Elefant zerstört Wildhüter-Camp im indischen Dschungel

Nach dem Elefantenüberfall war vom Haupthaus nicht mehr viel übrig.Der Internationale Tierschutz-Fonds hat Mitarbeiter in aller Welt. Einige arbeiten von einem unserer 15 Länderbüros aus, andere arbeiten draußen, weitab der Zivilisation und nah bei den Tieren, um die wir unskümmern.

Loknath, einer unserer Wildhüter im indischen Assam ließ uns diesen erschreckenden Bericht über einen "unwillkommenen Gast" in seinem Camp zukommen. -- IR

Der Tag begann eigentlich wie jeder normaler Wintertag. Wir waren gerade auf unserer Routinepatrouille mit dem Forstbeamten von Manas und hatten aufgrund des dichten Winternebels keinerlei Sicht auf irgendwelche Tiere.

Ein wenig erschöpft erreichten wir nach fünf Stunden das Doimari-Camp, in freudiger Erwartung des Willkommensmahls, das für uns bereitet worden war. Der Nachmittag verstrich ohne besondere Vorkommnisse und das Team verließ das Camp am Abend nach Sonnenuntergang gegen 4.30 Uhr und ließ mich und Modo im Camp zurück, wo wir für einen Monat für die Nachtschicht eingeteilt waren.

Wir richteten uns in der mitten im Wald gelegenen Hütte ein, unsere Gewehre, Munition und Knallkörper in Reichweite, wohl wissend, das dass wir sie vielleicht bald brauchen würden, um Tiere zu verscheuchen, die im Camp nach Futter suchten. An diesem Abend genossen wir einfach nur die wunderbare Stille der Natur und hatten nicht die leiseste Ahnung davon, was uns noch bevorstand.

Die tiefe Stille wurde plötzlich jäh von einem Geräusch durchbrochen, das sich uns mit jeder Sekunde näherte. Starr vor Schreck schauten Modo und ich uns an und waren uns auch ohne Worte einig - ein unwillkommener Besucher um 7 Uhr abends mitten im Urwald kann nichts Gutes bedeuten.

Plötzlich erklang laut und bedrohlich das Trompeten eines Elefanten. Mit einem kalten Schauer auf dem Rücken und Gänsehaut am ganzen Körper sprangen wir vom Bett auf, eilten zur Tür und sahen, wie sich unsere schlimmste Befürchtung tatsächlich bewahrheitete: Ein riesiger Elefantenbulle stürmte unser Camp.

An Schlaf war nun wirklich nicht mehr zu denken, wir waren nur noch von Adrenalin und Angst getrieben. Wie angewurzelt standen wir da und schauten hilflos zu, wie der Bulle wütete, wie er alle Fenster zerbrach und die Hüttenwände zum Beben brachte. Mit einer Mischung aus Grauen und ehrfürchtiger Faszination verfolgten wir das sich uns darbietende Schauspiel.

Wie ein Blitz durchfuhr mich da der Gedanke an die Stahlplatten, die neben meinem Bett lagen. Ich nahm all meinen Mut zusammen, rannte zurück nach drinnen, hob die Platten auf und eilte wieder nach draußen, wobei ich sie laut aneinander schlug.

Meine Hoffnung, das wuchtige Tier ließe sich vielleicht davon einschüchtern, war vergeblich. Der Elefantenbulle ließ seiner Zerstörungswut einfach weiter freien Lauf und attackierte als Nächstes die Küchenwände, zu denen ihn womöglich der Essensgeruch gelockt hatte.

Modo schnappte sich die Knallkörper und wir hofften inbrünstig, dass sie helfen würden. Leider sah es gar nicht so aus, als plane der Elefant seinen baldigen Rückzug, stattdessen hatte er jetzt ganz klar uns als Zielscheibe seiner schlechten Laune auserkoren.

Beim Anblick des massigen Körpers, der sich auf uns zu bewegte, gaben wir das Camp schließlich auf und rannten um unser Leben, feuerten als letzten verzweifelten Versuch ihn zu warnen drei Schüsse in die Luft. Wir hielten erst an, als wir sicher waren, dass wir uns in sicherer Distanz befanden.

Unsere Gewehrschüsse stachelten den Bullen offenbar noch mehr an und er fuhr munter damit fort, alles zu zertrampeln, was ihm in den Weg kam.

Da alle Nahrung und Habseligkeiten mit dem Camp zerstört worden waren, wir aufgrund eines Netzausfalls keinen Strom und somit keine Möglichkeit hatten, die Zentrale zu kontaktieren, blieb uns nichts anderes übrig, als bis zum nächsten Morgen auf das Eintreffen von Hilfe zu warten.

Die nächsten zwölf Stunden waren quälend lang, jede einzelne Bewegung, die wir machten, geschah unter dem argwöhnischen Blick des Elefantenbullen. Wir fühlten uns hilflos, weil wir wussten, dass wir hier in seinem Dschungel gänzlich seiner Gnade ausgeliefert waren.

Wenn ich jetzt an die Ereignisse jenes Abends zurückdenke und mir bewusst mache, wie glimpflich das Ganze ausgegangen ist, bestärkt mich das nur in meiner Begeisterung dafür, für den Schutz der Wildtiere zu arbeiten.

So furchteinflößend unsere Erinnerungen an den Abend auch sind, letztendlich empfanden wir nicht nur Furcht, sondern vor allem Ehrfurcht - Ehrfurcht vor diesem prächtigen Geschöpf der Natur und seiner gigantischen Wut.

Ich kann jetzt besser verstehen, wie natürlich es war, dass der Elefant den Fremdkörper, der sich ihm da in den Weg stellte, genau inspizieren musste. Immerhin hatten wir in seinem Wald ein Camp errichtet und alles was er tat war, sein Revier in Doimari zu verteidigen. Dazu hatte er jedes Recht.

--Loknath

Mehr über unsere Projekte zur Rettung von Wildtieren erfahren Sie hier.ect page.

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Experten

Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Mitglied des IFAW-Elefantenteams
IFAW-Elefantenexpertin
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
Regionaldirektorin Asien
James Isiche, Regionaldirektor Ostafrika
Regionaldirektor Ostafrika
Jason Bell, Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südliches Afrika
Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südafrika
Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
Regionaldirektor Südasien