Kanada und Norwegen gehen gegen EU-Handelsverbot für Robbenprodukte vor

Kanada und Norwegen verteidigen die Robbenjagd
Mittwoch, September 26, 2012

 

Kanada und Norwegen betreiben ihre Anfechtung des EU-Handelsverbots für Robbenprodukte weiter. Sie haben nun formell bei der WTO (Welthandelsorganisation) die Berufung von Spezialisten beantragt, die das EU-Gesetz auf seine Rechtmäßigkeit überprüfen sollen. Der IFAW (Internationaler Tierschutz-Fonds) bedauert, dass die Regierungen beider Länder die eindeutige Haltung der EU-Bürger zur Robbenjagd zu ignorieren bereit sind.

„Kanada und Norwegen müssen das Recht der Europäer respektieren, Nein zu sagen zu einer blutigen, grausamen und unnötigen Industrie“, so Dr. Ralf Sonntag, Meeresbiologe des IFAW-Deutschland. „Diese Anfechtung wird Millionen an Steuergeldern verschlingen und könnte ein Handelsabkommen gefährden, dass den Kanadiern und Europäern Milliarden einbringen würde.“

Die EU hat in der Vergangenheit bereits klar gemacht, dass sie im Falle einer WTO-Anfechtung die Werte der Europäer „entschieden verteidigen“ wird. Das EU-Handelsverbot wurde so entworfen, dass es mit allen internationalen Verpflichtungen der EU vereinbar ist.

„Wir haben diesen nächsten Schritt schon erwartet“, so Sonntag weiter. „Die EU-Kommission ist überzeugt, dass das Gesetz den Richtlinien der WTO entspricht und sieht es als ihren Auftrag, die Moralvorstellungen der Europäer zu verteidigen. Der IFAW hat die kommerzielle kanadische Robbenjagd auch seit Inkrafttreten des Handelsverbots beobachtet und weiterhin inakzeptable Beispiele von Grausamkeit und inhumaner Tötung dokumentiert.“

Auch in Norwegen ist vor einigen Jahren ein kompromittierendes Video der dort stattfindenden Robbenjagd aufgetaucht. Aufgenommen hat es ein Inspekteur der norwegischen Regierung. Nachdem er die Verstöße gegen Tierschutzrichtlinien gemeldet hatte, wurde er persönlich bedroht.

„Die Aussagen der Regierungen Kanadas und Norwegens, dass ihre Robbenjagd „human“ ist, wären lächerlich, wenn die Wahrheit nicht so schrecklich wäre“, resümiert Sonntag.

Das EU-Handelsverbot für Robbenprodukte wurde am 20. November 2009 verabschiedet und trat am 20. August 2010 in Kraft. Es richtet sich gegen kommerzielle Robbenjagden. Die größten finden in Kanada, Norwegen und Namibia statt. Das Gesetz beinhaltet eine Ausnahmeregelung für Inuit und für die Jagd zum Eigenbedarf. Kanada und Norwegen hatten schon vor Inkrafttreten des Gesetzes angekündigt, dass sie es vor der WTO anfechten würden. Die formalen Konsultationen bei der WTO begannen im November 2009.

Ein Video mit Szenen von Grausamkeit bei der kanadischen Robbenjagd 2011 finden Sie hier: http://www.youtube.com/watch?v=Kj4c1eBblQ0

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