu Handelsprodukten führt häufig zur Ausbeutung – ganz egal, wie gut gemeint die Bemühungen sind, die Nutzung nachhaltig zu gestalten.

Azzedine Downes

Erfahren Sie, was der IFAW noch tut, um Wildtiere vor illegalem Handel zu schützen.

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Experten

Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Mitglied des IFAW-Elefantenteams
IFAW-Elefantenexpertin
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
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James Isiche, Regionaldirektor Ostafrika
Regionaldirektor Ostafrika
Jason Bell, Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südliches Afrika
Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südafrika
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
Regionaldirektor Südasien