Erfolgreiche Rettungsaktion in Mexiko: Vermeintlich herrenlose Hunde werden mit Besitzern wiedervereint

Einer der Hunde aus Bellavista in seinem Käfig in Play del Carmen, Mexiko.Vor zwei Monaten hatten meine Kollegin Erika Flores und ich ein Treffen mit Vertretern der Gemeinde Playa del Carmen, um über die problematische Arbeitsweise des örtlichen Zentrums für Tierkontrolle (Animal Control Center, ACC) und eine neue Verordnung über verantwortungsbewusste Tierhaltung zu sprechen.

In Zusammenarbeit mit zwei lokalen Gruppen statten wir dem ACC seit einiger Zeit häufiger als früher Besuche ab.

Es wird zwar definitiv ein langwieriger Prozess, die Strukturen im ACC grundlegend zu ändern, doch wir drängen bereits jetzt immer wieder auf Verbesserungen in der Einrichtung und machen uns beispielsweise für einen Mindeststandard bei der Grundversorgung mit Wasser, Futter und Bewegungsfreiheit für die Tiere stark (zuvor mussten sich drei oder mehr Hunde einen engen Zwinger teilen, sogar wenn mehr Platz zur Verfügung stand).

In der letzten Zeit waren aufgrund fehlender Mittel die Zwinger im ACC ziemlich leer. 

Bei Erikas letztem Besuch im vergangenen Monat war allerdings das Gegenteil der Fall: Die Zwinger waren voll.

Dies waren die Hunde, die rund um die arme Gemeinde Bellavista auf eine Anfrage aus der Nachbarschaft hin eingefangen worden waren. Die Anfrage war auch uns bekannt gewesen, denn bei einem vorherigen Treffen hatten wir bereits darüber gesprochen und vereinbart, dass man uns benachrichtigen würde, bevor man irgendwelche Hunde einfinge.

Als Erika jedoch die Hunde sah und hörte, woher sie kamen, war ihr sofort klar, dass man unsere Vereinbarung ignoriert und sie eingefangen hatte, ohne uns Bescheid zu geben.

Zu Erikas Überraschung sahen fast alle Hunde aus Bellavista gesund und zutraulich aus. Sie wusste, dass sie bald eingeschläfert würden, wenn sie nichts unternahm. Also schmiedete sie einen cleveren Rettungsplan.

Zuerst fotografierte Erika alle Hunde und das Papier mit der Adresse, wo sie eingefangen worden waren. Sie druckte alle Fotos der Hunde und Papiere aus und wir verteilten sie in Bellavista. 

Wir gingen buchstäblich von Tür zu Tür und zeigten den Leuten die Hundefotos, um herauszufinden, ob jemand sie oder ihre Besitzer kannte.

Am Anfang fühlten wir uns wie bei der Suche nach der Nadel im Heuhaufen, doch dank Erikas Beharrlichkeit und einiger enthusiastischer Kinder, machten wir fast alle Hundebesitzer recht schnell ausfindig.

Wir fragten die Besitzer, ob sie versucht hätten, ihre Hunde zurückzubekommen oder ob sie überhaupt wussten, dass das ACC sie eingefangen hatte.

Fast alle sagten, dass sie zwar wüssten, was passiert war, dass sie es sich aber nicht leisten konnten, ihre Hunde zurückzuholen. 

Falls sie das nämlich wollten, müssten sie erst einmal irgendwie zum ACC kommen (das weit weg und mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht zu erreichen ist), ihren Hund identifizieren, dann zur Gemeindeverwaltung ins Stadtzentrum gehen, ca. 20 Euro Strafe bezahlen und mit der Quittung dann noch einmal ins ACC zurückgehen, um diese gegen den Hund einzulösen.

Natürlich sind das fehlende Geld und die schwierige Anfahrt Gründe dafür, dass diese Prozedur für die meisten Leute, und besonders für solche aus armen Gemeinden wie Bellavista, unmöglich ist. Ein weiterer Grund dafür ist allerdings, dass gegen diesen Zustand einfach nichts unternommen wird.

