Fehlstart für die Robbenjagd im nördlichen Sankt-Lorenz-Golf

Wir schreiben Tag eins der kommerziellen Robbenjagd im nördlichen Teil des Sankt-Lorenz-Golfs vor der Küste Neufundlands und Labradors.

Das IFAW-Robbenteam befindet sich zur Beobachtung und Dokumentation der kommerziellen Robbenjagd vor Ort in Neufundland.

Anfang der Woche wurde bekannt gegeben, dass die Regierung Neufundlands der Robbenindustrie dieses Jahr mit einem Rettungsschirm von 3,6 Millionen kanadischen Dollar unter die Arme greift. Aber reicht eine solche Summe denn überhaupt aus, um einen aussterbenden Wirtschaftszweig zu retten, dessen Umsätze in den letzten Jahren dramatisch eingebrochen sind?

Mit dem Geld aus dem Rettungsfonds können fellverarbeitende Unternehmen in diesem Jahr nun also 130.000 Felle einkaufen, und die staatliche Zuwendung hat das Selbstbewusstsein der Robbenindustrie wieder ein wenig aufgeputscht. Womit mussten wir also in diesem Jahr rechnen? Würden die Robbenjäger massenweise hinausströmen und die Lagerhäuser mit Robbenfellen füllen?

Oder würden sie auch nach einer Alternative suchen?

Am Eröffnungstag tauchten dann lediglich neun Boote auf. Drei davon konnten wir beobachten. Anfangs waren kaum Robben da, was das Unterfangen für die Jäger recht schwierig machte.

Ein Robbenjunges wurde erschossen, auf einem Haken aufgespießt und an Deck gehäutet. Dann verging vielleicht eine halbe Stunde – vielleicht mehr – bevor das Boot eine neue Robbe fand. Unterm Strich ist dies doch verdammt hart verdientes Geld. Mit fünf Mann pro Boot, kaum einer Robbe in Sicht, und den läppischen 27 Dollar, die fellverarbeitende Unternehmen dieses Jahr pro Fell bezahlen, ist kaum vorstellbar, dass einer der Männer von der Jagd ohne Verluste zurückkommt.

In einem Interview mit einem Lokalradiosender sprach ich über Neufundland und seine Bewohner. Sie gehören zu den herzlichsten Menschen, die mir je begegnet sind und ich empfinde durchaus Sympathie für die Männer, die sich mit der Robbenjagd ein paar Dollar dazuverdienen wollen.

Ich sagte es bereits und nun sage ich noch einmal – ich glaube nicht, dass Robbenjäger „Unmenschen“ sind oder das was mir sonst noch gern in den Mund gelegt wird. Ich glaube daran, dass wir eine Lösung finden, ohne Konflikte vom Zaun zu brechen oder jemanden anzuprangern.

Die Robbenjagd ist unbestritten ein wichtiger Teil der Geschichte Neufundlands, aber das heißt nicht, dass sie heutzutage noch betrieben werden muss. Produkte wie Leder sind schlicht und einfach unnötig und die grausamen Tötungsmethoden der kommerziellen Jagd sind unvertretbar, ganz zu schweigen von der immer weiter schrumpfenden Nachfrage nach Robbenprodukten.

Es ist Zeit, dass die Robbenjagd tatsächlich in die Geschichte eingeht und nicht länger durch Geldspritzen aus kanadischen Steuergeldern künstlich am Leben gehalten wird.

Millionen von Dollar an Steuergeldern sind in den letzten Jahrzehnten bereits in die Robbenindustrie geflossen, und zwar ohne dass damit viel erreicht worden wäre. Die durch die Jagd erzielten Einnahmen sind heute niedriger denn je.

Die Robbenjagd in Neufundland hat begonnen. Und auch wenn bisher nur ein Fehlstart hingelegt wurde, haben wir noch viele Tage vor uns, wenn dann am 12. April auch im Gebiet namens „The Front“ die Jagd eröffnet wird.

Es wird sich dann herausstellen, wie weit der Rettungsschirm der Regierung Wirkung zeigt und ob er zur Wiederbelebung des schwächelnden Wirtschaftszweigs ausreicht.

Wir brauchen die IFAW-Unterstützer und jede einzelne Stimme gegen die Robbenjagd, wenn wir dem Ganzen wirklich ein Ende setzen wollen. Verfolgen Sie unsere Updates, zeigen Sie sie anderen Menschen, sprechen Sie darüber und sagen Sie der kanadischen Regierung, dass es Zeit ist, der Robbenjagd ein für allemal ein Ende zu bereiten.

--SF

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Experten

Dr. Ralf Sonntag, Länderdirektor Deutschland
Länderdirektor Deutschland
Sheryl Fink, Direktorin Wildtier-Kampagnen, IFAW Kanada
Direktorin Wildtier-Kampagnen, IFAW Kanada
Sonja Van Tichelen, Regionaldirektorin Europäische Union
Regionaldirektorin Europäische Union