Forschungscamp für Westpazifische Grauwale: Walspiele

Nach 22 Tagen mit schlechtem Wetter in Piltun (mit Nebel, Regen und Wind) schöpfen wir am Abend des 19. August ein wenig Hoffnung, dass wir vor dem Ende der Expedition doch noch ein paar Tage arbeiten können.

Es war jetzt windstill, der Nebel hatte sich gelichtet und wir konnten endlich die Sterne sehen. Unsere Wetterprognose erwies sich als richtig und am nächsten Morgen sprangen wir alle voller Tatendrang auf unser Forschungsboot und fuhren aufs Meer hinaus. Der Tag war voller glücklicher Zufälle und Erlebnisse.

Zuerst sichteten wir zwei (in diesem Jahr) neue Mutter-Kalb-Gespanne und ein Kalb, das bereits von seiner Mutter getrennt war. Dieses Kalb wirkte sehr klein im Vergleich zu den anderen Kälbern und wir tauften den Kleinen auf den Namen „Krokha“ („Winzig“). Krokha spielte in den Wellen und als wir ihm folgten, um Fotos zu machen, waren wir plötzlich bei der Mündung der Lagune von riesigen Wogen umgeben und wir wussten schlagartig, dass wir wegmussten, wenn wir nicht mit dem Boot umkippen wollten.

Sechs Kilometer südlich vom Leuchtturm sahen wir noch zwei Mutter-Kalb-Gespanne und ein entwöhntes Kalb. Sie kommunizierten miteinander, spielten in den Wellen nur 50 Meter vor der Küste und zeigten dabei ihre Köpfe, Schwanzflossen und Brustflossen über der Wasseroberfläche.

Zunächst schenkten die Wale uns keinerlei Beachtung, doch bald kamen sie zu nah an unser Boot und wir mussten den Motor auslassen und regungslos bleiben. Zwei Meter entfernt von uns hob eine der Mütter ihren Kopf aus dem Wasser und ihr Kalb tauchte unter das Boot. Sie trieben sich eine Weile rund um unser Boot herum und dann geschah etwas Überraschendes.

Eins der Kälber (das bereits von der Mutter getrennt war) tauchte unter das Boot und hob es mit seinem Rücken hoch, um danach einfach mit den anderen Walen in der Nähe weiterzuspielen. In diesem Moment spürten wir erst richtig, wie klein wir im Vergleich zu diesen riesigen Tieren eigentlich sind und wir brauchten alle einige Minuten, um zu begreifen, was soeben geschehen war.

Wir entschieden, dass wir nicht ihr Spiel spielen wollten und verließen die Gruppe. Auf dem Rückweg fotografierten wir noch einen Wal, der neu in unserer Sammlung war. Glücklich, gerührt, viele Fotos und Biopsien von zwei Kälbern im Gepäck kehrten wir ins Forschungscamp zurück, um dem Rest des Teams von unserem ereignisreichen Tag zu berichten.

Lena und das IFAW Piltun-Grauwal-Team:

Dolgova Evgeniya,
Sidorenko Maksim,
Sychenko Olga,
Vorob’ev Vitalii,
Fedin Dmitrii,
Sereda Aleksei

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Experten

Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
Regionaldirektorin Russland und GUS
Dr. Ralf Sonntag, Länderdirektor Deutschland
Länderdirektor Deutschland
Isabel McCrea, Regionaldirektorin Ozeanien
Regionaldirektorin Ozeanien
IFAW Japan Representative
Repräsentantin IFAW Japan
Patrick Ramage, Programmdirektor Wale
Programmdirektor Wale
Robbie Marsland, Regionaldirektor Großbritannien
Regionaldirektor Großbritannien