Kastrationsklinik für Haustiere stärkt Zusammenhalt der Tierbesitzer auf Cozumel

Ein junger Ehrenamtlicher in der Kastrationsklinik in Cozumel. Der Internationale Tierschutz-Fonds arbeitet sehr eng mit Gemeinden zusammen, um für Probleme mit Hunden und Katzen speziell auf die Gemeinde abgestimmte Lösungen zu entwickeln. Insbesondere dann, wenn dort die landläufige Meinung herrscht, es gebe einfach zu viele Tiere. 

Im Rahmen unseres Projekts auf der mexikanischen Insel Cozumel haben wir unter den Einwohnern eine Umfrage zum Thema Tierhaltung durchgeführt. Daraus ging hervor, dass die meisten Einwohner es als großes Problem sehen, wenn ihre Hunde und Katzen ungewollt werfen und sie dann nicht wissen, wohin mit den jungen Tieren.

Daraufhin stockte der örtliche Tierschutzverband Humane Society of Cozumel (HSC) mit Unterstützung des IFAW die Anzahl der Kastrationen noch einmal auf und bietet weiterhin allen Bewohnern einen Kastrationsservice auf Spendenbasis an – jeder zahlt, soviel er kann.

Manche Tierbesitzer können spenden, aber ein Großteil kann es sich eben einfach nicht leisten.

Die Menschen, die den kostenlosen Kastrationsservice in Anspruch nehmen, können aber immerhin anderen davon erzählen und dadurch die Lage der Tiere verbessern. So geschehen im Fall eines gewissen Don Alberto, der seine geräumige Garage für eine Kastrationsklinik zur Verfügung stellte. Oder im Fall von Angelica, die die Koordination der OP-Termine übernahm und die Leute mit dem für eine OP notwendigen Vorwissen versorgte – etwa, dass das Tier mit nüchternem Magen zur Klinik kommen muss oder wie man es sicher dorthin transportieren kann.

Die Katze auf dem Foto wurde beispielsweise in einer Einkaufstasche hergebracht, wodurch sie von den vielen anderen Tieren und Menschen um sie herum abgeschirmt ist, nicht so einfach abhauen kann und gleichzeitig vor Hitze geschützt ist.

Die Aufklärung der Menschen ist ohnehin ein Vollzeitjob.

Tierbesitzer sollen etwa ihre Hunde auf dem Grundstück halten, doch dabei ist es wichtig, ihnen zu sagen, dass sie besser einen Teil ihres Grundstücks einzäunen als ihren Hund anzuleinen. Und falls es gar nicht anders geht, muss man ihnen zeigen, wie man einen Hund richtig anleint.

Eine Katze in der Einkaufstasche.

Seit einigen Monaten ist die HSC bereits in Las Fincas unterwegs, eine der ärmsten Ecken von Cozumel. Mario (Ausbilder und Gemeinde-Koordinator der HSC) und Andrea (eine kanadische Auswandererin, die ehrenamtlich für die HSC arbeitet) sind ein klasse Team und gehen seit einiger Zeit nach Las Fincas, um die Menschen über das Prinzip der tiergerechten Haltung aufzuklären. 

Als Reaktion darauf haben die Einwohner angefangen, nach Kastrationen für ihre Hunde und Katzen zu fragen. 

Oft schon wurden Transporte von Las Fincas organisiert, um Tiere in die Klinik zu bringen und sie nach der OP wieder bei ihren Familien abzuliefern. Auch die Nachversorgung nach der OP wurde sorgfältig durchgeführt. Dabei wurde überprüft, dass OP-Wunden gut verheilen, dass sich nichts entzündet und die Tiere nicht zu sehr an der Wunde lecken. Die Nachfrage nach Kastrationen in Las Fincas überstieg allerdings irgendwann die Kapazitäten des Trucks, der die Tiere zur Klinik fuhr, und es musste eine Kastrationsklinik vor Ort auf die Beine gestellt werden.

Ich freue mich sehr, hier von dem enormen Erfolg der Aktion berichten zu können!

Es war das erste Mal, dass die Tierarztvereinigung von Cozumel sich an einer derartigen Aktion beteiligte und Dr. Julio, Dr. Lilia und Dr. Omar, die Ärzte und Mitarbeiter der HSC und zahlreiche Ehrenamtliche packten alle mit vereinten Kräften an. Ohne den entschlossenen Einsatz aller Beteiligten hätten niemals 85 Tiere kastriert werden können (70 Hunde und 15 Katzen).

Jedes Tier kam mit Halsband und Chip nach Hause. Die Besitzer wurden gebeten, bei ihren Hunden und Katzen zu bleiben, während diese sich von der OP erholten. Tiere wachen viel schneller auf, wenn man sie streichelt und mit ihnen spricht, außerdem ist dies eine gute Gelegenheit, ihnen die Krallen zu stutzen, die Ohren zu putzen oder Zecken zu entfernen. 

Besitzer beruhigen ihre Hunde.Dass die Tierbesitzer diesen Part übernehmen, ist sehr wichtig, da sie so selbst zur Lösung des Problems beitragen können und mehr Verantwortung für ihre Tiere übernehmen.

Die Klinikmitarbeiter können in der Zeit außerdem dann schon wieder andere wichtige Dinge erledigen und müssen nicht darauf achten, dass alle Tiere ordnungsgemäß aufwachen. Und die Tierbesitzer haben immer eine Person vom Fach in Reichweite, an die sie sich wenden können, wenn ihnen etwas Verdächtiges auffällt.

Es bietet sich außerdem die Gelegenheit, Fragen über Verhalten, Fütterung und einfach ganz alltägliche im Umgang mit den Tieren zu stellen.

Die Besitzer kommen über ihre Tiere ins Gespräch und bauen Beziehungen untereinander auf.

Die Einbeziehung der Tierbesitzer in die Abläufe einer Kastrationsklinik festigt nicht nur ihre Beziehung zu den Tieren, sondern regt auch engeren Kontakt zwischen Nachbarn an und stärkt so den Zusammenhalt der gesamten Gemeinde. 

--EF

Post a comment

Experten

Alexa Kessler, Projektleiterin für den Bereich Haustiere, IFAW Deutschland
Projektleiterin für den Bereich Haustiere, IFAW Deutschland
Cora Bailey
Director, Community Led Animal Welfare (CLAW)
Cynthia Milburn, Direktorin Tierschutzaufklärung und -bildung
Direktorin Tierschutzaufklärung und -bildung
Dr. Ian Robinson, Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
Gail A'Brunzo, Leiterin IFAW Wildtierschutz
Leiterin Wildtierschutz, IFAW
Hanna Lentz, Programm-Managerin/Campaignerin, IFAW Zentrale USA
Programm-Managerin/Campaignerin, IFAW Zentrale USA
Kate Nattrass Atema, Programmdirektorin Haustiere
Programmdirektorin Haustiere
Nancy Barr, Programmdirektorin Kinder- und Jugendprogramm “Animal Action“
Programmdirektorin Kinder- und Jugendprogramm “Animal Action“
Shannon Walajtys
Leiterin des Bereichs Katastrophenhilfe