Mexiko: Erfolgreiche Rettung einer Langschwanzkatze, die zuerst für einen Jaguar gehalten wurde

IFAW-Tierärztin Erika Flores bei der Notoperation der Langschwanzkatze.Es war Mitte Dezember, etwa 19.00 Uhr, ich war auf dem Weg zu einem Meeting, als Erika Flores mich anrief und mir mitteilte, dass jemand sie angerufen und behauptet hatte, ein „kleiner“ Jaguar sei von einem Auto angefahren worden und brauche medizinische Hilfe. Ich konnte nicht glauben, dass es wirklich ein Jaguar war, Erika konnte das genauso wenig, da es in dieser Region nicht mehr viele davon gibt. Jaguare sind sehr scheu und halten sich von Menschen eher fern. Doch trotz unserer Skepsis waren wir besorgt darüber, wie wir damit umgehen sollten, falls es doch ein Jaguar war!

Der Jaguar ist nach dem Tiger und dem Löwen die drittgrößte Katze und die größte in der westlichen Hemisphäre, also kann auch ein „kleiner“ Jaguar ziemlich groß sein. Ein Jaguar wiegt normalerweise zwischen 56 und 96 kg, und bei größeren männlichen Tieren können es auch schon mal 160 kg sein.

Wir fuhren zum „Castillo Canino“, der Tierklinik, in die das Tier von seinem Retter eingeliefert worden war. Als wir ankamen, sahen wir, dass es sich bei der Katze glücklicherweise nicht um einen Jaguar handelte, doch leider um eine andere vom Aussterben bedrohte Katze – eine Langschwanzkatze (Leopardus wiedii), hier in der Gegend als „tigrillo“ bekannt. Langschwanzkatzen werden normalerweise mit Ozelots verwechselt, von denen man sie aber anhand ihres längeren Schwanzes unterscheiden kann. Obwohl sie, was Größe und Gewicht angeht, Hauskatzen ähneln, sind Langschwanzkatzen extrem stark und agil und können sehr gefährlich sein, wenn sie sich bedroht fühlen. Wir mussten also sehr vorsichtig sein!

Da die Langschwanzkatze eine gefährdete Art ist, benachrichtigten wir vorschriftsmäßig die Behörden und das Tier wurde offiziell vorübergehend in die Obhut von Erika übergeben, da sie Tierärztin des Internationalen Tierschutz-Fonds (IFAW) ist. Erika willigte ein, die Katze vorübergehend zu betreuen, bis es ihr besser gehen würde.

Das Tier war wunderschön, aber stand noch unter Schock von dem Unfall mit dem Auto. Eins ihrer Augen war verrutscht und sie musste dringend behandelt werden. Die Langschwanzkatze wurde in Erikas Büro (in unserem Haus) untergebracht, damit sie tagsüber und nachts nach ihr sehen konnte.

Röntgenaufnahmen zeigten, dass die Langschwanzkatze auch einen Bruch an der Hüfte hatte, doch nach einer Beratung mit anderen erfahrenen Tierärzten einigte man sich darauf, dass der Bruch von selbst heilen könnte und die einzige zu erledigende Operation die Amputation des Auges sein würde.

Die Langschwanzkatze hat sich von der Augenoperation erholt und ist für eine Verlegung in die staatliche Einrichtung bereit. Die Operation verlief erfolgreich und die Langschwanzkatze blieb zur Genesung zwei Wochen im Haus. In diesen zwei Wochen blieb Erikas Büro stets verschlossen, um Interaktionen mit Menschen oder Haustieren zu vermeiden.

Lustigerweise können wir normalerweise gar keine Katzen aufnehmen – nicht einmal junge Kätzchen – weil eine unserer Katzen dann immer durchdreht. Doch mit der Langschwanzkatze benahm sie sich, als sei nichts geschehen. Sie ist eben schlau und weiß, dass man sich mit einer Langschwanzkatze nicht anlegen soll!

Sobald es ihr besser ging, befolgten wir die behördlichen Anweisungen und brachten die Langschwanzkatze in eine staatliche Einrichtung fünf Stunden von Playa del Carmen entfernt, wo sie ihre Genesung in einem Einzelgehege mit einheimischer Vegetation und weit weg von Menschen fortsetzen würde.

Diese Katzen sind so selten, dass man alles für ihre Rettung tun muss. Auch mit nur einem Auge hatte die von Erika behandelte Langschwanzkatze eine gute Chance darauf, erfolgreich ausgewildert zu werden, zu gedeihen und sich fortzupflanzen. Die zwei Wochen Pflege im Haus haben sich also bestimmt gelohnt.

Mittlerweile habe ich die erfreuliche Nachricht erhalten, dass die Langschwanzkatze nach über einem Monat Genesung in der staatlichen Einrichtung zurück in ihren natürlichen Lebensraum freigelassen wurde. Die Mühen haben sich also auf jeden Fall gelohnt!

--JT

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Kampagnenberater
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