IFAW veröffentlicht Studie zum Elfenbeinhandel in China

Schnitzereien wie diese werden in China illegal angeboten
Montag, Juni 4, 2012
Hamburg

 Chinesische Anleger haben ein neues Investitionsobjekt entdeckt: Elfenbein! Gleichzeitig steigt die Zahl der wegen ihrer Stoßzähne getöteten Elefanten dramatisch an. Das belegt eine neue Studie des IFAW (Internationaler Tierschutz-Fonds) über den Elfenbeinhandel in China.

Sie zeigt, dass der legale Verkauf von Elfenbein-Lagerbeständen in 2008 die Nachfrage angeheizt hat, und zwar besonders in China, wo reiche Chinesen Elfenbein zunehmend als „weißes Gold“ besitzen möchten.

„Elefantenelfenbein ist quasi zu einer neuen Währung in China geworden“, so Robert Kless, Leiter der Elefantenkampagne des IFAW-Deutschland. „Die steigende Nachfrage hat den Preis für Elfenbein hochschnellen lassen. Hinzu kommt, dass der Chinesische Yuan gegenüber dem schwächelnden US-Dollar stark gestiegen ist. Diese beiden Faktoren sorgen dafür, dass der Kauf von illegalem Elfenbein in Afrika und der profitable Verkauf in China zu einem extrem lukrativen Geschäft geworden ist.“

Verantwortlich für dieses Problem ist aus Sicht des IFAW das Artenschutzübereinkommen CITES, das 2008 den legalen Verkauf von Elfenbein-Lagerbeständen aus vier afrikanischen Ländern an China und Japan genehmigte.

Seitdem das Elfenbein 2009 nach China geliefert wurde, ist der Handel mit Elfenbein – legal oder illegal – sprunghaft angestiegen. Weltweite Aufgriffe illegalen Elfenbeins spiegeln diesen Trend wieder: Nach Medienberichten wurden allein 2011 stolze 5.259 Stoßzähne konfisziert, das entspricht 20,7 Tonnen.

China führte 2004 ein Regulierungssystem ein, um den heimischen Markt streng nach CITES-Richtlinien zu kontrollieren. Angesichts der immensen Nachfrage kann dieses Instrument aber praktisch nichts mehr ausrichten.

„Von den 158 Elfenbeinhandels-Geschäften, die unsere chinesischen Experten in fünf Städten besuchten, hatten 101 keine staatliche Genehmigung und operierten illegal. Aber auch die meisten der lizensierten Läden umgingen das Kontrollsystem auf irgendeine Art“, so Kless. „Der illegale Elfenbeinhandel in unlizensierten und lizensierten, aber betrügerischen Geschäften übertraf den legalen Handel im Verhältnis 6 zu 1 (135/23).“

Die neue IFAW-Studie (die fünfte in Asien in zehn Jahren) zeigt deutlich, wie illegales Elfenbein nach dem Einschmuggeln problemlos in den legalen chinesischen Markt mit einfließt. Der Bericht beleuchtet außerdem, warum es für Chinesen finanziell so verlockend ist, sich am illegalen Elfenbeinhandel zu beteiligen.

Während sich der Einkaufspreis pro Kilogramm Elfenbein von 2006 bis 2011 verdreifacht hat (4.500 – 15.000 Yuan), steigt der Wert des Yuan gegenüber dem US-Dollar. In den Ländern, aus denen das Elfenbein stammt, bietet die gestärkte chinesische Währung den Chinesen eine erhöhte Kaufkraft. Sie tauschen Yuan in Dollar, um Elfenbein zu erwerben. Dies und die Leichtigkeit, mit der illegales Elfenbein in den legalen Markt geschleust werden kann, beschert den am illegalen Handel beteiligten Kriminellen riesige Profite.“

„Die CITES-Lagerverkäufe sollten den illegalen Handel und die Wilderei auf Elefanten eindämmen, indem sie den Markt mit legalem Elfenbein sättigen“, so Kless. „Das genaue Gegenteil ist eingetreten.“

„Legale Elfenbein-Importe ermöglichten es, illegales Elfenbein in den chinesischen Markt zu schleusen“, resümiert Kless. „Die unstillbare Nachfrage nach Elfenbein als Investitionsobjekt hat den Handelspreis verdreifacht. Dazu noch veränderte Währungen: Das ergibt eine tödliche Kombination, die wilde Elefantenpopulationen dezimiert.“

Achtung: Die Studie „Making a Killing, a 2011 Survey of Ivory Markets in China“ können Sie auf http://www.ifaw.org/united-states/resource-centre/making-killing herunterladen.

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