Eben noch im Büro – und am Abend in den Tagesthemen!

Eigentlich neigte sich mein Arbeitstag bereits dem Ende entgegen. Doch dann ein Telefonanruf: Ein NDR-Fernsehteam kündigte sich an, um mit mir noch ein Interview für die ARD-Tagesthemen desselben Abends zu drehen. Thema: illegaler Elfenbeinhandel in China und die zunehmende Elefantenwilderei in Afrika.

Klarer Fall, hier sagt man nicht „Nein“! Eile war geboten, der „Dreh“ musste zügig im Kasten sein, damit der Beitrag bis zur Ausstrahlung fertig wird.

Der aktuelle Anlass für dieses Interview war die Veröffentlichung einer neuen IFAW-Studie zum Elfenbeinmarkt in China.

Nun also die Chance, dieses mir so wichtige Thema in den Tagesthemen zu präsentieren. Aber, es musste schnell gehen. Rasch stellten wir noch Filmszenen mit traurigen und eindrücklichen Motiven über das kürzlich erst stattgefundene Elefanten-Massaker in Kamerun bereit, passende Bilder und Grafiken zur Untersuchung in China wurden auf den Rechner gespielt, sodass sie vom PC-Monitor abgefilmt werden konnten; letzte Infos und Fakten von unseren chinesischen Kollegen wurden abgefragt. Währenddessen baute das Fernsehteam Kamera und Licht auf, Pflanzen und Stühle wurden auf die Seite gerückt, schnell sah mein Büro eher wie ein Fernsehstudio aus. Dann das Interview und die Fakten auf den Punkt bringen:

In China wird in zunehmendem Umfang Elfenbein illegal verkauft; das von den chinesischen Behörden eingeführte Lizenz- und Registrierungssystem zur Kontrolle des Elfenbeinhandels funktioniert offensichtlich nicht, vielmehr wird es ignoriert oder missbraucht, um illegales Elfenbein in den legalen Markt einzuschleusen und zu verkaufen; der im Jahre 2008 genehmigte Export von Elfenbein aus den Lagerbeständen von vier südafrikanischen Ländern nach China brachte nicht das von manchen Politikern erhoffte Ziel, den Markt zu sättigen, sondern das Gegenteil war der Fall: die Nachfrage nach Elfenbein in China steigt, der Preis für Elfenbein verdreifachte sich innerhalb weniger Jahre, hohe Profite und geringes Risiko heizen die Wilderei von Elefanten in Afrika weiter an; der Elfenbeinmarkt kann nicht kontrolliert werden, die einzige Lösung ist: kein Elfenbeinhandel, solange Elefanten dafür sterben müssen.

Soweit das Interview. Noch ein paar Filmaufnahmen, wie ich am Schreibtisch sitze, von vorne, von der Seite, über die Schulter. Klappe – das war’s. Das Fernsehteam rauschte davon, das Material musste geschnitten und kommentiert werden. Mir blieb die etwas bange Frage, ob der Betrag auch tatsächlich am Abend gesendet und nicht in letzter Minute wegen eines anderen aktuelleren Themas gekippt wird.

Zu Hause vor dem Fernseher hatte ich dann die Gewissheit: Der Bericht wurde gesendet!

Ein langer und spannender Arbeitstag ging zu Ende, mit dem Gefühl, wieder ein bisschen dazu beigetragen zu haben, dass die Öffentlichkeit und Politiker von den Grausamkeiten der aktuellen Elefantenwilderei in Afrika und den Problemen des Elfenbeinhandels in China erfahren. Damit endlich die notwenigen Maßnahmen getroffen werden und das Abschlachten von Elefanten wegen ihres Elfenbeins ein Ende hat.

-- RK

Post a comment

Experten

Céline Sissler-Bienvenu,Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Direktorin Frankreich und frankophones Afrika
Mitglied des IFAW-Elefantenteams
IFAW-Elefantenexpertin
Grace Ge Gabriel, Regionaldirektorin Asien
Regionaldirektorin Asien
James Isiche, Regionaldirektor Ostafrika
Regionaldirektor Ostafrika
Jason Bell, Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südliches Afrika
Programmdirektor Elefanten, Regionaldirektor Südafrika
Peter Pueschel, Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Direktor Internationale Natur- und Umweltschutzabkommen
Vivek Menon, Regionaldirektor Südasien
Regionaldirektor Südasien