Für Wildtiere am äußersten Rand Europas unterwegs

Wo die Tierwelt sonst vergessen wird, muss sich der IFAW einmischen. Deshalb habe ich gerade am „2. Forum der Gebiete in äußerster Randlage“ in Brüssel teilgenommen. Dies ist ein Treffen zwischen EU-Repräsentanten und den Staatschefs dieser acht „äußersten“ Überseegebiete, die voll und ganz Teil der Europäischen Union sind: die Kanarischen Inseln (Spanien), Madeira und die Azoren (Portugal), Guadeloupe, Martinique, Saint Martin, Französisch Guyana und La Réunion (Frankreich).

Diese Gebiete liegen alle weit weg vom europäischen Festland und haben alle mit hoher Arbeitslosigkeit und Abwanderung, insbesondere der jungen Bevölkerung, zu kämpfen. Gemeinsam haben sie aber auch einen besonderen Artenreichtum und sind Heimat von mehr endemischen Arten, also Arten die nur dort vorkommen, als der gesamte europäische Kontinent zusammen. Durch ihre EU-Zugehörigkeit verdoppelt sich obendrein die zur EU gehörende Meeresfläche. Sie beinhaltet mehr als 20 Prozent der weltweiten Korallenriffe und Lagunen und bietet viel Lebensraum für Wale und Delfine.

Die Konferenz stand unter dem Thema der wirtschaftlichen und sozialen Integration und Entwicklung dieser Regionen in die EU. Dabei wird nach wie vor zu wenig Wert auf sanfte Entwicklungs-Alternativen gelegt, die statt Raubbau Natur- und Tierschutz fördern.

Hier kann der IFAW helfen, denn wir verfügen über wertvolle Erfahrungen z.B. in der Entwicklung eines sanften Walbeobachtungs-Tourismus und anderer Maßnahmen, die Tiere und ihre Lebensräume schützen und gleichzeitig der lokalen Bevölkerung ein Einkommen ermöglichen. Einigen Konferenzteilnehmern waren die Projekte des IFAW bereits bekannt und sie stießen besonders bei den Repräsentanten aus der Karibik auf großes Interesse.

Die Azoren geben ein gutes Beispiel. Sie haben bereits ein großartiges Angebot an verantwortungsvollem Whalewatching. Die Vertreter der portugiesischen Inselgruppe waren überrascht und entzückt, als ich daran erinnerte, dass das Forschungsschiff des IFAW, die „Song of the Whale“, in den 1980er Jahren bereits vor den Azoren Wale studierte. Wir halfen damals, den Walfang dort zu stoppen und Walbeobachtungsfahrten als Alternative einzuführen. 

Die geographische Lage der Länder stellt sie vor besondere Herausforderungen in punkto Wilderei und illegalem Wildtierhandel. Die Ausbildung von Vollzugsbeamten, die den Wildtierhandel kontrollieren und lebende Tiere beschlagnahmen, ist aufwendig und teuer. Deshalb wird dieses Thema auch lieber totgeschwiegen, obwohl der wirschaftliche Verlust für die betroffenen Länder enorm ist. Aber schlimmer als der materielle Schaden wiegt für mich, dass Totschweigen und Weggucken automatisch dazu führt, dass das grausame Töten und der Handel mit Wildtieren weiter geht.

Natürlich habe ich die Problematik mit einigen Regierungen angesprochen. Was nicht alle wussten: Der IFAW hat eines der besten Fortbildungsprojekte in diesem Bereich, wodurch bereits tausende Regierungsbeamte in vielen Teilen der Welt in die Lage versetzt wurden, die Wilderei und den illegalen Wildtierhandel effektiver zu bekämpfen. Einige Länder haben ihr Interesse signalisiert mit ihren Nachbarländern zusammen die Prolematik bekämpfen zu wollen und freuen sich, wenn wir Ihnen dabei zur Seite stehen.

Mein Fazit: Ohne uns, die einzige Tierschutzorganisation auf der Konferenz, wäre Tierschutz wohl kein Thema gewesen. Mit ein paar neuen, vielversprechenden Kontakten und Möglichkeiten im Gepäck habe ich mich mit einem guten Gefühl auf den Heimweg gemacht. Wir sind wieder einen kleinen, aber wichtigen Schritt weiter gekommen, damit wirtschaftliche Entwicklungspläne in Zukunft immer öfter gut für Menschen und Tiere sind - diesmal vor allem für die Tiere am äußersten Rand Europas.

--PP

Kommentare: 1

 
Gast
2 Jahre ago

Ein exellenter Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt und damit zu unseer derzeitigen und künftigen Lebensqualität............... Horst Pueschel

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Experten

Azzedine Downes, Präsident und CEO
Präsident und CEO
Cynthia Milburn, Direktorin Tierschutzaufklärung und -bildung
Direktorin Tierschutzaufklärung und -bildung
Dr. Maria (Masha) N. Vorontsova, Regionaldirektorin Russland und GUS
Regionaldirektorin Russland und GUS
Dr. Ralf Sonntag, Länderdirektor Deutschland
Länderdirektor Deutschland
Erica Martin, Vizepräsidentin Kommunikation & Öffentlichkeitsarbeit
Vizepräsidentin Kommunikation & Öffentlichkeitsarbeit
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
Regionaldirektorin Asien
Jason Bell, Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südliches Afrika
Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südafrika
Jeffrey Flocken, Regionaldirektor Nordamerika
Regionaldirektor Nordamerika
Patrick Ramage, Programmdirektor Wale
Programmdirektor Wale
Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Sonja Van Tichelen, Regionaldirektorin Europäische Union
Regionaldirektorin Europäische Union