Koalas in Eukalyptusplantagen – tragisches Schicksal in Australien

Dieser Koala wurde während der Holzernte zwischen den Baumresten gefunden - verängstigt und ohne Mutter. Er kann nirgendwo mehr hin und findet kaum noch Nahrung.

2013 haben wir zum ersten Mal von der schockierenden Notlage der Koalas berichtet, die während der Holzernte in den Eukalyptusplantagen im Südwesten Victorias und im Süden Australiens verletzt und getötet werden.

Seitdem hat sich der IFAW für strengere Gesetze eingesetzt, um die Koalas vor den Bedrohungen durch die Holzernte zu schützen. Anfang dieses Jahres stellte die Regierung von Victoria endlich eine seit langem erwartete Regelung zum besseren Schutz der Koalas vor. Auch wenn dies Verbesserungen bringt wie beispielsweise den Einsatz von Koalasuchern auf jeder Plantage, gibt es noch viel zu tun.

Wie konnten die vergangenen Regierungen zulassen, dass eines der berühmtesten Wahrzeichen Australiens von der Holzindustrie bedroht wird?

Niemand hatte damit gerechnet, dass die Koalas sich auf den 160.000 Hektar großen Eukalyptusplantagen niederlassen würden, die in den späten 1990er Jahren angelegt wurden. Doch zur Überraschung aller, begannen die Koalas dorthin abzuwandern – hauptsächlich, weil sie aus ihrem ursprünglichen Lebensraum vertrieben wurden. Vorteil der Eukalyptusplantagen war, dass sie ihnen zuverlässig Nahrung boten und einen sicheren Schlafplatz für ihre größer werdenden Kolonien. Und eine Zeitlang lebten die Koalas gut in ihrem neuen Zuhause auf den Plantagen.

Heute beläuft sich die Population auf bis zu 8 Koalas pro Hektar, denn das Leben auf einer Plantage bietet nur für kurze Zeit Zuflucht, wenn die Bäume letztendlich abgeholzt werden. Die Koalas bleiben dann ohne Lebensraum und Nahrungsquelle zurück.

Heute suchen vertriebene Koalas in der umliegenden Gegend nach Nahrung, was die wenige Vegetation am Straßenrand, auf privaten Grundstücken und ursprünglichen Landstrichen sowie in Parks und Reservaten massiv belastet. Es wurde beobachtet, dass einige Tiere so sehr hungern, dass sie die Stümpfe, die nach der Holzernte zurückgeblieben sind, abknabbern – etwas, was sie von Natur aus niemals tun würden.

Was können wir tun?

Zwischen 2013 und 2015 wurden während mehrerer Treffen der betroffenen Interessengruppen freiwillige Leitlinien für die Industrie verabschiedet. Doch es sind nur Richtlinien. Unternehmen können selbst entscheiden, ob sie diese umsetzen oder nicht. Außerdem rief die Regierung die Unternehmen auf, während der Holzernte verletzte und getötete Koalas zu melden – auch dies ohne gesetzliche Verpflichtung. Daher kamen nicht alle Unternehmen der Aufforderung nach.

Ein Gesetzesantrag, der dafür sorgen sollte, verletzte und getötete Koalas zu registrieren, wurde vergangenes Jahr abgelehnt. Allerdings bestätigte das Umweltministerium später in einem Brief, dass einige Unternehmen Zwischenfälle gemeldet hätten und es 157 verletzte oder getötete Koalas bis Oktober 2015 gegeben habe. Diese Zahl sei deutlich höher, als das Ministerium vermutet habe. Doch unsere Vermutung ist, dass diese Zahl nur die Spitze des Eisbergs ist.

Einige Holzfirmen gingen sogar einen Schritt weiter und stellten eigene Koalasucher ein. Aber wenn nicht die gesamte Branche mitzieht, kann es keine wirklichen Verbesserungen geben.

