Hilfe für Tiere, die Opfer von häuslicher Gewalt werden

Viele von uns wissen und haben es selbst erlebt, dass zwischen Menschen und ihren Haustieren eine unglaublich enge Bindung entstehen kann. Diese Beziehung ist etwas ganz Besonderes und sollte nicht nur wertgeschätzt, sondern auch geschützt werden. In Familien, in denen Gewalt vorkommt, wird diese Liebe zwischen Mensch und Haustier oft nicht nur beschädigt, sondern sie wird auch instrumentalisiert. Manche Menschen benutzen Tiere, um andere Menschen zu kontrollieren, zu bedrohen, einzuschüchtern oder zu ihnen Angst zu machen. Dabei stößt den Tieren oft etwas zu und in manchen Fällen kommen sie sogar um.

Initiativen zur Unterstützung von Menschen und Tieren, die sich in solchen Situationen befinden, leisten sehr wertvolle Arbeit. Paws for Kids, eine vom IFAW geförderte Organisation in Großbritannien, rettet mit ihrer Betreuung Tiere aus Missbrauchssituationen und gibt damit Mensch wie Tier neue Hoffnung. Es hat mich zutiefst gerührt, als ich letzte Woche die Geschichten zweier Opfer und ihrer Haustiere hörte, die mit der Hilfe von Paws for Kids eine sichere Zuflucht finden konnten und nun wieder neue Hoffnung schöpfen können. Die Geschichten von Sally und ihrem Yorkshire Terrier Daisy und Monica und ihrem Jack Russell Terrier Pip zeigen sehr eindrücklich, wie wichtig diese Art von Hilfestellung ist. Deshalb erzähle ich sie hier.

Sally und Daisy

Sallys Lebensgefährte hatte so schwer verletzt, dass sie ins Krankenhaus musste. Während sie dort war, wurde ihr vierjähriger Yorkshire Terrier schwer misshandelt und vernachlässigt. Kurz bevor Sally aus dem Krankenhaus entlassen werden sollte, wurde Daisy ihr Wurf von fünf Wochen alten Welpen weggenommen und sie wurde allein und verletzt drei Tage lang in der Wohnung zurückgelassen. Der Lebensgefährte sagte, er habe die Welpen verkauft. Er hatte Sally verboten, Daisy sterilisieren zu lassen und sie hatte Angst sie einfach zum Tierarzt zu bringen, weil sie dann nicht erklären konnte, wo der Hund den ganzen Tag war.

Sally und Daisy bekamen Hilfe durch Paws for Kids. Sally zog vorübergehend in ein Frauenhaus und Daisy kam in ein Pflegeheim. Als es Daisy gut genug ging, wurde sie sterilisiert und erhielt eine längere Behandlung gegen Fellausfall und starkes Lecken – der Tierarzt diagnostizierte als Ursache dafür Stress. Daisy bekam Steroid-Tabletten und schließlich wurde ihr Fell wieder dicht und gesund. Sie ist wieder zu ihrer Besitzerin zurückgekehrt und heute leben sie glücklich zusammen in ihrem eigenen Zuhause.

Monica und Pip

Pip ist ein achtjähriger Jack Russell Terrier und gehört Monica, die von ihrem drogensüchtigen Lebensgefährten schwer misshandelt wurde. Er misshandelte auch Pip. Er trat sie mit dem Fuß oder trat auf sie oder gestikulierte drohend mit der Hand, als ob er zuschlagen wolle und schrie sie beide an. Pip ist ein sehr verängstigtes Tier und hat Monica oft in Streit- und Gewaltsituationen erlebt. Monica hörte dann irgendwann von Paws for Kids, als sie mit dem Mitarbeiter eines Frauenhauses sprach. Sie entzog sich der Gewalt schließlich, nachdem ihr Partner sie wieder einmal verprügelt hatte, weil sie ihn davon abhalten wollte, Pip Heroin zu spritzen. Glücklicherweise hat sich Pip mittlerweile wieder völlig erholt und wurde in einem Paws for Kids-Pflegeheim gesund gepflegt, während Monica im Frauenhaus war. Monica hat eine neue Wohnung in einer neuen Gegend weit weg von ihrem gewalttätigen Ex-Lebensgefährten bezogen und Pip ist wieder zu ihr gekommen.

