Meilenstein für wilde Tiger: Alles begann auf einer Couch in Sankt Petersburg

Der Autor überreicht Anti-Wilderer-Kits an Karma Dupka (links) vom Land- und Forstwirtschaftsministerium Bhutans. Photo - Radhika BhagatWas bei einer informellen Unterhaltung in der Hotellobby beim Tiger-Gipfel im November 2010 im russischen Sankt Petersburg begann, fand heute in der Unterzeichnung eines Abkommens mit der Regierung Bhutans seinen formellen Abschluss. Das Abkommen unterstreicht einmal mehr, wie dringend wilde Tiger in Bhutan geschützt werden müssen und ist über den vertraglichen Inhalt hinaus ein großer symbolischer Meilenstein für die Tiger.

Letztes Jahr, als ich gerade in der Lobby unseres Hotels in Sankt Petersburg saß, fiel mir auf dem Sofa gegenüber eine Delegation auf. Ganz besonders ein Herr in der Gruppe zog meine Aufmerksamkeit auf sich.

Er brachte seine große Unzufriedenheit darüber zum Ausdruck, dass die internationale Spendergemeinschaft sich doch sehr zurückhaltend verhält, was das offizielle Ziel, die Anzahl der wild lebenden Tiger bis zum Jahr 2022 zu verdoppeln, angeht.

Eine Bemerkung von ihm machte mich besonders hellhörig.

Er sagte, „Wissen Sie, das Problem mit den Krediten der Weltbank für die Rettung der Tiger ist, dass Tiger nicht wissen, wie man Kredite zurückzahlt.“ Ich musste lachen und wollte mehr darüber erfahren, wer er war und was genau er in Bhutan machte.

Er erzählte mir, dass er keine wirklich wichtige Person sei, dass er eine kleine NGO leite, die sich für den Tierschutz in Bhutan einsetzt und dass er hin und wieder ganz gerne ein wenig provoziert.

Ich fand diesen Herrn äußerst erfrischend, war mir aber noch immer nicht so ganz im Klaren darüber, welche Position er in der Delegation einnahm und wer genau er eigentlich war. Er fuhr mit ein paar Anekdoten aus seinem Leben fort und erzählte von den Problemen, mit denen Bhutan zu kämpfen hat. Seine Begeisterung für den Tierschutz und insbesondere den Schutz von Tigern schien bei seinen Erzählungen immer wieder durch und wir verbrachten auch zwischen den Ministertreffen viel Zeit miteinander.

Das große Engagement der bhutanischen Delegation beim Gipfel beeindruckte mich und den Internationalen Tierschutzfonds sehr. So gab Bhutan beispielsweise erste Pläne für Anti-Wilderer-Trainings für Ranger in seinen Nationalparks bekannt.

Seit jenen Tagen besteht also ein reger Austausch zwischen dem IFAW und den Kollegen vom Wildlife Rescue Center in Timphu, der Hauptstadt Bhutans. Es wurden bereits gemeinsam Schulungen zur Vorbeugung gegen Wilderei veranstaltet und in zehn Schulen in Bhutan wurde das IFAW-Animal Action-Programm für Schulkinder durchgeführt.

Wir haben eben kein formelles Abkommen abgewartet, sondern wir haben direkt Hilfe vor Ort auf die Beine gestellt.

Eine Tigerzählung wird derzeit durchgeführt und erste Ergebnisse lassen darauf hoffen, dass Tiger in Bhutan eine Überlebenschance haben. Und das ist schließlich das Ziel.

Der Grund für diesen zweiten Besuch in Bhutan war dann die Unterzeichnung des Stücks Papier, mit dem unsere Zusammenarbeit und unsere Mission, wilde Tiger zu schützen, nun ganz offiziell besiegelt werden.

Wie in den meisten Ländern war die Verabschiedung des Dokuments mit viel Bürokratie verbunden und es wurde durch eine ganze Reihe von Ebenen bis hinauf zum Büro des Premierministers hindurchgereicht, bevor es zur Unterzeichnung kam.

Auf jeder Ebene konnten die bhutanischen Beamten jedoch darauf verweisen, dass der IFAW ja längst vor Ort bei der Arbeit ist. Und dass wir längst bei der Arbeit sind, verdanken wir letztendlich den Gesprächen und Absprachen auf jener Couch in Sankt Petersburg.

Ach ja, und der Herr, der ganz gerne ein wenig provoziert, war bei Unterzeichnung ebenfalls anwesend; und zwar in der Kleidung eines Ministers, mit roter Schärpe und Zeremonienschwert.

Es handelt sich bei ihm nämlich um keinen anderen als um Dasho Paljor Jigme Dorji von der Royal Society for Protection of Nature in Bhutan, ehemaliger UN-Botschafter, ehemaliger Präsident des Obersten Gerichtshofes und … Cousin des Königs.

Ach ja, und er möchte übrigens Benji genannt werden.

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Experten

Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
Regionaldirektorin Russland und GUS
Gail A'Brunzo, Leiterin IFAW Wildtierschutz
Leiterin Wildtierschutz, IFAW
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
Regionaldirektorin Asien
Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
Regionaldirektor Südasien