Jagd auf Finnwale: teures und grausames Hobby eines isländischen Geschäftsmanns

Ein Walfangschiff mit Harpune für die Jagd auf Finnwale in Hvalfjordur, Island.Eine ereignisreiche Woche liegt hinter denen, die die Entwicklung der aussterbenden Walfangindustrie in Island mitverfolgen. Das Walfangschiff des letzten isländischen Walfängers Kristjan Loftsson tötete zuletzt vor fast drei Jahren im Jahr 2010 einen Finnwal. Anfang Mai dieses Jahres hatte er dann angekündigt, seine Schiffe für eine weitere Saison zur Jagd auf die bedrohte Art aussenden zu wollen.

Niemand weiß wirklich, warum er einen so großen Teil seines beträchtlichen Vermögens für das Töten von Walen ausgeben will. Als er 2009 mit dem Walfang begann, prognostizierte er, mit dem blutigen Geschäft 40 Mio. US-Dollar im Jahr verdienen zu wollen. Obwohl seine Flotte im Jahr 2009 273 Finnwale tötete und er 2010 noch immer nicht das gesamte Fleisch nach Japan verkauft hatte, schweigt er bis heute beharrlich darüber, ob der Walfang überhaupt irgendeinen Gewinn abwirft.

Es sieht tatsächlich aus, als sei das Töten der Wale nicht mehr als das Hobby eines erfolgreichen Geschäftsmanns, dessen Herzblut an einer Branche hängt, weil sie in seinen Augen einen Teil der isländischen Identität widerspiegelt. Wenn das so ist, dann ist es auf jeden Fall ein teures und grausames Hobby, das das Überleben der zweitgrößten Walart der Welt bedroht. Es ist auch ein Hobby, das einen Keil zwischen Island und mögliche internationale Verbündete treibt. Und betrachtet man die Reaktionen, die nach Loftssons Ankündigung aus Island kamen, treibt dieses Hobby offenbar sogar einen Keil zwischen die wenigen Menschen, die vom Walfang leben, und die Organisationen, die die riesige Tourismus- und Whalewatchingbranche vertreten.

USA und EU machen seit langem deutlich, dass sie die Jagd auf Finnwale ablehnen. Die USA verhängte deshalb sogar diplomatische Sanktionen. Da Loftssons Schiffe die letzten zwei Jahre brav an ihrem teuren Anlegeplatz geblieben sind, wurden die Sanktionen gelockert. Die Drohung jedoch, die Schiffe erneut losschicken zu wollen, empfand man in Washington DC allerdings als Affront für die US-Regierung.

Loftssons Aktivitäten rufen langsam auch von Seiten derjenigen öffentlichen Protest hervor, die sich um die negativen Auswirkungen der Finnwaljagd auf Islands Tourismusbranche sorgen. Am Tag nach Loftssons Ankündigung sprachen sich vier isländische Organisationen, darunter Icewhale, Verbände der Tourismusindustrie sowie eine Tierschutzvereinigung, gegen die Bedrohung Islands nationaler und internationaler Interessen aus. Und dann veröffentlichte auch noch die Tageszeitung Frettabladid einen Kommentar, der die Finnwaljagd verurteilt und ihr Ende fordert. Es wird also langsam offensichtlich, dass nicht jeder Isländer seine nationale Identität über die Unterstützung des Walfangs definiert...

Ein Team des Internationalen Tierschutz-Fonds veranstaltete nach Loftssons Ankündigung vergangene Woche in Washington DC ein Briefing für Politiker zu Islands Walfang und den Möglichkeiten zur Unterstützung von Islands Tourismusbranche. Der IFAW arbeitet eng mit isländischen Reise- und Whalewatchingveranstaltern zusammen, und wir sind nun alle gespannt darauf, was als Nächstes passieren wird.

Loftsson hat den Walfang die letzten zwei Jahre lang ausgesetzt. Er sprach von Arbeitskonflikten mit seinen Schiffsbesatzungen und von einer instabilen und ungünstigen Situation auf dem japanischen Markt. Alle Augen sind nun auf ihn gerichtet.

Hier geht es nicht um Islands Recht, Walfang zu betreiben. Hier geht es darum, ob ein einziger Mann Islands nationale und internationale Interessen auf's Spiel setzen will, nur weil sich weigert, sein aus der Zeit gefallenes, grausames und unnützes Hobby endlich aufzugeben.

--RM

 

Unterschreiben Sie unsere Petition an die isländische Regierung und fordern Sie ein Ende des Walfangs!

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Experten

Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
Regionaldirektorin Russland und GUS
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Isabel McCrea, Regionaldirektorin Ozeanien
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IFAW Japan Representative
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Patrick Ramage, Programmdirektor Wale
Programmdirektor Wale