Erdbeben in Nepal: Das Aufrichten einer Kuh hilft einer Familie zu überleben

Nur eine einzige Kuh hatte überlebt. Sie konnte jedoch zwanzig Tage lang nicht aufstehen.

Wir haben in Nepal sehr effektiv mit dem Team des Sikkim Anti-Rabies and Animal Health Programme (SARAH) zusammengearbeitet, einem Zusammenschluss von Veterinärmedizinern aus Sikkim, Indien. Sie waren uns vor Ort eine große Hilfe, da sie nepalesisch sprechen und sich mit traditioneller Tierhaltung auskennen.

Folgenden Beitrag schickte uns Diane Treadwell, Leiterin des IFAW Rettungsteams, aus Nepal:

Die vergangene Woche verbrachten wir damit, von Dorf zu Dorf und von Farm zu Farm zu fahren, um den von den verheerenden Erdbeben betroffenen Tieren zu helfen. Wir versorgten viele Tiere, verabreichten Antibiotika und Schmerzmittel, behandelten Brüche und reinigten Wunden. Manche Tiere werden nicht überleben, doch andere werden wieder gesund. Wir tun für jedes Tier alles in unserer Macht stehende.

Kein einziges Gebäude ist unbeschadet geblieben.Als wir Nangle Bhare in der von Nähe des Epizentrums Sindhupalchok erreichten, sahen wir, dass kein einziges Gebäude unbeschadet geblieben war: Die meisten Häuser waren eingestürzt. Und die Einheimischen saßen noch immer fassungslos inmitten der Trümmer, die einst ihre Häuser waren.

Als wir durch das Dorf gingen, begegneten wir vielen Bauern, die Hilfe brauchten. Ein Mann erzählte uns, er habe alles verloren: vier wundervolle Enkel, drei Kühe, sein Haus und seine Scheune. Eine seiner Kühe war unter den Trümmern der Scheune verschüttet worden. Die Dorfbewohner hatten drei Tage damit verbracht, die Tiere aus den Trümmern zu befreien.

Nur eine Kuh hatte überlebt. Sie war jedoch zwanzig Tage lang nicht in der Lage aufzustehen. Da eine Kuh jedoch pro Tag zehn Liter Milch geben kann und für die verzweifelte Familie eine wichtige Einkommens- und Nahrungsquelle darstellt, war es unser Ziel, die Kuh aufzurichten.

Um die der Kuh aufzurichten, wurde eine Tragevorrichtung konstruiert.Während ein Teil des Teams sich um die medizinische Versorgung der Kuh kümmerte, begann der Rest, Bambus zuzuschneiden und ein Tragetuch zu nähen, um daraus eine Vorrichtung zu bauen, die das Körpergewicht der Kuh halten kann.

Nachbarn und andere Dorfbewohner halfen uns dabei, die Kuh behutsam auf das Tragetuch zu rollen. Gemeinsam trugen wir sie zu der Hängevorrichtung, die wir gebaut hatten. Mit Hilfe des Tragetuchs sowie den Bambusstangen und Seilen konnten wir die Kuh aufrichten, bis sie stand.

Sie war schwach, dehydriert und verletzt. Doch langsam begann sie, ihre Beine zu belasten. Zum Glück war nichts gebrochen. Sie hatte nur mehrere Wunden und Geschwüre an Beinen und Bauch.

Unser Team behandelt die Kuh.Wir behandelten alle Entzündungen und verbanden ihre Wunden. Dann verabreichten wir ihr Infusionen und gaben ihr Schmerzmittel und Antibiotika. Schließlich brachten wir ihr Futtersäcke, frisches Stroh zum Liegen und bauten ihr einen Unterstand.

Wir erklärten dem Bauern, wie er die Verletzungen weiter behandeln müsse. Wir hatten alles getan, was wir konnten. Wir waren optimistisch, dass sie es schaffen würde.

Als wir gerade dabei waren zusammenzupacken, um weiterzuziehen und weitere Tiere zu versorgen, kam der Bauer zu uns herüber. Er umarmte uns nacheinander, schüttelte uns die Hände und sagte zu jedem von uns: "Danke, dass Sie unserer verbliebenen Familie Hoffnung schenken. Jetzt haben wir wieder eine Chance und eine Zukunft."

Drei Tage später erfuhren wir, dass die Kuh frisst, ihre Verletzungen heilen und sie wieder aus eigener Kraft stehen kann.

Diane Treadwell

Die Unterstützung unserer Spender hat diese Rettung möglich gemacht. Helfen Sie uns, die vielen weiteren verletzten Tiere nach der Katastrophe in Nepal zu retten.

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Experten

Kampagnenberater
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Brian Sharp, Leiter Rettungseinsätze, Einsatzkoordinator für Strandungen
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Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
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Gail A'Brunzo, Leiterin IFAW Wildtierschutz
Leiterin Wildtierschutz, IFAW
Veterinarian, DVM, PhD - IFAW Beijing
Tierärztin, DVM, PhD
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