Ein Jahr im Amboseli-Nationalpark: Die Hochs und Tiefs eines Elefantenforschers

Anghareds kleine Tochter bettet sich zum Schlafen an den für ein Elefantenkalb denkbar sichersten Ort.Man sagt, dass die Zeit schneller vergeht, wenn man Spaß hat. Die letzten zwölf Monate gehören somit sicherlich zu den kurzweiligsten meines ganzen Lebens. Die Amboseli-Elefanten kennenzulernen war ein riesiges Vergnügen und ich bin jeden Tag von neuem dafür dankbar, dass ich hier arbeiten darf.

Ich darf natürlich nicht vergessen, dass meine Forschungsarbeit hier aufgrund vieler trauriger Ereignisse im Amboseli-Nationalpark nötig geworden ist und dass Elefanten und Menschen sich auch noch zwei Jahre später vom Dürrejahr 2009 erholen müssen.

In meinen ersten zwölf Monaten hier hatte ich sehr viel Glück. Der erste Regen blieb zwar aus, doch der zweite war gut und gemeinsam mit den Menschen in Ostafrika hoffe ich nun auf mehr. Dank des bislang ausreichend gefallenen Niederschlags geht es den Elefanten gut. Während ich diese Worte schreibe, kann ich als Resultat eines Babybooms 63 neue Kälber verzeichnen und unsere Teams entdecken täglich neue Geburten. Bislang sehen alle Kälber kräftig und gesund aus.

Die Jungtiere bringen viel neuen Schwung in die Familien, und nahrhaftes und üppig vorhandenes Futter macht die Elefanten verspielt, neugierig und lässt sie sehr sprunghaft auf äußere Reize reagieren: So kann beispielsweise der Ausruf unsererseits „Schau mal, ein Reiher!!!“ als Auslöser dafür dienen, dass die gesamte Familie plötzlich 100 Meter weit weg galoppiert, die Kleinen versuchen den Anschluss zu halten, ihre Beine schnell wie im Zeitraffer schwingend. Was dann wiederum der Auslöser für die Elefantenforscher ist: Genervtes Augenverdrehen, das Fahrzeug anwerfen, sich neu aufstellen und die ganze Arbeit von vorne beginnen. Das ist allerdings auch nur die ersten paar Male lustig und so sehr ich mich auch darüber freue, dass die Elefanten sich in der Hitze von Kenias Trockensaison so beschwingt fühlen, würde ich mir auch wünschen, dass sie einen Tick weniger lebhaft wären.

Ich habe auch erlebt, dass brünstige Elefantenbullen bei uns vorbeischauten, um „Hallo“ zu sagen. Nun weiß zwar jeder, dass ich Elefanten abgöttisch liebe, bei meiner Arbeit auch sehr viel Zeit umringt von Elefanten verbringe und ich das wunderbar finde. Ich gebe jedoch auch zu, dass ein mir fremdes, sechs Tonnen schweres, hormongesteuertes männliches Exemplar, das schnurstracks auf unser Auto zustampft, mir durchaus ein wenig Respekt einflößt ...

Ja, ich kann sagen, es sind gute Zeiten und es ist die pure Freude, hier bei den Elefanten zu sein. Die IFAW-Familien sind alle wohlauf; die AA-Familie hat zurzeit vier neue Kälber. Agathas Kalb habe ich am Neujahrstag entdeckt, einen besseren Jahresbeginn 2012 hätte ich mir gar nicht wünschen können. Durch die neuen Kälber haben Amelia und Agathas Familie in den letzten Wochen mehr Zeit mit Alison verbracht, was zu vielen interessanten Interaktionen geführt hat.

Eine der am sehnlichsten erwarteten Geburten hatte Anghared, Amelias dreißigjährige Tochter. Sie hatte schon vier Kälber zur Welt gebracht, die sie jedoch alle in Dürreperioden verlor. In der Dürre 2009 verlor sie zwei Söhne – einen siebenjährigen und einen zweijährigen. Wir hoffen natürlich, dass alle Elefantenkälber überleben, was jedoch zwangsläufig unmöglich ist. Für Anghareds kleine Tochter hoffe ich aber ganz besonders, dass sie durchkommt. Sie hat eine erfahrene Matriarchin, eine erfahrene Mutter und junge Weibchen, die sie alle gemeinsam bemuttern können und die nur das Beste für sie wollen.

Eclipses kleiner kräftiger Sohn beugt sich über seinen Cousin – die neuen Rabauken der EA-Familie.  Die EA-Familie hat ebenso Neuzugänge zu verzeichnen; entgegen all unseren Hoffnungen hat Eclipse letztendlich keine Zwillinge zur Welt gebracht, aber dafür eins der dicksten Elefantenkälber, das ich je im Amboseli-Nationalpark gesehen habe! Der robuste kleine Bulle sieht aus, als würde er ein Federbett tragen. Er spielt viel mit Eluais Sohn, seinem fast gleichaltrigen Cousin. Ich bin sicher, dass sie einiges an Unruhe in die Familie bringen, wenn sie größer werden! Eclipses älteste Schwester Elfrida hat ebenfalls eine Tochter zur Welt gebracht. Die GB- und die JA-Familie liegen verglichen mit den AAs und den EAs leicht im Hintertreffen – zurzeit haben bei den GBs nur Garamba und Garissa Kälber und bei den JAs gab es gar keine Geburten.

Besuchern des Parks mag Amboseli wie das Paradies vorkommen – grüne Sümpfe, eine wachsende Elefantenpopulation und Einheimische, die Massai, die sehr schön im Einklang mit ihrer Umwelt und den Wildtieren leben. In gewisser Hinsicht ist das der richtige Eindruck. Die Wilderer sind nicht hier. Noch nicht. Doch noch während ich den kleinen Kälbern dabei zusehe, wie sie ihre ersten unbeholfenen Schritte auf dieser Welt tun, bange ich schon um ihre Zukunft.

Ich würde liebend gerne glauben, dass in 60 Jahren, wenn diese Elefantenkälber alt sind, Amboseli immer noch das gleiche wunderschöne und funktionierende Ökosystem ist. Dazu wird eine Menge Arbeit nötig sein und wir, die uns um den Amboseli-Park kümmern, wissen, dass wir unermüdlich dafür arbeiten müssen. Gemeinsam mit unseren Kollegen vom IFAW und von allen anderen im Ökosystem aktiven NGOs müssen wir weiter reichende Probleme bekämpfen: Den Elfenbeinhandel, den Wildtierhandel im Allgemeinen und die Formen der Landnutzung, die mit Tierschutz nicht kompatibel sind.

Ohne die Unterstützung von Spendern wie Ihnen wäre all das nicht möglich. Bitte unterstützen Sie uns auch in diesem Jahr, damit wir die Elefanten und das Ökosystem im Amboseli-Nationalpark vor den Bedrohungen von Wilderei und anderen zerstörerischen Einflüssen schützen können.

-- VF

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Experten

Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Mitglied des IFAW-Elefantenteams
IFAW-Elefantenexpertin
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
Regionaldirektorin Asien
James Isiche, Regionaldirektor Ostafrika
Regionaldirektor Ostafrika
Jason Bell, Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südliches Afrika
Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südafrika
Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
Regionaldirektor Südasien