Pips Pfleger stellte fest, dass sie große Angst vor Menschen hatte und dass sie dieser Angst, wenn sie in einem geschlossenen Raum war, manchmal durch aggressives Verhalten Ausdruck verlieh. Der Paws for Kids-Hundetrainer arbeitete sehr viel mit Pip und ihrem Pfleger, um sie wieder umgänglicher zu machen. Davon hat nicht nur Pip profitiert, sondern es sicherte ihr auch ihren Pflegeplatz und ermöglichte ihre Rückkehr zu Monica. Pip litt während ihrer Zeit im Pflegeheim an einer Gebärmutterentzündung und wurde in eine Tierklinik eingewiesen und sterilisiert. Gegen ihre Entzündung bekam sie eine zusätzliche Behandlung und wurde mit einem tadellosen Gesundheitszeugnis und einem Chip versehen zu Monica in ihr neues Zuhause geschickt.

 

Frauen wie Sally und Monica müssen jeden Tag um ihre eigene Sicherheit bangen und stecken auch oft ein, damit ihre Tiere nicht leiden müssen. Ohne Initiativen wie Paws for Kids verharren Opfer manchmal lieber länger in der Misshandlungssituation als ihr geliebtes Haustier zurückzulassen. Und wenn sie sich dann entschieden haben, sich der Situation zu entziehen, stehen sie oft vor dem Problem, dass sie nicht wissen, wo sie ihr Tier sicher unterbringen können und werden vor die Wahl gestellt, entweder es für immer wegzugeben oder es einschläfern zu lassen. Solche Entscheidungskonflikte sollte niemand austragen müssen.

Kein Mensch sollte Misshandlung ertragen oder sein geliebtes Tier weggeben müssen, um sich selbst in Sicherheit zu bringen. Und kein Tier sollte grausam behandelt oder sogar tödlich verletzt werden, nur weil es keine andere Möglichkeit gibt. Wie es bei Paws for Kids vor kurzem hieß „sind Familien Zusammenschlüsse aus Erwachsenen, Kindern und Tieren, deren Wohlergehen stark vom Wohlergehen der anderen abhängt.“ Tieren zu helfen bedeutet Menschen zu helfen und Menschen zu helfen bedeutet auch Tieren zu helfen. Wenn wir die enge Beziehung zwischen Menschen und Tieren erkennen, pflegen und schützen, machen wir die Welt ein ganz kleines bisschen besser.

*Danke an Paws for Kids und besonders an Sally und Monica für ihre Geschichten. Die Namen wurden zum Schutz der Personen geändert.

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Experten

Alexa Kessler, Projektleiterin für den Bereich Haustiere, IFAW Deutschland
Projektleiterin für den Bereich Haustiere, IFAW Deutschland
Cora Bailey
Director, Community Led Animal Welfare (CLAW)
Cynthia Milburn, Direktorin Tierschutzaufklärung und -bildung
Direktorin Tierschutzaufklärung und -bildung
Dr. Ian Robinson, Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
Gail A'Brunzo, Leiterin IFAW Wildtierschutz
Leiterin Wildtierschutz, IFAW
Hanna Lentz, Programm-Managerin/Campaignerin, IFAW Zentrale USA
Programm-Managerin/Campaignerin, IFAW Zentrale USA
Kate Nattrass Atema, Programmdirektorin Haustiere
Programmdirektorin Haustiere
Nancy Barr, Programmdirektorin Kinder- und Jugendprogramm “Animal Action“
Programmdirektorin Kinder- und Jugendprogramm “Animal Action“
Shannon Walajtys
Leiterin des Bereichs Katastrophenhilfe