Nach dem Sommer kommt für EU-Beamte „La Rentrée“

In den meisten französischsprachigen Ländern bezieht sich „La Rentrée“ auf den Schulbeginn für eifrige und weniger eifrige Schüler nach den Sommerferien.

Hier in Brüssel ist das ein wenig anders. Wenn hier jemand von „Rentrée“ spricht, dann meint er wahrscheinlich damit, dass Eurokraten, EU-Beamte und -Parlamentarier nach ihrer Sommerpause die Arbeit wieder aufnehmen.

Bei jeder neuen „Rentrée“ liegen nach einem eher trägen August neue Energie und Enthusiasmus in der Luft.

Die Restaurants und Cafés rund um die Büros des Internationalen Tierschutzfonds sind plötzlich wieder gefüllt mit Leuten, die sich angeregt über alle Arten von europäischen Angelegenheiten austauschen.

In den letzten paar Wochen drehten sich die Gespräche sehr häufig darum, wie überraschend beschäftigt Brüssel in diesem Sommer angesichts der finanziellen Lage einiger EU-Länder war und es wurde fleißig spekuliert und gemutmaßt.

Was die Belange des Tierschutzes angeht, war es ein eher ruhiger Sommer. Die EU brachte eine Beschwerde gegen Kanada vor die World Trade Organization (WTO) hinsichtlich der Politik einer kanadischen Provinz im Bereich Erneuerbare Energien.

Diese Nachricht erhält nur dann eine gewisse Brisanz, wenn man im gleichen Kontext die Beschwerde Kanadas hinsichtlich des Verbots der Robbenjagd betrachtet, die gegen die EU vor die WTO gebracht worden war, während zwischen beiden Parteien weiterhin Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen im Gange waren. Sowohl die EU als auch Kanada schwören darauf, dass die WTO-Streitigkeiten und die Verhandlungen zum Freihandel in keiner Weise einander beeinflussen; jedoch bin ich verleitet zu glauben, dass dieser Umstand die Gespräche zumindest ein wenig schwieriger gestaltet.

Das Europäische Parlament tagte vergangene Woche seit langer Zeit zum ersten Mal wieder in Brüssel und eine Plenarsitzung in Straßburg für nächste Woche ist angesetzt.

Aus Sicht des IFAW wird die interessanteste Diskussion am Donnerstag, den 15. September stattfinden, und zwar bei einem Treffen der parlamentarischen Arbeitsgruppe zum Thema Tier- und Artenschutz. Aus diesem Anlass werden meine Kollegen Satyen und James sich diese Woche mit dem Zug dorthin begeben.

In dem Treffen, bei dem simultan ins Englische, Französische, Deutsche und Polnische gedolmetscht wird, wird eine schriftliche Erklärung zur Kontrolle der Hundepopulation in der EU diskutiert. Beim letzten Treffen der Arbeitsgruppe im Juli präsentierte die Leiterin unseres Brüsseler Büros Lesley O’Donnell Filmmaterial, das der IFAW im Jahr 2011 über die kanadische Robbenjagd zusammengestellt hatte. Es war sehr wichtig, dieses aussagekräftige Filmmaterial genau den EU-Parlamentariern zu präsentieren, die dann bei der Ratifizierung des EU-Handelsverbots für Robbenprodukte später eine ausschlaggebende Rolle spielen würden.

„La Rentrée“ ist in vieler Hinsicht meine liebste Jahreszeit in Brüssel, weil Energie und Enthusiasmus in der Luft liegen. Wir werden nun versuchen, genau diese Energie zu bündeln und sie uns zugunsten der Tiere zu Nutze zu machen.

- AH

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Experten

Alexa Kessler, Projektleiterin für den Bereich Haustiere, IFAW Deutschland
Projektleiterin für den Bereich Haustiere, IFAW Deutschland
Cora Bailey
Director, Community Led Animal Welfare (CLAW)
Cynthia Milburn, Direktorin Tierschutzaufklärung und -bildung
Direktorin Tierschutzaufklärung und -bildung
Dr. Ian Robinson, Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
Gail A'Brunzo, Leiterin IFAW Wildtierschutz
Leiterin Wildtierschutz, IFAW
Hanna Lentz, Programm-Managerin/Campaignerin, IFAW Zentrale USA
Programm-Managerin/Campaignerin, IFAW Zentrale USA
Kate Nattrass Atema, Programmdirektorin Haustiere
Programmdirektorin Haustiere
Nancy Barr, Programmdirektorin Kinder- und Jugendprogramm “Animal Action“
Programmdirektorin Kinder- und Jugendprogramm “Animal Action“
Shannon Walajtys
Leiterin des Bereichs Katastrophenhilfe