Ein Besuch bei einem Schaf- und Ziegenhalter im Wolfsland

Torsten Fritz hilft Nutztiere vor Wölfen zu schützen.

Die warme Frühlingsonne lässt das frische Grün auf den Wiesen und an den Bäumen erstrahlen, friedlich grasen Ziegen und Schafe neben einem stillgelegten Bahngleis, welches sich in der Ferne des Flämings verliert  – einer Region südwestlich von Potsdam/Berlin. Alles macht einen freundlichen und friedlichen Eindruck. Dieser täuscht auch nicht. Dennoch gibt es hier etwas Besonderes, etwas noch nicht Alltägliches in unseren Regionen. Denn hier ist Wolfsland.

Ich bin mit meinem Kollegen, Torsten Fritz, zu Besuch bei einem Schaf- und Ziegenhalter, der als Hobby ein Dutzend Tiere auf den weitläufigen Flächen neben seinem Haus grasen lässt. Torsten ist ehrenamtlicher „Wolfsbeauftragter“ des Landes Brandenburgs und berät im Auftrag des IFAW Nutztierhalter, wie sie ihre Tiere vor Übergriffen von Wölfen schützen können.

Wölfe ernähren sich hauptsächlich von Paarhufern wie Rehen, Wildscheinen und Hirschen, aber eben auch von Schafen oder Ziegen – wenn diese nicht ausreichend geschützt sind. Schließlich können Wölfe nicht zwischen „erlaubter“ und „verbotener“ Nahrung unterscheiden.

Der Tierhalter begrüßt uns freundlich und ist offensichtlich dankbar, dass er nun durch das Engagement des IFAW kostenlos einige wertvolle Tipps für einen sicheren Schutz seiner Tiere bekommt. So starten wir auch gleich zu einem Rundgang über die Weideflächen. Als Erstes liegt das Augenmerk auf der Zäunung. Mindestens 90 cm sollte sie hoch sein und mit ausreichender Stromversorgung versehen. Schnell finden wir Schwachstellen, die ein Wolf auf Nahrungssuche sicherlich ausnutzen würde: An einer Stelle ist ein großer Abstand zwischen dem unteren Draht und dem Boden. Dieser sollte aber nicht mehr als 30 cm betragen, sonst könnte sich ein Wolf darunter durchschieben. Hier muss also die Zäunung nachgebessert werden. An einer anderen Stelle ist der Zaun deutlich zu niedrig. Hier könnte ein Wolf mit Leichtigkeit drüber springen.

Torsten gibt noch weitere wichtige Tipps: Auch Wassergräben oder Teiche sind kein wirkliches Hindernis für einen hungrigen Wolf. Hier sollte der Zaun daher ebenfalls sorgfältig gestellt werden. Wird ein Wolf in unmittelbarer Nähe einer Tierherde gesehen oder hat er bereits versucht, auf die Weideflächen zu gelangen, kann als zusätzliche Abschreckungsmaßnahme ein sogenanntes „Flatterband“ auf die Oberkante des Zauns gesteckt werden. Das Geräusch und die Bewegung des Bandes irritieren den Wolf und halten ihn von einem Angriff auf die Herde ab.

Sollte doch einmal ein Tier trotz ausreichender Herdenschutzmaßnahmen durch einen Wolf verloren gehen, gibt es die Möglichkeit einer bis zu hundertprozentigen finanziellen Entschädigung seitens des Landes, erzählt Torsten. Aber besser ist es natürlich, wenn erst gar kein Schaf und keine Ziege einem Wolf zum Opfer fallen.

Auf Grundlage einer Kooperationsvereinbarung zwischen dem IFAW und dem Umweltministeriums des Landes Brandenburgs werden in den kommenden Wochen bei ca. 50 Tierhaltern in der Region Beratungsgespräche zum Umgang mit Wölfen stattfinden. Ziel dieser Maßnahme ist, die Akzeptanz für die natürliche Rückkehr des Wolfes zu fördern  – insbesondere bei den Nutztierhaltern, die durch den Wolf besonders berührt sind. Denn nur so hat der Wolf eine Chance, sich bei uns wieder zu etablieren.

Übrigens: Dieser Schaf- und Ziegenhalter  sieht der Rückkehr des Wolfes schon jetzt positiv entgegen: „Der Wolf gehört einfach zu unserer Natur dazu. Jetzt, wo er wieder zurückkommt, muss ich meine Tiere eben besser schützen, aber diese Möglichkeiten gibt es ja.“

--RK

Unterstützen Sie die Arbeit des IFAW, damit es schon bald wieder mehr Wölfe in unseren Wäldern gibt.

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Experten

Gail A'Brunzo, Leiterin IFAW Wildtierschutz
Leiterin Wildtierschutz, IFAW
Robert Kless, Leiter Wildtier-Kampagnen, IFAW Deutschland
Leiter Wildtier-Kampagnen, IFAW Deutschland