Exklusive Videoaufnahmen von gerettetem Amurtiger in Russland

© Phoenix Fund. Caption: Cinderella im Inspection Tiger-Rehabilitationszentrum im Fernen Osten Russlands.Der Amurtiger (auch Sibirischer Tiger genannt) ist eine der am stärksten bedrohten Tierarten der Welt. Schätzungen zufolge gibt es im Fernen Osten Russlands nur noch 350 wild lebende Exemplare der größten lebenden Katzenart. Weil sie so selten sind, ist es schier unmöglich, einen wilden Amurtiger zu Gesicht zu bekommen. Einen verwaisten Amurtiger zu retten, scheint sogar noch unmöglicher.

Ich will Ihnen „Cinderella“ vorstellen (auf Russisch Zolushka). Sie ist einer von gerade mal einer Handvoll Amurtigerwaisen, die gerettet wurden und mit dem Ziel einer späteren Auswilderung die Rehabilitation durchlaufen.

Die Rehabilitation von Tigern ist ein äußerst schwieriges Unterfangen. Eine Voraussetzung für den Erfolg der Rehabilitation ist, dass das Tier das richtige Alter hat. Das heißt, dass der Tiger nicht zu jung und nicht mehr vollständig von der Mutter abhängig sein darf, aber gleichzeitig auch noch nicht so alt, dass er allein überleben kann. Wenn diese Voraussetzung gegeben ist, kann mit ein bisschen menschlicher Unterstützung 1/350 einer ganzen Art gerettet werden. Wenn das mal nicht die Mühe wert ist!

Aber wie kriegt man denn nun einen Amurtiger zurück in die freie Wildbahn? Wir sind momentan noch dabei, genau das herauszufinden. Es gab schon ein paar Versuche, aber bislang hat es noch keinen Fall gegeben, den Wissenschaftler uneingeschränkt als Erfolgsfall bezeichnen würden. Manche sagen, dass es eine Wissenschaft und eine Kunst zugleich ist. Deshalb freue mich natürlich sehr darüber, dass Fachleute Cinderella als bislang vielversprechendste Kandidatin für eine erfolgreiche Auswilderung erachten und dass sie damit sogar in die Geschichte eingehen könnte!

Cinderella wurde im Februar geschwächt und unterernährt mit Erfrierungen an Pranke und Schwanz gefunden. Sie war in einem solch erbärmlichen Zustand, dass sogar Fachleute der Meinung waren, dass sie nicht mal durch die Nacht kommen würde.

Werfen wir heute einen Blick auf Cinderella, sehen wir ein gesundes Tigerweibchen, die sich ganz natürlich verhält und auf dem besten Weg ist, planmäßig im Mai 2013 freigelassen zu werden.

Der Internationale Tierschutz-Fonds (IFAW) finanziert ihre Fütterung, Unterbringung und Überwachung durch ihren Rehabilitationsprozess hindurch. Außerdem stellen wir einen speziell ausgebildeten Tierarzt und werden ihr bis zu ihrer Auswilderung weiterhin alle erdenkliche Unterstützung zukommen lassen.

Sehen Sie hier einen Mitschnitt der Überwachungskamera, die sie rund um die Uhr bewacht. Und denken Sie dran, dies ist ungeschnittenes Filmmaterial von einem wilden Amurtiger, von denen es auf der ganzen Welt weniger als 350 gibt.

Vitaly Timchenko, Stellvertretender Leiter Inspection Tiger-Rehabilitationszentrums erstattet uns zweiwöchentlich Bericht. Lesen Sie hier, was es in der letzten Zeit über Cinderella zu sagen gab:

 

SEPTEMBER 2012:

Cinderella verhält sich normal; wenn Angestellte sich dem Gehege nähern, verschwindet sie schnell in einem Versteck.

Nachdem das Futter ausgelegt wurde, holt sie es nicht sofort (dies wurde durch Videokameras beobachtet), sondern wartet eine Weile (30-40 Minuten).

Sie badet gern in den künstlichen Teichen und putzt sich danach. Jeden Abend läuft sie die Länge des gesamten Geheges ausnutzend ihre Reviergrenzen ab.

Die Fütterung wird nach folgendem Plan durchgeführt: drei Tage mit Futter, danach ein Tag ohne Futter. Eine Futterportion besteht aus 4 kg Rindfleisch und 250 gr Leber. Sie jagt auch Hasen, die wild auf dem Gelände leben und regelmäßig ins Gehege kommen.

Sie reagiert auf viele kleine Lebewesen (Frösche, Grashüpfer, etc.), denen sie begegnet. Sie ist gut genährt, ist augenscheinlich in guter körperlicher Verfassung.

Sie ist sehr vorsichtig, lauscht und hört sie etwas Verdächtiges, geht sie sofort ins Versteck.

Als Verstecke dienen ein höhlenartiger Steinbau sowie ein Holzbau, getarnt als natürlicher Unterschlupf. Bei windigem und kaltem Wetter versteckt sich das Tigerweibchen im Steinbau, bei heißem Wetter im Holzbau.

Bei der Fütterung wird das Fleisch jedes Mal zu verschiedenen Zeitpunkten an verschiedenen Orten abgelegt, damit sie sich nicht an einen festen Futterort oder –Rhythmus gewöhnt. Zwischendurch wird der Tiger ein oder zwei Tage nicht gefüttert.

 

OKTOBER 2012:

Cinderella läuft nach wie vor den Zaun des Geheges ab und beobachtet vom Hügel neben dem Teich aus die Umgebung.

In letzter Zeit verbringt sie mehr Zeit im Steinbau.

Die Videoaufnahmen zeigen, dass sie wartet, bis der Tierarzt das Futter in den Steinbau gelegt hat und gegangen ist. Cinderella geht dann hinein, nimmt das Futter und versteckt sich zum Fressen.

Für etwaige Ruhigstellungen haben wir angefangen, das Futter immer am gleichen Ort zu platzieren. Der Futterplan bleibt gleich.

Das Verhalten des Tigers ist nach wie vor normal und entspricht dem eines wilden Tigers. Sie nimmt weiterhin zu.

Um Störfaktoren von außen zu verringern, bleibt der Kreis der Personen, die ins Rehabilitationszentrum dürfen, begrenzt.

NOVEMBER 2012:

Die letzte tierärztliche Untersuchung ergab, dass Cinderella für eine Auswilderung geeignet ist. Diese wurde für das zweite Quartal 2013 anberaumt.

Die Tigerin weist weiterhin für ein Wildtier normales Verhalten und normale Fähigkeiten auf.

--AF

Mit Ihrer Unterstützung können wir auch zukünftig so wichtige Projekte finanzieren.

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Experten

Kampagnenberater
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Brian Sharp, Leiter Rettungseinsätze, Einsatzkoordinator für Strandungen
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Dr. Ian Robinson, Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
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Gail A'Brunzo, Leiterin IFAW Wildtierschutz
Leiterin Wildtierschutz, IFAW
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