Japan signalisiert Rückkehr zum Walfang im Südlichen Ozean

Als Walfreunde auf der anderen Seite der Weltkugel noch schliefen, wurde das Land der aufgehenden Sonne von traurigen Neuigkeiten heimgesucht. Japanische Medien berichten, dass das japanische Fischereiministerium in diesem Jahr erneut seine Walfangflotte in die Gewässer des Südlichen Ozeans um die Antarktis aussendet, um im Namen der „Wissenschaft“ Hunderte Wale abzuschlachten.

Falls das tatsächlich zutrifft, bedeutet das, dass Japan sein scheinheiliges „wissenschaftliches“ Walfangprogramm für mindestens eine weitere Saison fortsetzt und die Hoffnungen vieler Walschutz-Befürworter in aller Welt von Neuem enttäuscht werden. Als die Flotte im vergangenen Februar zurückgerufen wurde, dachten viele, dass die japanische Politik endlich zur Besinnung kommen würde.

Die Nachricht ist enttäuschend, allerdings wenig überraschend. Hart gesottene Bürokraten im japanischen Fischerei- und Landwirtschaftsministerium, die sehr darauf bedacht sind, ihre Pfründe und Geldtöpfe zu verteidigen, würden sich eher prügeln als fortschrittlichere Wege einzuschlagen. Sie behalten ihre sture Einstellung selbst jetzt noch bei, nachdem das Land durch das Erdbeben, den Tsunami und die Atomkatastrophe im Jahr 2011 schon etliche moralische, politische und wirtschaftliche Schläge zu erleiden hatte. Weitere hohe Beamte hatten ihren Kollegen in anderen Ländern schon früher zu verstehen gegeben, dass in diesem Jahr ein unmittelbarer Ausstieg infolge der letztjährigen Auseinandersetzung mit der Sea Sheperd Conservation Society auf dem offenen Meer nicht vorgesehen war.

Das ist entmutigend - und ein grausames und sinnloses Todesurteil für Hunderte „geschützter“ Wale ist auf jeden Fall ein Grund zur Betroffenheit, sogar zur Verzweiflung. Ich wette allerdings nach wie vor darauf, dass dies der letzte Atemzug des japanischen Walfangs in der Antarktis sein wird. Die Industrie bricht langsam aber sicher zusammen. Die Kosten für die japanischen Steuerzahler (einschließlich einer diesjährigen Erhöhung um 27 Mio. US-Dollar für Sicherheitszwecke, um die Walfangschiffe vor diesen aufdringlichen Piraten zu schützen) sind nicht länger tragbar.

Bei diesem kurzsichtigen Vorstoß geht es eher um Stolz als um Profit, es geht eher um politische Machtkämpfe im Fischereiministerium als um die staatliche Förderung eines Industriezweigs aus dem 19. Jahrhundert. Die vernünftigen Menschen in Japan, und insbesondere die unter 70 Jahren, verlangen nicht mehr nach Walfleisch. Mittlerweile werden in Küstenregionen mit dem walschonenden Whalewatching, für das sich immer mehr Unterstützer und Betreiber finden und zu dessen stolzen Förderern auch der IFAW zählt, beträchtliche Umsätze erzielt. Darin liegt die Zukunft und es ist in jedem Fall eine bessere Zukunft, sowohl für Menschen als auch für Tiere.

Dass Japan sich aus dem Südlichen Ozean zurückzieht, scheint sicher. Der Strick um den Walfang zieht sich langsam zu, da der Druck von wirtschaftlicher, diplomatischer, rechtlicher und umweltpolitischer Seite immer weiter steigt. Die internationale Gemeinschaft muss dennoch weiterhin Zeichen setzen. Die heutige Schlagzeile ruft uns in Erinnerung, dass letztendlich Tokio darüber entscheidet, wann und wie die Walfangschiffe sich langfristig zurückziehen und nicht Canberra, Wellington oder Washington. Zurückziehen werden sie sich. Darauf können Sie wetten.

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Kommentare: 3

 
Gast
2 Jahre ago

Japan hat nach dem schlimmen Tsunami und den damit verbundenen Verherenden Folgen in den Kernkraftwerken große Solidarität von der ganzen Welt erfahren.
Die Menschen haben Geld gesammelt und Wissenschaftler geschickt!
( War es nicht schon ein Irrsinn Atomkraftwerke in eine solch instabile Erdbebenregion zu bauen?!?)
Nun wäre es aber auch mal an der Zeit, dass die Japaner darüber nachdenken, warum gerade diese Tradition in der Welt so wenig Verständnis oder Anklang findet.
Das ist eine Tradition, auf die schon aus Höflichkeit und Rücksicht auf die Weltbevölkerung, leicht verzichtet werden könnte. Niemand muss mehr Walfleisch essen!

 
Gast
2 Jahre ago

es wäre schön wenn Japan endlich das graußame abschlachten der Tiere aufhört und auch das graußame töten von Delfinen.

 
Gast
2 Jahre ago

Hallo!

Das hoffe ich so.
Was soll dieses sinnlose Gemetzel noch???

Ich hoffe das unsere Heros wie die Leute von Seasheppart und Greenpeace, wenn nötig mit mechanischer Gewalt diesem sinnlosen Gemetzel ein Ende bereiten werden.

Denkt einfach an die folgen sollte es keine MEERESSÄUGER mehr geben!!!
Leute meidet einfach alles was aus Japan kommt!!! :)

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