Elfenbeinaufgriff in Hongkong und erneutes Elefantenmassaker in Kenia verheißen düstere Aussichten für Elefanten

Elfenbeinaufgriff in Hongkong und erneutes Elefantenmassaker in Kenia verheißen düstere Aussichten für ElefantenBei einem der schlimmsten Fälle von Wilderei der letzten Zeit wurde letztes Wochenende im kenianischen Tsavo-Nationalpark eine zwölfköpfige Elefantenfamilie von Wilderern erschossen – darunter auch ein zwei Monate altes Kalb. Die Stoßzähne hackten die Wilderer ab und machten sich daraufhin mit ihrer Beute aus dem Staub.

Obwohl Ranger des Kenya Wildlife Service seit dem Vorfall die ganze Gegend durchkämmt haben und die Kriminellen sowohl auf dem Landweg als auch aus der Luft suchen, ist die Wilderergang weiterhin flüchtig.

Das abscheuliche Massaker an einer Leitkuh samt ihrer Herde kam jedoch keineswegs überraschend.

Ein Tag vor der Tat wurden vom Hongkonger Zoll ca. 1,3 Tonnen Elfenbein sichergestellt. Es befand sich in einem Container, der von Kenia über Malaysia verschickt worden war. In dem Container, dessen Ladung als „archäologische Funde“ deklariert worden war, sollen sich unter Steinbrocken begraben 779 Elfenbeinstücke befunden haben. Die Herkunft des Elfenbeins ist bislang ungeklärt.

Schon in der zweiten Woche des Jahrs 2013 scheinen alle unsere Hoffnungen darauf begraben, dass es in diesem Jahr auf keinen Fall schlimmer wird als im vergangenen Jahr. Bewegen wir uns hier auf eine Katastrophe zu?

Auch wenn das Elefantenmassaker in Tsavo eine weltweite Welle der Empörung ausgelöst hat – Naturschützer warnen bereits seit Jahren davor, dass die gemeldeten Vorfälle bei weitem nicht die tatsächlichen Ausmaße der Wilderei in Afrika widerspiegeln.

Berichten zufolge belief sich das aus Afrika stammende beschlagnahmte illegale Elfenbein auf fast 40 Tonnen.

Das beim Schmuggelversuch entdeckte und beschlagnahmte Elfenbein ist jedoch nur ein Bruchteil der tatsächlich verschifften illegalen Ware. Die organisierten Verbrecherbanden lassen sich ständig neue Wege einfallen, nutzen neue Handelsrouten und Versteckmethoden.

Die Bedrohung für die Elefanten war nie größer als heute. Einige Experten sagen, dass die Wilderei längst wieder das Niveau von vor 1989 erreicht oder sogar bereits überschritten hat. Damals metzelten Wilderergangs Tausende Elefanten nieder und Ranger mussten das Schlimmste verhindern.

Im Jahr 2012 sollen in Kenia mindestens 360 Elefanten Opfer von Wilderern geworden sein. Das bedeutet, dass täglich mindestens ein Elefant getötet wurde. Ein Elefant täglich!

Während sich das Land fest im Griff des scheinbar nie endenden Wahlkampfs befindet, ist es sehr entmutigend, das nicht einer der Kandidaten, die sich um die künftige Führung des Landes bewerben, sich das Thema zu eigen macht.

Und das, obwohl auch sie für die Zukunft durchaus auf den Goldesel Naturtourismus setzen wollen, um dringend benötigtes Geld ins Land zu schaffen. Und wenn es doch mal eine Stellungnahme von Regierungsseite zu dem Thema gibt, wird diese ganz schnell von anderen, „dringenden“ politischen Themen übertüncht.

Dabei ist keineswegs hilfreich, dass wir Kenianer im Ruf stehen, kein besonders gutes Gedächtnis zu haben. Selbst wenn wir uns über einen Vorfall wie das Massaker in Tsavo empören, dann hält die Empörung nie so lange an, dass die verantwortlichen Politiker dafür zur Rechenschaft gezogen werden.

Wenn jetzt nicht gehandelt wird, dann werden die Wilderer die Vernichtung der Elefanten und anderer gefährdeter Arten wie Nashörner weiter vorantreiben und das internationale organisierte Verbrechen weiterhin containerweise Wildtiertrophäen unbehelligt durch die ganze Welt schmuggeln.

Indessen wird es wohl bei Lippenbekenntnissen bleiben und der schwarze Peter wird wahlweise der Vetternwirtschaft, der Korruption, der mangelnden Strafverfolgung, der Gleichgültigkeit, der Unwissenheit, zu milden Gerichtsurteilen, der Armut, der Unsicherheit oder der Nachfrage zugeschoben.

Sollten Sie mal einen kenianischen Nationalpark oder ein Nationalreservat wie Tsavo, Meru, Samburu, Massai Mara, Amboseli oder eine andere Gegend, in der Elefanten leben, besuchen und einen Elefanten sehen, der beim Anblick Ihres Fahrzeugs schnell in den Busch verschwindet, dann wissen Sie Ihr Glück besser zu schätzen! Und wenn es auch nur das Hinterteil war, wenigstens haben Sie einen Elefanten gesehen.

Denn wenn die Wilderei weiterhin so zunimmt, dann schätzen wir uns in zehn Jahren glücklich, wenn wir eine Gazelle oder ein Zebra zu Gesicht bekommen.

- EW

Mehr Informationen über unseren Einsatz für ein Ende des weltweiten Elfenbeinhandels finden Sie hier.

PHOTOS: ©Alex Hofford/IFAW

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Experten

Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Mitglied des IFAW-Elefantenteams
IFAW-Elefantenexpertin
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
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James Isiche, Regionaldirektor Ostafrika
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Jason Bell, Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südliches Afrika
Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südafrika
Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
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Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
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