Kenia muss Elfenbeinschmuggler in Schranken weisen

Von Interpol im Rahmen der Operation WORTHY beschlagnahmtes Elfenbein.Erst drei Monate sind seit dem letzten Elfenbeinaufgriff vergangen und schon müssen wir aus Asien einen neuen Vorfall melden.

Letztes Wochenende stellten Zollfahnder in Hongkong 3,81 Tonnen Elfenbein sicher – getarnt durch Bohnen und Plastikschrott aus Kenia und Tansania. In der Ladung befanden sich unbearbeitete Stoßzähne und Elfenbeinstücke. Es war die größte Menge Elfenbein, die je in China beschlagnahmt wurde und die größte Beschlagnahmung weltweit in den letzten zwei Jahren.  

Die letzte Sicherstellung in Asien von Elfenbein aus Kenia hatte im Juli stattgefunden. Damals wurden in Thailand und Vietnam ca. 600 kg Elfenbein festgesetzt. 

Auf den Fotoaufnahmen von der Beschlagnahmung in Hongkong ist zu erkennen, dass die Stoßzähne in Erde begraben waren – wahrscheinlich zur Lagerung vor dem Versand. Die Ladung wurde, vermutlich zur besseren Tarnung, in zwei getrennten Lieferungen verschickt – Modus Operandi bei professionellen Schmugglerbanden.

Angesichts der häufigen Aufgriffe der letzten Zeit fürchte ich, dass es in spätestens einem Monat wieder eine Beschlagnahmung von Elfenbein aus Kenia oder Tansania geben wird. Die meisten großen Elfenbeinladungen der letzten zwei Jahre stammten aus einem der beiden Länder oder hatten sie zumindest passiert.

In den 90ern und den frühen Nullerjahren hatte Kenia bei der Abschreckung von Wilderen noch vorbildlich gehandelt und die festgenommenen Straftäter dementsprechend hart zur Rechenschaft gezogen. Die zuständigen Behörden hatten auch die meisten Schlupflöcher an den Ausfuhrorten dichtgemacht. Schmugglerbanden machten in der Regel einen Bogen um Kenia und wählten ungefährlichere Handelsrouten.

In den letzten fünf Jahren hat sich die Lage allerdings zum Schlechten gewendet. Die Wilderei hat im ganzen Land stark zugenommen. Das belegt die besorgniserregend hohe Anzahl an Elfenbeinbeschlagnahmungen der letzten zwei Jahre.

Wenn man die zahlreichen Beschlagnahmungen der letzten Zeit hochrechnet, dann herrschen heute vermutlich wieder ähnliche Zustände wie zuletzt in den 70er- und 80er-Jahren. Es war damals die Hochzeit der Wilderei und gegen Wilderer im Tsavo-Nationalpark musste hart durchgegriffen werden. Es dauerte drei ganze Jahre, bis die Situation unter Kontrolle war. Dazu trug auch das weltweite Handelsverbot für Elfenbein bei. Weil ich selbst im Tsavo-Nationalpark als Wildhüter gearbeitet habe, weiß ich genau, welche Anstrengungen und Opfer nötig waren, um die Wilderei endlich in den Griff zu bekommen.

Diese Zeit hat Unmengen an Geldern verschlungen und die Nachwirkungen bekommen wir heute noch zu spüren. Heute sind viele erwachsene Elefanten im Tsavo-Nationalpark aggressiv, denn sie haben nicht vergessen, was ihren Familien von den Menschen angetan wurde. Im gesamten Land ist die Elefantenpopulation um 95% und die Nashornpopulation um 99% geschrumpft, einige Ranger und Wildhüter haben den Konflikt mit ihrem Leben bezahlt.

Und genau deshalb müssen alle kenianischen Behörden und die Behörden aller anderen Elefantenverbreitungsstaaten die Elefanten dringend vor Wilderern schützen, Handelsrouten kappen und Schmugglerbanden effektiv abschrecken.

Die kenianische Regierung ist ihren Bürgern und dem Rest der Welt eine Erklärung für das in Asien beschlagnahmte Elfenbein schuldig, das Kenia ganz offensichtlich entweder durchquert hat oder sogar von dort stammt. Auch die Naturschutzbehörde Kenya Wildlife Service hat in den letzten paar Jahren große Mengen an geschmuggeltem Elfenbein beschlagnahmt und zahlreiche Verdächtige dingfest gemacht. Die Kenianer haben ein Recht darauf, zu erfahren, was mit den Verbrechern geschehen ist bzw. noch geschehen wird.

Es muss ebenfalls geklärt werden, ob die derzeitigen Vorfälle von Wilderei mit diesen kriminellen Banden in Verbindung stehen, wer ihre Kontaktpersonen vor Ort sind und welche Maßnahmen ergriffen wurden, um der derzeitigen Entwicklung Einhalt zu gebieten. Wenn unsere See- und Flughäfen schon sichere Kanäle für illegales Elfenbein sind, dann kann womöglich mit ganz anderer Schmugglerware auch unsere eigene Sicherheit gefährdet werden.

Das gefragteste Ziel für illegales Elfenbein ist momentan zweifelsohne der asiatische Raum, insbesondere China, wo Wohlhabende es als Luxusartikel schätzen und bisweilen sogar als kostbarer erachten als Gold. Dennoch ist Letzteres ein neuer Trend, während Ersteres (Elfenbeinmärkte in Asien) eine lange Tradition hat. Wir haben ein Recht darauf, dass die Behörden hierzulande den Wilderern und Schmugglern das Handwerk legen und nicht nur mit dem Finger nach Asien zeigen. Wir alle müssen unseren Beitrag dazu leisten, dass die Tierwelt auch für künftige Generationen erhalten bleibt.

Wenn Sie genau so besorgt sind wie ich, dann können Sie sich in einem Kommentar gegen das grausame Geschäft der Wilderei und des Elfenbeinhandels aussprechen.

- JI

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Experten

Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Mitglied des IFAW-Elefantenteams
IFAW-Elefantenexpertin
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
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James Isiche, Regionaldirektor Ostafrika
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Jason Bell, Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südliches Afrika
Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südafrika
Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
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Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
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