Halbherziger Vorstoß der großen Koalition zum Wildtierschutz

Freitag, 10 Juni, 2016
Hamburg

Diese jungen Cobras mit zugenähtem Maul wurden vom Zoll aufgegriffen.

Die Fraktionen der SPD und CDU/CSU brachten gestern Abend einen gemeinsamen Antrag zum Thema Wildtierschutz und illegaler Wildtierhandel in den Bundestag ein. Leider bleibt die Vorlage hinter den Erfordernissen für eine wirksame Bekämpfung der aktuellen Wildereikrise zurück.

„Grundsätzlich begrüßen wir, dass sich die Regierungsparteien mit dieser drängenden Problematik befassen“, so Robert Kless, Kampagnenleiter des IFAW (International Fund for Animal Welfare) in Deutschland. „Der letztes Jahr von den Grünen vorgelegte Antrag zum selben Thema geht allerdings deutlich weiter. Er fordert Maßnahmen, die wir für dringend erforderlich halten und auch von der Regierung erwarten“.

Der IFAW kritisiert an dem Antrag der Regierungsparteien, dass auf die Einführung von Positivlisten zur Haltung von exotischen Wildtieren verzichtet wird. Nur solche Listen können die Anzahl an exotischen Wildtieren, die privat gehalten werden dürfen, deutlich reduzieren und die Haltung von dafür ungeeigneten Arten ausschließen. Auch sind die vorgeschlagenen Maßnahmen zur Regulierung von Tierbörsen nicht ausreichend, um gewerbliche nationale und internationale Züchter auszuschließen. Der Antrag der Grünen fordert sowohl Positivlisten als auch ein Verbot gewerblicher Tierbörsen für Wildtiere und des Verkaufs von Wildfängen auf Tierbörsen. Außerdem wollen die Grünen ein EU-weites Export- und Handelsverbot für Elfenbein und eine Zerstörung der Elfenbein-Lagerbestände in Deutschland.

Positiv bewertet der IFAW, dass die Koalition sich auf EU-Ebene für eine Verordnung einsetzen will, die den Import von Arten verbietet, die im Herkunftsland geschützt sind, aber keinem internationalen Schutzstatus unterliegen. Auch soll geprüft werden, wie der Internethandel mit Wildtieren reglementiert werden kann. Konkrete Maßnahmen werden allerdings nicht benannt, wie beispielsweise eine verbindliche Vorschrift für das Einbinden von Legalitätsnachweisen in Online-Anzeigen. Damit sollen illegale Online-Angebote unterbunden werden. Auch will die Koalition die Importe von Zuchten artgeschützter Tiere kritisch prüfen, um die Einfuhr falsch deklarierter Wildfänge zu verhindern. Ferner soll der Bedarf an Auffangstationen für beschlagnahmte Tiere ermittelt und diese zur Verfügung gestellt werden.

„Wir hätten uns von den Regierungsparteien ein entschlosseneres Vorgehen gegen den illegalen Wildtierhandel und damit verbundenen tierquälerische Praktiken gewünscht“, so Kless weiter. „Der Antrag ist aber ein wichtiger erster Schritt. In den nun folgenden Diskussionen muss hier noch nachgebessert werden, bevor dieser Antrag beschlossen wird.“

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