In diesem Jahr nun hat die Regierung endlich Maßnahmen ergriffen und Verordnungen eingeführt, um die Koalas vor der Holzernte zu schützen. Firmen müssen jetzt eine Genehmigung vorweisen, um „Wildtiere stören zu dürfen“. Dafür müssen sie Pläne zum Schutz der Koalas entwickeln und Koalasucher vor Ort einsetzen. Während der IFAW diese gut gemeinten Verordnungen begrüßt und hofft, dass sie Verbesserungen bringen werden, greifen sie bei einigen kritischen Punkten dennoch zu kurz.

Ein entscheidendes Manko ist, dass die Unternehmen nicht in die Pflicht genommen werden, den Koalas einen neuen dauerhaften Lebensraum zu bieten, nachdem die Plantagen abgeholzt sind. Das ist unverantwortlich. Wo sollen die Koalas hin, wo sollen sie leben?

Auch wenn die tragische Situation nicht von der Holzindustrie verschuldet wurde, müssen die Unternehmen hier Verantwortung übernehmen. Wenn sie schon keine gesetzliche Verpflichtung haben, einen Teil des Schadens auszugleichen, den sie – wenn auch unbeabsichtigt – verursachen, so tragen sie dennoch eine moralische Verantwortung. Unternehmen müssen einen Teil ihrer Gewinne bereitstellen, um den Lebensraum der Koalas dauerhaft zu schützen und Wildtierkorridore zu errichten, so dass die vertriebenen Tiere einen Ort haben, an dem sie dauerhaft leben können.

Dies ist nicht nur ein Tierschutzproblem, das dringend gelöst werden muss, sondern es geht hier auch um den Erhalt von Lebensräumen. Abholzung wird von mehr Unternehmen als je zuvor betrieben. Und wenn nicht jetzt Maßnahmen ergriffen werden, wird die Situation noch schlimmer.

Ehrenamtliche Tierärzte und Pfleger kämpfen vor Ort, um den täglichen Zustrom an verletzten Koalas zu bewältigen. Die Behandlung und Rehabilitation der Koalas ist sehr langwierig und teuer. Und die Helfer müssen weite Strecken zurücklegen, um Eukalyptusblätter als Futtermittel zu sammeln. Die Anzahl der Tiere, die behandelt werden müssen, ist kaum mehr zu bewältigen. Und wenn Tiere wieder gesund sind, gibt es nur sehr wenig sicheren Lebensraum, in den sie zurückkehren können. Eine Tierpflegerin brach in Tränen aus, als sie mir erzählte, wie ein Koala ein tiefes Stöhnen ausstieß und damit seine Angst ausdrückte. Denn er kannte die Gegend, doch sein Zuhause war verschwunden.

Während sich die Koala-Population in New South Wales und Queensland drastisch verringert hat, ist die Zahl der Koalas in Victoria, die einzige, die zunimmt. Doch nicht mehr lange. Wenn keine Lösungen gefunden werden, gibt es für die Koalas in Victoria keine Zukunft.

Bitte helfen Sie uns, die Koalas zu schützen. Fordern Sie Umweltministerin Lily D’Ambrosio auf, einen dauerhaften Lebensraum für die Koalas zu schaffen.

Josey Sharrad

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Experten

Azzedine Downes, Präsident und CEO
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Beth Allgood, IFAW Länderdirektorin USA
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Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
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Cynthia Milburn, Senior-Beraterin Strategieentwicklung
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Dr. Joseph Okori, Regionaldirektor Südliches Afrika und Programmdirektor Natursc
Regionaldirektor Südliches Afrika und Programmdirektor Naturschutz
Faye Cuevas, Esq., Vizepräsidentin
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Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
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Kelvin Alie, IFAW Vizepräsident Natur- und Tierschutz
Vizepräsident
Patrick Ramage, Programmdirektor Meeresschutz
Programmdirektor Meeresschutz
Rikkert Reijnen, Programmdirektor Wildtierkriminalität
Programmdirektor Wildtierkriminalität