Alle Familien waren heilfroh, dass ihre Hunde lebten und erleichtert darüber, dass wir ihnen helfen konnten.

Geknüpft an ein paar kleine Bedingungen boten wir den Leuten unsere Hilfe an.

Wir würden die Hunde zurückbringen, wenn die Besitzer zu ihrer Kastration einwilligten.

Wir würden die Hunde außerdem gegen Tollwut impfen und sie entwurmen.

Im Gegenzug müssen die Besitzer in Zukunft dafür sorgen, dass ihre Hunde immer ein Halsband mit Hundemarke tragen und darauf achten, dass sie nicht streunen gehen.

Schon am nächsten Tag kehrte Erika zum ACC zurück, packte alle Hunde in ihr Auto und brachte sie schnurstracks zur IFAW-Partnereinrichtung „Coco’s Cat Rescue“, wo sie kastriert wurden.

Und wie schön es dann war, die Hunde wieder mit ihren Familien zu vereinen!

Zwei kleine Mädchen weinten vor Freude, weil sie ihren heißgeliebten Hund Canelo wieder hatten und ein zunächst ziemlich gefährlich aussehender Mann ließ beim Anblick seines Blacky die ganze coole Fassade fallen und gab plötzlich sentimentale Danksagungen und Liebesbekundungen von sich.

Wir werden die Behörden auch künftig dazu drängen, mehr auf die Bedürfnisse der Tierbesitzer und Gemeinden zu achten, anstatt Hunde willkürlich von der Straße aufzusammeln.

Für Gemeinden wie Bellavista, wo streunende Hunde von den meisten Menschen geduldet werden, wollen wir eine Sonderbehandlung vor den Tierkontrollbehörden erreichen.

Wir hoffen auch, dass die Behörden ihre Mittel in die Einrichtung hauseigener Kastrationskliniken und die Durchsetzung von Verordnungen gegen grausame Behandlung oder Vernachlässigung von Tieren fließen lassen.

Statt geliebte Familienhunde einzufangen, sollte sich das ACC auf einzeln gemeldete Tiere konzentrieren, die krank, verletzt oder aggressiv sind und diese bei Verdacht auf Tollwut zur Beobachtung dabehalten.

Erika hat den Hunden von Bellavista mit ihrer Beharrlichkeit, ihrem großen Herz und ihrem kreativen Plan das Leben gerettet.

Und dadurch, dass ihr beherzter Plan aufgegangen ist, hat sie auch noch ganz klar gezeigt, dass es höchste Zeit ist, die Arbeitsweise des ACC einmal gründlich zu überdenken!

--JD

Post a comment

Experten

Alexa Kessler, Projektleiterin für den Bereich Haustiere, IFAW Deutschland
Projektleiterin für den Bereich Haustiere, IFAW Deutschland
Cora Bailey
Director, Community Led Animal Welfare (CLAW)
Cynthia Milburn, Direktorin Tierschutzaufklärung und -bildung
Direktorin Tierschutzaufklärung und -bildung
Dr. Ian Robinson, Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
Vizepräsident für Kampagnen und internationale Angelegenheiten
Gail A'Brunzo, Leiterin IFAW Wildtierschutz
Leiterin Wildtierschutz, IFAW
Hanna Lentz, Programm-Managerin/Campaignerin, IFAW Zentrale USA
Programm-Managerin/Campaignerin, IFAW Zentrale USA
Kate Nattrass Atema, Programmdirektorin Haustiere
Programmdirektorin Haustiere
Nancy Barr, Programmdirektorin Kinder- und Jugendprogramm “Animal Action“
Programmdirektorin Kinder- und Jugendprogramm “Animal Action“
Shannon Walajtys
Leiterin des Bereichs Katastrophenhilfe