Jeder Elefanten-Nachwuchs in Amboseli leistet einen wertvollen Beitrag zur Forschung

1.	Während Eloise beim Wühlen nach saftigen Wurzeln Staub aufwirbelt, passt ihre Tochter Enugu auf ihre neugeborene Tochter auf. Eidan steht daneben.Eloise hat eine kleine Tochter zur Welt gebracht. Die Geburt an sich war keine Überraschung, schließlich hat sie die letzten Monate ihren kleinsten Sohn, unter dessen empörtem (und lautstarkem) Protest, entwöhnt. Dass ihm das neue Familienmitglied so gar nicht in den Kram passt, ist auch jetzt nicht zu übersehen: Während seine ältere Schwester Enugu an der Seite ihrer Mutter klebt und sich rührend um ihre kleine Schwester kümmert, hängt Eidan weit hinterher. Es sieht fast aus, als würde er absichtlich trödeln.

Es ist nichts Ungewöhnliches, dass männliche Kälber jüngere Geschwister nicht gerade willkommen heißen. Eine Schwester ist automatisch vom Stress der Entwöhnung abgelenkt, weil sie direkt mit Begeisterung in die Kinderbetreuung einbeziehen lässt. Der Bruder interessiert sich in der Regel nicht für Babys.

Für den armen Eidan war der Einschnitt besonders hart, da er in seinem Teil der EA-Familie nicht einmal Spielgefährten hat, die ihn auf andere Gedanken bringen könnten. Seine Großcousine Éclair geht gerade voll in ihrer Tantenrolle auf und verhätschelt Elins einjährige Tochter.

Dieser Neuzugang ist das neunte Kalb, das Eloise zur Welt gebracht hat. Es ist fast ein Wunder, dass alle neun - vom erstgeborenen Sohn Eugene bis hin zur letztgeborenen Tochter - überlebt haben und wohlauf sind. Noch bemerkenswerter ist es, dass Eloise erst bei Kalb Nummer sieben im Jahr 2004 ihre erste Tochter bekam. 

2.	Irgendwann wird Eidan vielleicht aussehen wie sein großer Bruder.

Obwohl Eloise so viele Söhne hat, waren immer genug Babysitter da, denn Eloise war eine von vier Schwestern. Von denen ist sie zwar die einzige, die noch lebt, aber zu ihren beiden Nichten Edney und Elin pflegt sie eine sehr enge Beziehung. Beide haben eigene Töchter, was bedeutet, dass Enugu und das jüngste Kalb ihre Kinder wahrscheinlich in diesem engen Familienverband großziehen.

Der andere Teil der EA-Familie ist groß und besteht aus Estellas vier Töchtern und deren Anhang. Sie pflegen eine freundschaftliche und liebevolle Beziehung zu Eloise und ihrer Familie, in schwierigeren Zeiten teilt sich die Gruppe jedoch normalerweise in die Familien der beiden Matriarchinnen auf.

Eloises Erfolg ist in der Amboseli-Population fast beispiellos. Einige Elefantenkühe haben Probleme damit, überhaupt trächtig zu werden und bekommen immer dann besonders kleine und schwache Kälber, wenn die Dürre gerade einsetzt. Eloise hatte als junge Mutter eben Glück, und von der riesigen Erfahrung, die sie jetzt hat, profitieren Edney, Elin und ihre Töchter.

Als Eugene 1978 zur Welt kam, war Eloise 14 und damit einen Tick über dem Durchschnittsalter für eine Erstgeburt in Amboseli (12,8 Jahre). Doch als sie einmal angefangen hatte, gab es für sie kein Halten mehr, und in den letzten 34 Jahren hat sie durchschnittlich alle 4,26 Jahre ein neues Kalb zur Welt gebracht.

Allein der Gedanke daran ist furchtbar anstrengend.

3.	Eloises ältester Sohne Eugene ist mittlerweile ein stattlicher unabhängig lebender Bulle. (Fotos: Patrick Chiyo/ATE.)Ich verbringe unheimlich gern Zeit mit den Amboseli-Elefanten und weil ich irgendwo ein Nerd bin, stöbere ich auch schon mal gern in unserem Datensatz. Manchmal trifft beides aufeinander: Als ich Eloise neues Kalb in mein Familienbuch eintrug (meine "Bibel" zur Rückverfolgung aller Geburten und Todesfälle) wurde mir schlagartig bewusst, dass diese Kälber im doppelten Sinne kostbar sind.

Wir schätzen sie für das, was sie sind, für all die friedlichen Momente, die wir mit ihnen verleben, für die drolligen Szenen, mit denen sie uns zum Lachen bringen und für die Zukunft, für die sie stehen.

Wir schätzen sie aber auch für die Fakten und Erkenntnisse, die sie uns liefern. Jede Geburt ist ein geduldig erwarteter neuer Bestandteil des Datensatzes, in den in den letzten 40 Jahren schon 2906 Tiere eingegangen sind.

In Zeiten, in denen Elefantenpopulationen in ganz Afrika in Gefahr sind, ist dieser Datensatz unschätzbar wertvoll geworden, weil wir mit seiner Hilfe erfahren, wo wir Elefanten retten können und wo nicht.

Nichts geht bei Elefanten schnell, und wir warten jetzt schon wieder ganz geduldig auf das nächste Kapitel ihrer Geschichte. Und währenddessen kämpfen wir dafür, dass ihr Leben in Freiheit weitergehen kann.

--VF

Mehr Informationen über unseren Einsatz für den Schutz der Elefanten finden Sie hier.

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Experten

Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Mitglied des IFAW-Elefantenteams
IFAW-Elefantenexpertin
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
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James Isiche, Regionaldirektor Ostafrika
Regionaldirektor Ostafrika
Jason Bell, Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südliches Afrika
Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südafrika
Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
Regionaldirektor Südasien