IFAW-Buckelwale halten in Island Touristen davon ab, Walfleisch zu essen

Dieses Video zeigt Stellungnahmen von Touristen, die sich im Rahmen der "Meet us, don't eat us"-Kampagne zu Wort melden.

Am Freitag, den 15. Juni marschierten 13 Freiwillige aus Korea, Frankreich, Großbritannien, China, Mexiko, der Ukraine, Russland, Spanien und der Slowakei gemeinsam mit Buckelwalen vom Internationalen Tierschutz-Fonds vom Reykjaviker Hafen zum isländischen Fischereiministerium.

Was sie dort wollten? 2071 Postkarten überreichen, die innerhalb von nur zwei Wochen von ausländischen Besuchern in Reykjavik unterzeichnet worden waren.

In sechs verschiedenen Sprachen gaben die Menschen dort ihr Versprechen ab, in Island kein Walfleisch zu essen und forderten zudem von der isländischen Politik ein Ende des Walfangs. Bei den zwei „Buckelwalen” handelt es sich um große Walflossen-Kostüme, in denen jeweils ein Freiwilliger steckt.

Die Walflossen bescheren unserer „Meet us, don’t eat us“-Kampagne viel Aufmerksamkeit. Die Kampagne soll Touristen dazu ermutigen, an verantwortungsvollem Whalewatching teilzunehmen, aber gleichzeitig auf den Verzehr von Walfleisch zu verzichten.

Seit ein paar Jahren findet man immer häufiger Walfleisch auf den Speisekarten von Restaurants. Touristen bekommen erzählt, dass es ein traditionell isländisches Gericht sei. In Wirklichkeit essen einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Gallup zufolge lediglich 5% der Leute regelmäßig Walfleisch.

Ich erinnere mich noch daran, dass, als ich klein war, Walfleisch als ein übel schmeckendes Gericht galt, das manche Leute im Spätsommer essen, weil es dann billig ist. Es ist ganz bestimmt kein populäres Gericht in meinem Land.

Heute verkosten die Touristen also Wal-Carpaccio, Wal-Tapas und andere merkwürdige Gerichte, ohne sich darüber im Klaren zu sein, dass sie dadurch zum Töten der Wale beitragen und das grausame Unterfangen des Walfangs in Island überhaupt erst ermöglichen.

Die Postkarten stammen aus den ersten zwei Wochen der über den Sommer laufenden Kampagne. Alle zwei Wochen macht sich eine Gruppe neuer Freiwilliger mit noch mehr Postkarten auf den Weg zum Fischereiministerium.

Viele Touristen sind angesichts des boomenden Whalewatching-Sektors im alten Hafen von Reykjavik überrascht, wenn sie erfahren, dass Island nach wie vor Wale fängt.

Ein junger Mann aus Deutschland meinte, dass er eigentlich am Abend ein Walsteak probieren wollte, doch nachdem er mit den Freiwilligen gesprochen und eine Postkarte unterzeichnet hatte, entschied er sich, etwas anderes zu bestellen.

Eine Frau aus den USA, die im Reykjavik Hilton übernachtete, zeigte sich sehr verärgert darüber, dass im Hotelrestaurant Walfleisch auf der Karte steht. Sie nahm einen Stapel Infomaterial mit ins Hotel und wollte sich später bei der Hotelleitung beschweren.

Auch um die 100 Isländer haben schon darum gebeten, die Postkarten unterzeichnen zu dürfen, obwohl die Kampagne sich eigentlich an Touristen richtet. Überhaupt sind die Einheimischen mit ganz wenigen Ausnahmen den Freiwilligen sehr wohlgesonnen.

Als unsere motivierte und fröhliche Truppe von Freiwilligen sich auf den Weg zum Ministerium machte, war die Tüte mit den Postkarten so schwer, dass zwei Leute sie tragen mussten.

Sie sind alle einen weiten Weg gekommen, um anderen ausländischen Besuchern davon zu berichten, woher sie kommen und warum sie hier sind. Über 80% der Touristen geben in Umfragen an, dass sie den Walfang in Island ablehnen, doch überraschenderweise probieren immer noch viele von ihnen Walfleisch.

Da die Anzahl der Touristen in Island stetig wächst - während es im Jahr 2010 noch 500.000 waren, werden in diesem Jahr bereits mehr als 700.000 erwartet – ist es umso wichtiger, dass wir diese Leute erreichen und davon überzeugen, wie wichtig Walschutz ist.

Die Gesamtbevölkerung in Island beläuft sich im Vergleich dazu auf lediglich 320.000.

Trotz der wachsenden Tourismusbranche und der beträchtlichen Anzahl von Restaurants, die Walfleisch anbieten, gibt es auch ein paar gute Nachrichten für die Wale zu vermelden.

  • In den letzten drei Jahren ist die Anzahl der getöteten Zwergwale von 75 auf 58 im letzten Jahr gesunken.
  • Die Jagd auf Finnwale wurde bereits das zweite Jahr in Folge ausgesetzt und bleibt hoffentlich von nun an Geschichte.

In den lächelnden Gesichtern der Freiwilligen sieht man ihre Freude darüber, dass sie etwas bewegen konnten.

Ein älteres amerikanisches Ehepaar hält uns an, um die Walflossen zu fotografieren. „Wir haben gestern eine Postkarte unterzeichnet”, sagen sie und fügen noch hinzu: „Vielen Dank für eure Arbeit.”

Die Truppe junger Leute hat das bereits viele Male gehört und das tut gut.

Als Valdimar Halldorsson, der Mitarbeiter des Fischereiministers, aus der Eingangstür des großen weißen Gebäudes am Meer tritt, überreicht jeder Freiwillige einen großen Stapel Postkarten.

Er sieht beeindruckt aus.

Halldorsson schüttelt allen Freiwilligen die Hände, als er die 2071 Postkarten entgegennimmt.

Sie erklären ihm, dass Walschutz für sie ein wichtiges Anliegen ist und dass sie hoffen, dass Island den Walfang einstellen wird.

Er erwidert, dass er dem Minister über den Besuch Bericht erstatten wird und bedankt sich.

Als er versucht, die Postkarten ins Ministerium zu tragen - unser Angebot ihm beim Tragen zu helfen, hatte er höflich ausgeschlagen - ruft er mir noch zu: „Können Sie mir bitte ein Foto hiervon schicken?“

-- SM

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Experten

Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
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Dr. Ralf Sonntag, Länderdirektor Deutschland
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Programmdirektor Wale
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